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Carsten Knop

Proteste gegen Corona-Politik : Verqueres Denken ängstlicher Menschen

  • -Aktualisiert am

Wer wird hier für dumm verkauft? Eine Teilnehmerin bei der Querdenken-Kundgebung im Frankfurter Grüneburgpark. Bild: Maximilian von Lachner

Bei den Protesten der sogenannten Querdenker in Frankfurt ist ein Begriff zentral: Die Freiheit. Dass jedoch die Welt der Corona-Gegner von Ängsten regiert wird, nicht aber von der Freiheit, verstehen die Wenigsten.

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          Wieder eine Demonstration von sogenannten Querdenkern, dieses Mal in Frankfurt: Um Freiheit soll es gehen, zum Beispiel um die Freiheit, keinen Mund-Nasen-Schutz tragen zu müssen. Den Fotografen der Presse aber, die in einer solchen Menschenansammlung lieber eine Maske tragen, will man diese Freiheit nicht gewähren. Sie werden vom Podium aus denunziert.

          Was eine solche Haltung mit Freiheit zu tun haben soll, erschließt sich nicht einmal den angeblich querdenkenden Demonstranten, aber so viel wird dann auch nicht mehr gedacht. So bleiben die Dinge verquer. Am Ende geht es hier nicht um Freiheit, sondern um Angst, und um Menschen, die in unübersichtlichen Zeiten ihren Kompass verloren haben, weil das Vertrauen fehlt, aus welchem Grund auch immer.

          Was ist Wahrheit?

          Es geht um die Unterstellung, dass das, was von den Abgeordneten einer parlamentarischen Demokratie gesagt und beschlossen wird, dem Grundgesetz widerspricht und den wissenschaftlichen Tatsachen sowieso. Doch was ist Wahrheit? Es ist die Übereinstimmung von Sachverhalt und Aussage, sagt das Lexikon. Aber reicht das schon aus, um die Wahrheit zu erkennen und zu verstehen? Zwei Schrauben können genau gleich sein und doch nicht passen, erst die passende Mutter wird zur Beglaubigung der Schraube. Übereinstimmung von Sachverhalt und Aussage kann es nur in der zu Ende geforschten Naturwissenschaft geben, doch auch dort ist vieles noch im Fluss.

          Alles, was uns persönlich betrifft, ist gefärbt von Interessen. Max Frisch hat es so formuliert: Man sagt, was man über sich gedacht haben will. Meine Angst oder meine Hoffnung prägen die Auffassung von einer Sache. Das eine Kind im Sandkasten weiß, die Mutter oder der Vater sind da – und vergisst beide im gedankenverlorenen Spiel. Das andere Kind dreht sich ständig um; es lässt vielleicht auch später Ehepartner oder Haus nicht aus den Augen. Angst regiert ihre Welt. Aber nur das erste Kind erträgt für eine Weile Ungewissheit oder Krach, ohne gleich zu meinen, das Haus falle zusammen.

          Die sogenannten Querdenker, sie gehören wohl zur zweiten Kategorie. Ihre Welt wird ganz gewiss von Ängsten regiert, nicht aber von der Freiheit, die auf dem Vertrauen fußt, von dem sie so wenig verstehen. Sie verbieten Masken auf ihren Demos und halten das für eine gute Idee. Andere beraten derweil produktiv, wie es weitergehen soll, im Vertrauen aufeinander. Sie wollen die wahre Freiheit zurück.

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