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Völkerverständigung : „Vorurteile über Amerikaner und Deutsche aus der Welt schaffen“

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Eine Bewerberin habe ihn einmal gefragt, ob es denn wahr sei, "daß alle Amerikaner oberflächlich sind". David Fisher kann über diese Frage immer noch den Kopf schütteln. "Genau diese stereotypen Vorstellungen wollen wir mit unserem Austauschprogramm aus der Welt schaffen."

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          Eine Bewerberin habe ihn einmal gefragt, ob es denn wahr sei, "daß alle Amerikaner oberflächlich sind". David Fisher kann über diese Frage immer noch den Kopf schütteln. Ebenso wie über jene deutschen Studenten, die vor ihrem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten geglaubt hätten, sie kämen in ein Land, in dem es zugehe wie im ungebremsten Manchester-Kapitalismus des 19.Jahrhunderts. "Genau diese stereotypen Vorstellungen wollen wir mit unserem Austauschprogramm aus der Welt schaffen." Nichts helfe besser gegen Vorurteile und nutze dem gegenseitigen Verständnis mehr als ein paar Wochen oder Monate in Amerika.

          Fisher ist Präsident der Steuben-Schurz-Gesellschaft in Frankfurt. Benannt nach Friedrich Wilhelm von Steuben und Carl Schurz, zwei Deutschen, die zu Zeiten George Washingtons beziehungsweise Abraham Lincolns zu großem Ansehen in Amerika kamen, hat sich die 1948 gegründete gemeinnützige Vereinigung die Förderung der deutsch-amerikanischen Beziehungen und die internationale Verständigung zum Ziel gesetzt. Das tun ihre rund 600 Mitglieder (außer in Frankfurt gibt es noch je eine Gruppe in Berlin und Magdeburg) mit regelmäßigen Vorträgen und Diskussionsveranstaltungen zu politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Themen, mit Reisen und anderen gemeinsamen Aktivitäten - und mit dem Studentenaustausch "USA-Interns". Und das wiederum hat vor allem mit David Fisher zu tun.

          Der 58 Jahre alte gebürtige New Yorker ist der Initiator des "Summerwork"-Programms. Als Vorsitzender des Ehemaligen-Vereins der Princeton University in Deutschland hatte er schon Erfahrungen auf diesem Gebiet, als er Ende der neunziger Jahre der Steuben-Schurz-Gesellschaft vorschlug, ein solches Programm in ihrem Namen anzubieten. "Die Mitglieder waren begeistert von der Idee und haben mich gleich auch noch zum Präsidenten gewählt", erinnert sich Fisher, der im "wirklichen Leben" eine Software-Beratungsfirma in Wiesbaden führt.

          Im Sommer 1999 verbrachte dann der erste Deutsche, ein junger Mann aus Magdeburg, mit Hilfe der Steuben-Schurz-Gesellschaft einige Praktikumswochen in den Vereinigten Staaten. Im Jahr darauf waren es eine Handvoll Studenten, und in diesem Jahr hat "USA-Interns" 54 junge Leute (zehn Deutsche und 44 Amerikaner) zur "Sommerarbeit" in das jeweilige Gastland vermittelt. Dort arbeiten die Studenten für acht bis zwölf Wochen in verschiedenen Unternehmen und Institutionen. Sie tun dabei nicht nur etwas für ihre Sprachkenntnisse, sondern lernen vor allem das Alltagsleben und die Kultur auf der gegenüberliegenden Seite des Atlantiks kennen.

          Die meisten Teilnehmer machten dabei "lebensverändernde Erfahrungen", sagt Fisher. Die jungen Deutschen seien im allgemeinen etwas älter - Mitte bis Ende Zwanzig - und besser informiert als die amerikanischen Studenten, die nach Deutschland kämen. Sie brächten jedoch oft viele Vorurteile mit nach Amerika - der Aufenthalt sei dann "ein gutes Korrektiv" und für viele sehr "belebend". Mit der Vermittlung junger Amerikaner in die "Alte Welt" will Fisher vor allem deren mitunter mangelnden Kenntnissen und fehlendem Interesse an anderen Ländern begegnen.

          Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 hat das Programm den offiziellen Namen "9/11 Memorial Internship Project" bekommen. "Als Gesten der Solidarität haben wir damals sehr viele Spenden von Deutschen bekommen", berichtet Fisher. "Das war unwahrscheinlich bewegend." Das Geld sei in das Austauschprogramm geflossen, für das Spenden die einzige Finanzquelle sind. Daraus werden die Organisationskosten bestritten und unter Umständen auch Visums- und Reisekosten für einige der Studenten erstattet.

          Am Mittwoch haben David Fisher und der hessische Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) im Frankfurter Amerikahaus eine Vereinbarung unterzeichnet, die das "USA-Interns"-Programm auf eine noch breitere Basis stellen soll. Künftig werden alle zwölf hessischen Hochschulen Kandidaten für den Austausch aussuchen und an die Steuben-Schurz-Gesellschaft vermitteln. Diese wiederum wird sich bemühen, für alle diese Studenten dann auch adäquate Praktikumsplätze in den Vereinigten Staaten zu finden. Fast ebenso wichtig wie diese organisatorische Hilfe von den Universitäten ist für Fisher und seine Mitstreiter die öffentliche Unterstützung des Ministeriums. "Das wird uns sehr beim Sammeln von Spenden helfen."

          PETER BADENHOP

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