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Kleine Parteien im Römer : Volt auf der Überholspur

Volt schickt drei Frauen und einen Mann ins Stadtparlament. Bild: Carlos Bafile

Unter den kleinen Parteien und Wählergruppen gibt es in Frankfurt zwar immer viel Bewegung. Doch aus dem Stand wurden sie alle vom neuen Shooting-Star am Parteienhimmel überflügelt. Wer schafft es noch ins Stadtparlament?

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          Die Kandidaten der kleineren Parteien und Wählergruppen werden noch ein paar Tage zittern müssen, bevor klar ist, ob und mit wie vielen Mandaten sie ins Stadtparlament einziehen können. Denn die veränderten Stimmzettel, von denen die Kleinstparteien besonders profitieren, werden erst später ausgezählt. Die Hürde, um ein Mandat zu erringen, lag 2016 bei 0,5 Prozent. Wer könnte es diesmal schaffen?

          Rainer Schulze
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für Eileen O‘Sullivan, Spitzenkandidatin der Volt-Partei, steht schon fest, dass sie dabei ist. Mit 3,7 Prozent scheint auch die Fraktionsstärke für Volt sicher. Die erhält eine Partei oder Gruppe, wenn sie mindestens drei Stadtverordnete stellt. O‘Sullivan, die erst 25 Jahre alt ist, Politikwissenschaften studiert und nebenbei in einem Friseursalon arbeitet, freut sich schon auf die Arbeit im Stadtparlament. „Wir stehen in den Startlöchern und wollen richtig viel für Frankfurt bewegen“, sagt sie. Dass Volt, die durch den gebürtigen Frankfurter Damian Boeselager bereits im Europaparlament vertreten sind, aus dem Stand heraus alle anderen kleinen Gruppen und Parteien überflügelt hat, führt O‘Sullivan auf die konkreten Botschaften zurück, mit denen die Partei auf Wahlplakaten geworben hat.

          Dämpfer für BFF

          Viel schlechter gelaunt geht Mathias Mund ans Telefon. Dass seine Wählergruppe Bürger für Frankfurt nur bei zwei Prozent liegt, ist für ihn eine herbe Enttäuschung. Selbst das Ergebnis der letzten Wahl zu wiederholen, als die BFF auf 2,7 Prozent und damit den Fraktionsstatus kam, wäre angesichts der ganzen Arbeit viel zu wenig: „Wir wollten uns ja verdoppeln.“ Aber Mund mahnt zur Geduld: „Bei uns wird viel kumuliert. Wir gucken mal.“

          Für Nico Wehnemann steht der klare Sieger fest: „Keine große Partei kann ohne uns regieren“, sagt der Spitzenkandidat der Satirepartei „Die Partei“, die am späten Abend bei 1,9 Prozent liegt – immerhin einen halben Prozentpunkt mehr als 2016. „Wir wollen unsere Sitze verdoppeln, auch indem wir sie breiter gestalten“, kündigt er an. Wehnemann reklamiert für sich ein Super-Dezernat: „So wenig Verantwortung wie möglich, aber mit Fahrer.“ Als der erste Wahlbezirk ausgezählt war, lag die Partei sogar bei 4,7 Prozent. Wehnemann twitterte umgehend „Stop the count“ – und will vor den Supreme Court ziehen.

          An vierter Stelle liegt am Abend mit 1,6 Prozent Ökolinx. 2016 lag die Partei noch bei 2,1 Prozent. Spitzenkandidatin Jutta Ditfurth wird aber auch mit diesem Ergebnis sicher dem neuen Stadtparlament angehören – ob es auch für Manfred Zieran reicht, wird sich weisen. Knapp wird es für alle, die schlechter platziert sind. Aussichtsreich im Rennen liegen die Freien Wähler mit 0,8 Prozent, das bei Muslimen beliebte Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (0,6 Prozent) und die Gartenpartei (0,6 Prozent), deren Spitzenkandidat Tilo Schwichtenberg nun den Planungsausschuss „richtig aufmischen“ will. Ebenfalls noch Hoffnung macht sich Herbert Förster, der für die Piraten im Stadtparlament sitzt, mit 0,5 Prozent aber zittern muss.

          Am Thema Digitalisierung könne dies nicht liegen, meint er. Auch Römer-Urgestein Bernhard Ochs hofft, dass das vorläufiges Ergebnis seiner „Frankfurter“ (0,3 Prozent) noch steigt. Für Luigi Brillante sind die ersten Stunden immer niederschmetternd. Seine „Europaliste für Frankfurt“ liegt bei 0,1 Prozent. Mit zuletzt 1,2 Prozent saß er bisher im Römer. „Unter unseren Wählern sind viele Migranten. Die wählen Personen“, hofft er.

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