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Brutaler Mord in Frankfurt : Grauen in geschlossener Gesellschaft

Hinter denkmalgeschützter Fassade: Die Nachricht vom Verbrechen im Westend verbreitete sich schnell. Bild: Foto Wolfgang Eilmes

Vor 25 Jahren wurden sechs Menschen in einem Bordell im Frankfurter Westend ermordet. Das Haus Kettenhofweg 124a steht auch heute noch für ein kaum fassbares Verbrechen.

          4 Min.

          So brutal, so systematisch, so gnadenlos. Das Ehepaar, das das Bordell im Westend betrieb, wurde erwürgt oder erdrosselt, ebenso wie vier Prostituierte, die jüngste von ihnen gerade einmal 18 Jahre alt. Ein grauenhaftes Verbrechen, mit dem doch mehr verbunden sein musste als ein sechsfacher Mord, wie nicht wenige damals, vor 25 Jahren, meinten. War es eine Botschaft in ein Milieu, das in der Messestadt Frankfurt Millionen abwarf und noch abwirft und in dem seit jeher Machtkämpfe toben? Oder ein Exempel, statuiert in einem „Edelpuff“, in den man nur auf Empfehlung von Herren aus der sogenannten besseren Gesellschaft gelangen konnte? Waren die „Jugos“ auf dem Rückzug, war ein Machtvakuum entstanden, in das nun die Russen-Mafia stieß, die womöglich auch hinter dem Kunstraub in der Schirn einige Wochen zuvor steckte?

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Schrecken, der Polizisten und Staatsanwälten am Morgen des 15. August 1994 bei der Besichtigung des Tatorts im Haus Kettenhofweg 124a in die Glieder fuhr, war gewaltig. Nicht nur wegen des Anblicks der Leichen, deren Gesichter entstellt waren vom Todeskampf. Sondern eben auch, weil sich hier womöglich eine neue Dimension, eine neue Form schwerster Kriminalität zeigte, vor der schon seit Jahren gewarnt worden war.

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