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Wärmedämmung am Altbau : Kunststoff statt Sandstein

Wo rohe Kräfte sinnlos walten: Der Sandstein ist verloren Bild: Schulze

Anwohner trauen ihren Augen kaum: Im Frankfurter Stadtteil Bockenheim wird ein Altbau gedämmt, der Fassadenschmuck ist dahin. Was soll das?

          Am Montagnachmittag traute die Nachbarin an der Falkstraße in Frankfurt-Bockenheim ihren Augen kaum. Ein Trupp Arbeiter rückte dem Sandsteinschmuck eines nahegelegenen Altbaus mit Presslufthammern zu Leibe. Die Männer richteten in wenigen Minuten so viel Schaden an, dass er nicht mehr zu beheben ist. Sandstein lässt sich nicht kleben.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Tag danach ist der Gründerzeitbau arg zugerichtet. Im Erdgeschoss fehlen Fensterbänke, Friese und Gesimse. Der Sandsteinschmuck, der die Fenster einfasste, ist stark beschädigt und wurde weitgehend entfernt. Hinter dem Haus informiert ein Bauschild, was dort geplant ist: Das Bauunternehmen M10 baut in dem Mehrfamilienhaus drei zusätzliche Wohnungen aus, außerdem saniert und dämmt es die Fassade. Eine Anfrage, ob die Baugenehmigung auch das Entfernen des Sandsteinschmucks umfasst, blieb gestern unbeantwortet. Auch das beauftragte Architekturbüro will keine Auskunft geben.

          „Wir alle hier in der Straße sind sehr entsetzt“

          Passanten wundern sich. „Es ist doch absurd, einen Altbau so massiv zu dämmen“, sagt eine Nachbarin. Das Haus füge sich harmonisch in eine bisher intakte und sorgsam sanierte Reihe von Gründerzeithäusern auf beiden Straßenseiten ein. „Wir alle hier in der Straße sind sehr entsetzt.“

          Das kann man von der Bauaufsicht nicht sagen. Für die Arbeiten an der Falkstraße 52 sei eine Baugenehmigung erteilt worden, heißt es auf Anfrage. „Diese beinhaltet auch das Anbringen eines Wärmedämmverbundsystems.“ Die „gestaltbildenden Elemente der Fassade“ würden im Wärmedämmverbundsystem nachempfunden, so dass das Erscheinungsbild erhalten bleibe. Die Ziele der Erhaltungssatzung für Bockenheim seien somit nicht berührt.

          In der Erhaltungssatzung werden die Risiken für den Stadtteil benannt: „Gestalterisch unsensible Modernisierungen, die mit neuen Fenstern, Haustüren und Fassadendämmungen die typischen Ausprägungen, Proportionen und den Zierrat dieser Zeit der Stadtbaugeschichte zerstören.“ Durch die Erhaltungssatzung soll sichergestellt werden, dass die stadtbildprägende Bausubstanz erhalten wird. Die charakteristischen Merkmale, die es in dem Viertel zu bewahren gilt, werden klar und deutlich benannt. Dazu zählen der „zurückhaltende, flächenebene Fassadenschmuck der Putzfassade als Fenster- und Türumrahmungen, Friese und Simse, Brüstungs- und Sturzverzierungen“.

          Bautechnische und energetische Vorschriften

          An dem Haus an der Falkstraße sind diese Verzierungen nicht nur bündig angebracht, sondern sie heben sich von der Putzfassade ab. Die Erhaltungssatzung zielt nicht darauf ab, die Modernisierung der Altbauten zu verhindern. Ziel der Satzung ist es, die Bausubstanz zu erhalten, während gleichzeitig aktuelle bautechnische und energetische Vorschriften eingehalten werden.

          Wie das gelingen kann, hat das Energiereferat der Stadt in einem Leitfaden geschildert. Dort wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die aufwendig gestalteten Straßenfassaden der Gründerzeitgebäude nicht von außen, sondern von innen gedämmt werden sollten. Warum im konkreten Fall darauf verzichtet wurde, war gestern nicht in Erfahrung zu bringen. So wird die Fassade des Altbaus an der Falkstraße also ihres vor mehr als hundert Jahren angebrachten Schmucks beraubt. Dann werden dicke Styroporplatten und Gesimse aus Kunststoff aufgeklebt und anschließend verputzt. Ob das Erscheinungsbild gleich bleibt, wird man erst später beurteilen können. Wenn man an die Fassade klopft, wird es hohl klingen.

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