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Waisenhaus in Nairobi : Weihnachten 2008 soll das neue Zuhause fertig sein

Bekommen bald mehr Platz: Waisen im „Mothers Mercy Home” in Nairobi Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

„Cargo Human Care“ hat die Planungen für ein neues Aidswaisenhaus in Nairobi weitgehend abgeschlossen. Die Kinder können künftig viel besser betreut werden.

          3 Min.

          Ein Dutzend eiserne Doppelstockbetten stehen in der schmalen Wellblechbaracke. Alles Private muss in einer blauen Kiste Platz finden, die tagsüber auf dem Fußende jedes Bettes steht. Kein Schrank, kein Spind, kein Nachttisch, dafür ist weder Platz noch Geld da im „Mothers Mercy Home“. Doch für Eli, Peter, Elisabeth, John und die anderen der 84 Kinder, die in dem Aidswaisenhaus am nördlichen Rand der kenianischen Hauptstadt Nairobi leben, ist die karge Unterkunft ein Glück.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Denn hier haben sie ein Zuhause und die Geborgenheit gefunden, die sie entweder nie gekannt oder mit dem Aidstod ihrer Mütter und Väter verloren hatten. Bald werden nicht nur diese Kinder, sondern noch mehr als vierzig weitere unter dem Schutz der Betreuerinnen leben können: Statt der Wellblechbaracken sollen noch vor dem nächsten Weihnachtsfest Häuser aus Stein auf dem Gelände stehen.

          Korruption soll verhindert werden

          So jedenfalls haben es die Initiatoren des Hilfsprojekts „Cargo Human Care“, Piloten der Lufthansa Cargo und Ärzte aus Deutschland, zusammen mit den Betreuerinnen des Heims und der anglikanischen Kirche Kenias geplant. Die Leser der Frankfurter Allgemeinen Zeitung helfen mit ihren Spenden dabei, diesen Plan in die Tat umzusetzen. Für „Cargo Human Care“ hat inzwischen Corinna Röhricht die Federführung übernommen, was die Planung des Baus und die Ausschreibung in Kenia betrifft. Die promovierte Geologin ist afrikaerfahren und auch mit dem Thema Kostenkontrolle bestens vertraut, denn sie arbeitet bei der Frachtfluglinie der Lufthansa im Controlling.

          Um ein solches Projekt planerisch auf die Beine zu stellen, braucht es schon einige Arbeitsbesuche und etliche Gespräche mit kenianischen Bauunternehmern, Architekten und Behörden. Vor wenigen Wochen ist Röhricht nun wieder für fünf Tage im „Mothers Mercy Home“ zu Besuch gewesen. Zusammen mit Heimleiterin Paula N. Karanja und Timothy Ranji, dem Bischof der Diözese Mount Kenia South der anglikanischen Kirche, arbeitete Röhricht die Pläne so weit aus, dass die Ausschreibungen eingeleitet werden und die Baugenehmigung beantragt werden kann.

          Wie Bischof Timothy erläutert, werden bei sämtlichen Projekten der anglikanischen Kirche in Kenia Ausschreibungen nach strikten Regeln vollzogen, was Korruption verhindern soll. Das gelingt dem Bischof zufolge dadurch, dass die Angebote, die auf die in Zeitungen veröffentlichten Aufträge eingehen, alle zur selben Zeit geöffnet werden – vom Aufsichtsrat der Kirche, der dann unmittelbar über die Vergabe entscheidet. In dem Gremium seien Rechtsanwälte, Kaufleute und andere in geschäftlichen Dingen erfahrende Männer und Frauen vertreten.

          128 Schlafplätze sind vorgesehen

          Vor allem um die Kosten so niedrig wie möglich zu halten, sah ein früher Plan vor, die Kinder in dem zweistöckigen Haus in Schlafräumen mit jeweils 16 Betten unterzubringen – wie dies bislang Standard in ähnlichen Einrichtungen in Kenia ist. Dann aber, so berichtet Röhricht weiter, sei die Entscheidung gefallen, kleinere Zimmer für jeweils vier Kinder zu bauen. „Im Hinblick darauf, dass wir ja ein Zuhause und nicht eine Schule planen, war uns wichtig, dass die Kinder auch eine kleine Privatsphäre entwickeln können.“ Nun sind 128 Schlafplätze in Vierbettzimmern vorgesehen. Im neuen „Mothers Mercy Home“ soll jedes Kind auch einen Schrank bekommen.

          Erstmals wird es für sie auch moderne und genügend Sanitärräume geben – außerdem je ein Krankenzimmer für Jungen und Mädchen mit jeweils zwei Betten und separater Toilette. Für die Betreuerinnen – die „Mothers“ – wollen die Planer je eine Wohnung im Jungen- und eine im Mädchentrakt bauen. Der vorgesehene Gemeinschaftsraum ist so konzipiert, dass er später mit Computerarbeitsplätzen ausgestattet werden kann. Eine kleine Bibliothek soll dort ebenfalls Platz finden.

          Von Beginn an hat Sven Sievers, medizinischer Leiter des Hilfsprojekts „Cargo Human Care“ und ehemaliger Chefarzt, dafür plädiert, im „Mothers Mercy Home“ eine kleine Medizinstation einzurichten, um die Kinder behandeln zu können und auch die Kranken aus den nahen Armenvierteln. Auch diese ist nun beschlossene Sache, wie Corinna Röhricht berichtet. Der Standort auf dem Areal ist so gewählt, dass die von außerhalb kommenden Patienten nicht das Gelände des Kinderheims betreten müssen, sondern von der Straße aus direkt zu Wartezimmer, Behandlungsraum und Medikamentenausgabe gelangen. Vorgesehen sind auch ein Sicherheitszaun und eine Bewachung, denn das „Mothers Mercy Home“ ist umringt von großer Armut und einem stetigen Kampf ums tägliche Auskommen, der auf kleine Aidswaisen oft keine Rücksicht nimmt.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“

          Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ und die „Frankfurter Allgemeine / Rhein-Main-Zeitung“ bitten um Spenden, die dem Projekt „Leben mit Krebs“ und einem Waisenhaus in Nairobi/Kenia zugute kommen.

          Spenden für das Projekt „F.A.Z.-Leser helfen“ bitte auf die Konten:

          Nummer 11 57 11 bei der Frankfurter Volksbank (BLZ 501 900 00)

          Nummer 97 80 00 bei der Frankfurter Sparkasse (BLZ 500 502 01)

          Die Namen der Spender werden in der Zeitung veröffentlicht. Selbstverständlich wird auch der Wunsch respektiert, auf eine Namensnennung zu verzichten. Spenden können steuerlich abgesetzt werden. Allen Spendern wird, sofern die vollständige Adresse angegeben ist, eine Spendenquittung zugeschickt.

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