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: Vom Luftwaffen-Hospital zum diplomatischen Zentrum

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Für Charles Williams ist das ehemalige General Hospital in Eckenheim nicht irgendein Gebäude. Er kennt den Komplex an der Gießener Straße seit den sechziger Jahren. Er hat ihn als der für Übersee-Liegenschaften ...

          Für Charles Williams ist das ehemalige General Hospital in Eckenheim nicht irgendein Gebäude. Er kennt den Komplex an der Gießener Straße seit den sechziger Jahren. Er hat ihn als der für Übersee-Liegenschaften zuständige Direktor des State Department, des amerikanischen Außenministeriums, im Dezember 2001 eingehend begutachtet. Und er hat schließlich dafür gesorgt, daß das mehr als neun Hektar große Gelände nun renoviert und umgebaut wird, um von 2005 an das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt zu beherbergen.

          Aber der als General 1989 aus der Army ausgeschiedene Williams hat auch ganz persönliche Verbindungen zu dem wuchtigen Bau: Seine beiden Söhne wurden hier während seiner Militärzeit in Deutschland geboren. Aus dem gleichen Grund kennt auch Williams' heutiger Chef, Außenminister Colin Powell, zumindest die Neugeborenenstation des General Hospital - auch eines seiner Kinder kam in Eckenheim zur Welt. Mehr als 100000 amerikanische Babys haben in den Jahren zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem ersten Irak-Krieg in diesem Krankenhaus das Licht der Welt erblickt - und wenn Williams' Planungen ohne Verzögerung realisiert werden, dann werden in den drei früheren Kreißsälen in weniger als zwanzig Monaten von den Mitarbeitern der Konsularabteilung Visumanträge bearbeitet, Pässe verlängert und vielleicht auch die eine oder andere Geburtsurkunde ausgestellt.

          Noch sind die blauen Fliesen an den Wänden der Operationssäle so gut wie unversehrt, doch in den nächsten Wochen werden die Arbeiter die meisten Spuren des früheren Krankenhausbetriebs beseitigen. Auf dem mehr als neun Hektar großen Gelände mit seinen zahlreichen Gebäuden sollen 30000 Quadratmeter Bürofläche hergerichtet werden, um Platz für mehr als 1100 Mitarbeiter zu schaffen. Dazu werden die alten Krankenzimmer nicht nur frisch gestrichen und mit neuen Möbeln ausgestattet, in manchen Gebäudeteilen müssen auch die Fußböden erneuert, alte Leitungen herausgerissen und neue verlegt werden. Es seien jedoch keine größeren strukturellen Veränderungen am Bau geplant, heißt es von seiten der Amerikaner.

          Einige kleinere Gebäude, meist barackenähnliche Konstruktionen, die in den siebziger und achtziger Jahren errichtet wurden, sollen abgerissen werden. Wegen des vom Außenministerium inzwischen vorgeschriebenen Sicherheitsabstands von mindestens 100 Fuß (etwa 30 Meter) zum äußeren Zaun, der ebenfalls komplett erneuert wird, können ohnehin nicht alle Gebäude und Gebäudeteile genutzt werden.

          Erbaut wurde der riesige Gebäudekomplex 1938 und 1939 als Krankenhaus für die deutsche Luftwaffe. Als eines der modernsten seiner Zeit bot das Hospital Platz für bis zu 600 Betten und wurde mit neuester Technik ausgestattet. Nach der Einnahme durch die amerikanische Armee am 29.März 1945 fungierte es schon wenige Wochen später als Army Hospital für die alliierten Truppen. Während des Kalten Kriegs war das General Hospital dann mit einer Kapazität von 1200 Betten lange Zeit das größte amerikanische Militärkrankenhaus in Europa. In den fünfziger und sechziger Jahren wurde es von den Amerikanern immer wieder erweitert, schließlich diente es der medizinischen Versorgung von rund 140000 in Frankfurt und Umgebung stationierten Soldaten und Zivilisten - Sergeant Elvis Presley ist der vielleicht berühmteste GI, der in Eckenheim behandelt wurde.

          Während des ersten Irak-Kriegs 1991 wurde das General Hospital zuletzt in vollem Umfang genutzt. Ein großer Teil der verletzten amerikanischen Soldaten wurde über die Rhein-Main Air Base nach Deutschland gebracht und in Frankfurt und Wiesbaden versorgt, allein in Eckenheim waren es 3000 Verwundete.

          Unter der Verwaltung der Air Force, die den Komplex 1995 von der Army übernahm, wurde das Hospital schließlich nur noch für mögliche Krisenfälle bereitgehalten. Als General Charles Williams im Dezember 2001 zu einer ersten eingehenden Begutachtung nach Frankfurt kam, um die Möglichkeiten eines Umzugs des Generalkonsulats vom Westend auf die Eckenheimer Liegenschaft zu prüfen, standen die Gebäude mit den großen roten Kreuzen auf den Dächern schon seit ein paar Jahren praktisch leer. Im April 2002 kaufte die amerikanische Regierung das Gelände, das zuvor von der Air Force an den Bund zurückgegeben worden war, für rund 30 Millionen Dollar von der Bundesfinanzverwaltung. Für Umbau und Renovierung sind mehr als 40 Millionen Dollar budgetiert.

          Das amerikanische Generalkonsulat in Frankfurt, das mit seinen rund 800 Mitarbeitern schon heute die weltweit fünftgrößte Vertretung der Vereinigten Staaten ist, wird nach dem Umzug an die Gießener Straße stark ausgebaut. Neben der Zuständigkeit für die Bundesländer Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg sowie Saarland und die rund 250000 Amerikaner, die in diesem Gebiet leben, dürften dann vor allem die überregionalen Aufgaben zunehmen, die personelle, organisatorische und logistische Unterstützung von mehr als 130 Botschaften, Konsulaten und anderen Vertretungen. Das ehemalige General Hospital wird nach den Plänen des State Department das weltweit größte und am besten ausgestattete diplomatische Zentrum der Vereinigten Staaten sein - nur Babys werden hier wohl nicht mehr zur Welt kommen.

          PETER BADENHOP

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