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Nichtwählerbezirk Sossenheim : „Das ändert doch sowieso nichts“

Abgehängt: In der Sossenheimer Carl-Sonnenschein-Siedlung leben viele Geringverdiener. Oft sind sie von der Politik enttäuscht. Bild: Wonge Bergmann

Nicht überall gilt Wählen als Bürgerpflicht: In einer Siedlung im Frankfurter Stadtteil Sossenheim war die Beteiligung besonders gering. Wie begeistert man diejenigen für Politik, die andere Probleme haben?

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          Carl Sonnenschein, was für ein schöner Name. Aber wer in der Carl-Sonnenschein-Siedlung im Frankfurter Stadtteil Sossenheim wohnt, die 1961 erbaut und nach dem Priester und Sozialarbeiter benannt wurde, der lebt nicht auf der Sonnenseite des Lebens. Vor der Trinkhalle sitzt Mutlu Erimez, 48 Jahre, im Rollstuhl und lässt seinem Frust freien Lauf: Die Autos rasen, die Mieten sind zu teuer, viele Bewohner fühlten sich „abgestempelt“. Gewählt hat er am Sonntag nicht. „Wieso auch? Das ändert doch sowieso nichts.“

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diesen Satz hört man in der Siedlung immer wieder. Viele Bewohner wirken tief frustriert. Vielleicht ist das ein Grund, warum der Bezirk bei der Kommunalwahl am Sonntag am unteren Ende der Wahlbeteiligung liegt. Nur 9,4 Prozent der 1517 Wahlberechtigten sind am Sonntag ins Wahllokal gegangen. So wenige wie sonst nirgends in der Stadt. Knapp ein Viertel von ihnen wählte die CDU, dann folgen, gleichauf mit 19,1 Prozent der Stimmen, AfD und SPD und mit 15,5 Prozent der Stimmen die Grünen. Hinzu kommen noch die Briefwahlstimmen, die stadtweit etwa 25 Prozent ausmachen, sich aber nicht klar dem jeweiligen Wahlbezirk zuordnen lassen.

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