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Wahlkampf in Frankfurt : Wahlkampf ohne Merkel, dafür mit Schulz und Lindner

Personalentscheidungen: Die CDU muss, anders als 2013, den Wahlkampf ohne Kanzlerin absolvieren. Die SPD dagegen hat den Spitzenmann verpflichtet – er heißt nun Schulz und nicht Steinbrück. Bild: dpa

Acht Wochen vor der Bundestagswahl haben die Frankfurter Parteizentralen die Redner verpflichtet und die Plakate bestellt. Zum Renner im Wahlkampf wird ein alter Hut.

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          Über Angela Merkel kursiert ein Gerücht in der Frankfurter CDU. Es lautet so: Die Bundesvorsitzende und Kanzlerin sei vor vier Jahren derart ungehalten gewesen über die lauten Demonstranten auf dem Römerberg während ihrer Wahlkampf-Großveranstaltung, dass Merkel in diesem Jahr vor der Bundestagswahl einen Bogen um die Stadt mache. Richtig an dem Gerücht ist jedenfalls, dass die CDU-Chefin bis zum 24. September nicht in Frankfurt für einen öffentlichen Wahlkampftermin zur Verfügung stehen wird, wie die Kreisgeschäftsstelle bestätigt.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ob das an den heftigen Parolen Ende August 2013 liegt, die sowohl Gegner von Linksaußen als auch Schreihälse aus der AfD gegen Merkels Rede skandierten, ist dagegen nicht sicher. Für einen Auftritt im feinen Messe-Kongresshaus Kap Europa, den Merkel vor der Europawahl 2014 vor geladenen Gästen absolvierte und den sie sich offenbar wieder hätte vorstellen können, fehlte dem klammen Kreisverband diesmal das Geld.

          Ursula von der Leyen spricht für die CDU

          Der Frankfurter CDU-Vorsitzende Jan Schneider will nicht an das Gerücht zu Merkels Fernbleiben glauben. Er sagt: „Ich weiß nicht, ob das einen großen inhaltlichen Grund hat. Wir machen aus Frankfurt zwar viel, aber nicht die Redeneinteilung der Bundesvorsitzenden. Ich kann mir schon vorstellen, dass mit Blick auf eine gewisse Ausgewogenheit auch andere Städte mal dran sind.“ Als prominenteste Rednerin wird nun Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen am 15. August zu hören sein.

          Anders ist die Lage bei den Sozialdemokraten. Geschäftsführer Andreas Heusinger von Waldegge hat nicht lange um einen Auftritt des Kanzlerkandidaten und Parteichefs Martin Schulz bitten müssen: „Die sind auf uns zugekommen“, berichtet er. Am 25.August, an dem auch das Museumsuferfest eröffnet, wird Schulz nachmittags auf dem Römerberg sprechen – als Startschuss für die letzten vier Wahlkampfwochen. Am 14.August tritt Justizminister Heiko Maas auf, am 14.September kommt der stellvertretende Bundesvorsitzende Ralf Stegner nach Frankfurt.

          Auch andere Parteien haben prominente Unterstützer gewonnen. Grünen-Vorstandssprecherin Beatrix Baumann kündigt die Bundesvorsitzende Simone Peter (24. August), die Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt (26. August) und den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (5. September) an. Der FDP-Geschäftsstellenleiter Torsten Kutzner verspricht für den 18. September einen Auftritt des Bundesvorsitzenden Christian Lindner. AfD-Sprecher Markus Fuchs berichtet von einem Auftritt des früheren Frankfurter Kämmerers Albrecht Glaser am 11.August im Südbahnhof. Und der Linken-Vorsitzende Axel Gerntke plant eine „Z-Veranstaltung“, das „Z“ stehe für „zentral“. Die wird für den 8.September an der Konstablerwache von der Bundestagsfraktion organisiert, und „da erscheint Parteiprominenz“. Wer das sein wird, kann Gerntke noch nicht sagen.

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          Während CDU, SPD, Grüne und FDP rund 50000 Euro aus der eigenen Kasse zum Wahlkampf beisteuern, sind es bei Linken und AfD zirka 20000 Euro. Für fast alle kommt noch Geld und Logistik von den Bundesparteien und den Kandidaten hinzu. Die SPD leistet sich zum Beispiel 7000 Hohlkammerplakate aus Plastik in der Größe A1, hinzu kommen 80mobile Großflächen, die „Wesselmänner“, benannt nach einer Bochumer Werbeagentur, die vor allem an den Einfallstraßen stehen werden, wie Geschäftsführer Heusinger von Waldegge sagt. Richten sollen es aber die guten, alten Hausbesuche. „Der Tür-an-Tür-Wahlkampf wird die Hauptsache bei uns sein“, sagt er. In kurzen Gesprächen sollen die Wähler informiert und mobilisiert werden. Wenn sie dann noch einen Kuli und einen Flyer mit dem Wahlprogramm nehmen – umso besser.

          Die Grünen haben sogar einen Trainer verpflichtet. Der hat den Wahlkämpfern in einem Workshop vermittelt, wie Hausbesuche am erfolgreichsten sind. „Kurz und knapp“, sagt Vorstandssprecherin Baumann. Mit 15Zweier-Teams wollen die Grünen in ihren Hochburgen und in angrenzenden Gebieten „eher mobilisieren als überzeugen“. 20000 Kontakte sollen erreicht werden. Und mit „Kontakt“ meint Baumann nicht, bloß ein Faltblatt in den Briefkasten zu werfen.

          Auch die Linke setzt nach den Worten ihres Vorsitzenden Gerntke auf Haustür-Wahlkampf. Dabei gehe es eher darum, in der Öffentlichkeit auf die Partei aufmerksam zu machen, als darum, „unheimlich viele Leute direkt zu erreichen“. Die FDP setzt durchaus noch stark auf Plakate. Sie hat 5000 Stück in der Größe A1 geordert, jeweils 1500 werden laut Kutzner die Direktkandidatinnen Nicola Beer und Katharina Schreiner zeigen. Ein Sommerfest am 13. August am Mainufer werde den Auftakt zum Wahlkampf bilden. Von einem derart öffentlichen Wahlkampfort kann AfD-Chef Fuchs nur träumen. Ein Großteil seines Budgets gehe drauf, um die Sicherheit der eigenen Veranstaltungen zu gewährleisten, sagt er. „Das sind Kosten, die andere nicht haben.“

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