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Vulkanasche legt Flughafen lahm : Passagiere flüchten in Bussen und Bahnen

Nichts geht mehr, auch nicht am Frankfurter Flughafen: Vulkanasche aus Island legte den gesamten Flugverkehr lahm. Bild: dpa

Der Betrieb am Frankfurter Flughafen könnte noch bis Samstagabend ruhen. Profitiert hat von dem Chaos schon jetzt die Hotelbranche.

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          Der Betrieb am Frankfurter Flughafen könnte noch bis Samstagabend ruhen. Nach einer Prognose des Deutschen Wetterdienstes bleibt bis dahin die Konzentration der nach dem Vulkanausbruch in Island entstandenen Aschewolke zu hoch, um Triebwerksschäden ausschließen zu können. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) in Langen, die am Morgen um 8 Uhr den Luftraum über Frankfurt für unbestimmte Zeit gesperrt hatte, hielt sich hingegen am Freitag mit Vorhersagen zurück und riet Passagieren dringend, sich mit ihrer Fluglinie in Verbindung zu setzen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Am Abend verlängerte die DFS die Sperre zunächst bis Samstagmorgen, 8 Uhr. Wie lange es noch zu Beeinträchtigungen kommen werde, lasse sich nicht absehen. Die Wolke bewege sich langsamer als zunächst angenommen, hieß es in Langen.

          Stillstand kostet je Tag etwa drei Millionen Euro

          Am Freitag waren rund 1380 Starts und Landungen für Frankfurt geplant, etwa 135 000 Passagiere wurden erwartet. Als eine der letzten setzte am Morgen eine Maschine aus New York auf. Das Flugzeug sei wegen der Vulkanasche bereits in einem großen südlichen Bogen über Spanien nach Deutschland geführt worden, sagte ein Flughafensprecher. Spätere Maschinen mit Ziel Frankfurt wurden vor allem nach Stuttgart und München umgeleitet.

          Wie die Fraport AG auf Anfrage mitteilte, dürfte sie der Stillstand je Tag in etwa drei Millionen Euro kosten. Dies errechne sich aus den Jahreserlösen bei Start- und Landegebühren, Bodenverkehrsdiensten und anderen Aufgaben. Die Deutsche Lufthansa AG als größter Nutzer des Frankfurter Flughafens mochte keine Prognose der Kosten geben. Die im Zusammenhang mit dem Pilotenstreik genannten 25 Millionen Euro Einbußen je Tag könnten nicht einfach auf dieses Ereignis übertragen werden, sagte eine Sprecherin.

          Die Hotelbranche profitiert

          Die Passagiere, die aufgrund der Flugausfälle in weiten Teilen Europas schon die Nacht zum Freitag zu Tausenden in den Terminals zum Teil auf Feldbetten verbracht hatten, reagierten nach Angaben des Flughafenbetreibers Fraport überwiegend verständnisvoll. Profitiert hat von dem Chaos am Frankfurter Flughafen unter anderem die Hotelbranche. Schon am frühen Morgen waren in Betrieben, die mit Fluglinien Verträge über Zimmerkontingente für besondere Fälle abgeschlossen haben, diese vollständig gebucht. In vielen Häusern wurden auch sämtliche verfügbaren Zimmer vergeben.

          Aus einem Fünf-Sterne-Hotel in Frankfurt berichteten Mitarbeiter von Tumulten, weil sich vor der Rezeption lange Schlangen gebildet hatten und die eincheckenden, zum Teil übernächtigten Gäste für Wartezeiten nur wenig Verständnis hätten aufbringen können. Lange hatten sie, wenn sie nicht in Shuttlebussen transportiert worden waren, am Flughafen auf Taxen gewartet, und auch in der Innenstadt herrschte bis in den späten Vormittag hinein auf den großen Ein- und Ausfallstraßen stockender Verkehr. Ohne Quartier bleiben musste aber niemand. Noch am Abend konnte die städtische Tourismus- und Kongressgesellschaft jedem, der fragte, ein Zimmer anbieten. „Es ist eine Frage des Preises und der Lage“, sagte eine Mitarbeiterin. Die günstigsten Angebote waren am Freitag vor Redaktionsschluss eine Unterkunft in einer Innenstadtpension für 30 Euro inklusive Frühstück und 56,60 Euro für ein Zimmer in einem Motel in Niederrad.

          Ansturm auf die Bahnhöfe

          Hier Geschäft, dort Angst vor Verlusten: Flugausfälle seien kein Grund für kostenfreie Stornierungen von Hotelzimmern im Ankunftsort, teilte gestern der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband mit. Er riet Reisewilligen, die nicht abfliegen könnten, schnellstmöglich Kontakt mit ihrem gebuchten Hotel aufzunehmen.

          Angesichts des Ansturms der Fluggäste auf die Bahnhöfe der Region versicherte die Deutsche Bahn, alle verfügbaren Züge würden eingesetzt. Wegen der ohnehin hohen Auslastung an Wochenenden müssten sich die Reisenden jedoch auf volle Züge und Wartezeiten einrichten. Die Bahn gibt zu bedenken, man habe sich auf diese Ausnahmesituation nicht vorbereiten können. Die Lufthansa habe für Flugausfälle mit der Bahn das Kooperationsangebot „Good for Train“ vereinbart. Reisende müssten sich am Check-in-Schalter ihre Flugtickets für die eingetragene Strecke als Reisegutschein für die Deutsche Bahn ausstellen lassen; dieses Prozedere führte am Freitag am Flughafen zu langen Warteschlangen.

          Enorme Nachfrage auch bei Mietwagen

          Auch Busunternehmen reagierten auf den Kollaps im Flugverkehr. Die Kapazität bei Linienbussen sei um bis zu 500 Prozent aufgestockt worden, teilte die Deutsche Touring in Frankfurt mit. Mietwagenfirmen beorderten größere Kontingente nach Frankfurt, um der enormen Nachfrage Herr werden zu können. An den Schaltern sei es zum Teil zu chaotischen Szenen gekommen, hieß es.

          Vorsicht ist auch abseits dieses Trubels für jene geboten, die unter Asthma leiden. Die DAK Hessen riet gestern, Atemspray bereitzuhalten. Vulkanasche sei für chronisch Atemwegskranke ein zusätzliches Risiko. Für alle, die in der Region unter dem Fluglärm leiden, war es gestern ein schöner Tag.

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