Vorstoß von Prostituierten :
Weg von der Straße, zurück ins Laufhaus

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Coronabedingt geschlossen: Frankfurter Bordelle sind seit sechs Monaten nicht mehr für Publikum geöffnet.
Prostituierte in Frankfurt fühlen sich angesichts der anhaltenden Schließung der Bordelle benachteiligt. So darf im angrenzenden Nachbarland Rheinland-Pfalz wieder gearbeitet werden.
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Nachdem die Bordelle in Rheinland-Pfalz seit Donnerstag wieder geöffnet haben, fordern Prostituierte in Frankfurt, ebenfalls wieder in Laufhäusern arbeiten zu dürfen. Der Verein Doña Carmen, der im Bahnhofsviertel ansässig ist und sich für die Rechte von Prostituierten einsetzen will, kritisiert, dass Hessen mittlerweile das Schlusslicht in Deutschland sei. „Niemand wird ernsthaft behaupten wollen, dass die Infektionslage für das Prostitutionsgewerbe in Mainz eine andere sei als in Wiesbaden“, teilt der Verein mit; in fast allen Bundesländern außer Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und eben Hessen sind Bordellbetriebe teils seit Monaten geöffnet.

In Frankfurt sind sie dagegen seit sechs Monaten geschlossen, und Betreiber wie Sexarbeiterinnen beschweren sich darüber. Die anhaltende Schließung dränge die Frauen in die Illegalität: Vor ihren Häusern beobachten die Betreiber nach wie vor Straßenprostitution im Sperrgebiet. Da sie nicht in den Laufhäusern sexuelle Dienstleistungen anbieten dürfen, gehen die Frauen in Hotels. Zwar hatte das Ordnungsamt dort zuletzt verschärft kontrolliert und einige Bußgelder verhängt. Die Maßnahmen treffen jedoch meist die Frauen, die ohnehin unter den Auswirkungen der Pandemie leiden, und weniger die Freier.

Auch die Bordellbetreiber monieren den wirtschaftlichen Schaden, der ihnen entsteht. Zudem fürchten sie, dass Prostitutionsgegner die Pandemie nutzen, um dauerhafte Schließungen zu erwirken. Da sie Hygienekonzepte hätten, können sie nicht verstehen, warum sie ihre Häuser nicht öffnen dürfen, wo Bars und Restaurants seit Monaten wieder Gäste bewirten und – gerade im Bahnhofsviertel, etwa vor dem Kiosk „YokYok“ – Partys ohne jeden Abstand gefeiert werden.