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Nachhaltige Werkstatt : Tische für alle

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Diese Kopfbedeckung legt er nur im Sommer ab: Meffert ist ein Mann mit Hut. Bild: Wonge Bergmann

Preiswerte Möbel, bunt lackiert, Antiquitäten aus noblen Hölzern. Walter Meffert hatte schon vieles in seiner Werkstatt. Gern gibt er auch Neuem den Anschein des Alten.

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          Sein Markenzeichen ist der schwarze Hut mit dem breiten Rand, der aussieht, als ob er auf seinem Schädel festgewachsen sei. Nur ein kräftiger Windstoß lässt den Träger schon mal oben ohne im Regen stehen. Einzig in den heißen Sommermonaten Juli und August, bei seiner saisonalen Auszeit im Waldschwimmbad in Neu-Isenburg, legt er die Kopfbedeckung ab, dafür trägt Walter Meffert, genannt „Meffy“, dann einen Strohhut.

          Der Fünfundsechzigjährige ist im Frankfurter Stadtteil Bornheim bekannt wie ein bunter Hund, und seit er die Möbel, die er entwirft, über soziale Medien bekanntmacht, nicht nur dort. Voller verschiedener Farben ist auch der Lebenslauf des Fünfundsechzigjährigen. Er hat Elektriker gelernt und war einer der wenigen Korbflechter in Deutschland. Für die Korbmacherei, das älteste Handwerk der Welt, älter als das Töpfern, von der Unesco als immaterielles Kulturgut gewürdigt, brauchte er Fingerspitzengefühl, Geschick und Geduld. Wenn er von dieser Tätigkeit erzählt, tauchen mittelalterliche Bilder vor einem auf, von Frauen in langen derben Gewändern, von Bauern, die sich in Heimarbeit ein Zubrot verdienen.

          Reparieren, verschönern, anfertigen

          Heute ist Meffert Hausmeister, Schreiner, Trödler, Antiquitätenhändler, Kreativer, Künstler und Designer. Eine Zeitlang hat er vorwiegend antike Schränke aus Haushaltsauflösungen restauriert, Weichholzmöbel vom Flohmarkt aufpoliert oder altersschwache Kommoden aus Nachlässen aufgearbeitet und ihre Holzwurmlöcher fachmännisch verschmiert. Dann stieg er auf Sonderanfertigungen um und erfüllt seitdem die Wünsche von Kunden, die Antiquitäten lieben, aber sich teure Raritäten nicht leisten können. Er handelt nicht nur nach der Devise „Aus Alt mach Neu“, sondern gibt auch Neuem eine vermeintliche Patina. Geerbte Schränke werden aufgemöbelt, moderne Einrichtungsgegenstände aus dem Möbelhaus mit ein paar Eingriffen in Unikate verwandelt. Oder er baut nach historischen Vorlagen ein neues gutes altes Stück und nennt das „Repro-Möbel“.

          Seit vielen Jahren repariert, verschönert oder fertigt Meffert in seiner kleinen Werkstatt; eine spezielle Variante seiner Handarbeit sind die bunten Tische. Es sind millimetergenau nach Maß gezimmerte Objekte aller Größen, Holzarten, Form der Beine und Stärke der Tischplatten, mit oder ohne Schubladen – und mal mit lila-lackierten Platten, mal mit zitronengelben, mal mit apfelgrünen. Die poppigen Stücke gefallen oft jungen Leuten mit kleinem Geldbeutel, für Kunden, die tiefer in die Taschen greifen können, hat er anderes, Tische aus Wildeiche zum Beispiel, seinem Lieblingsholz. Für Eintrachtfans hat er einmal ein Möbel mit schwarz-roten Streifen und mit Adlerwappen entworfen. Er habe es aber nie anbieten können, sagt er, weil der Verein hohe Lizenzgebühren verlangt hätte.

          „Ich bin ein ausgeglichener und glücklicher Mensch“, sagt der Mann mit dem Hut, das Wort „Stress“ kenne er nicht. Er ist ein entspannter Freidenker, der selbstverantwortlich für seine Lebensgestaltung steht, und weil er Geselligkeit schätzt, am liebsten in einem Hotel mit vielen internationalen Gästen wohnen würde, wie Udo Lindenberg, auch ein Mann mit Hut. Aber leider fehlt dem Bornheimer das nötige Kleingeld, und so träumt er von einer gut funktionierenden Wohngemeinschaft für ältere Menschen, in der Art einer Großfamilie, wie in der Rhön, wo er einmal gelebt hat.

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