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Verkehrslärm : „Uns hilft nur eine Einhausung“

Die A 661 soll von vier auf acht Spuren erweitert werden - mehr Verkehr bedeutet aber auch mehr Lärm Bild: F.A.Z. - Daniel Pilar

Die Autobahn 661 führt mitten durch Wohngebiete. Jetzt wird sie verbreitert. Vor allem die Bewohner der Hochhäuser an der Inheidener Straße werden bald noch stärker unter dem Verkehrslärm leiden.

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          Ein Frankfurter Traumblick. Von ihrem Balkon aus im elften Stock des Wohnhochhauses Inheidener Straße 69 in Bornheim kann Maximiliane Peikert bei günstigem Wetter sogar den Spessart sehen. „Im Sommer ist das mein Wohnzimmer“, sagt die 68 Jahre alte Rentnerin.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aus ihrem Balkon mit Ausblick droht jetzt ein Balkon mit Dauerbeschallung zu werden. Denn ganz in der Nähe des Wohnturms wird die Autobahn 661 im Tal zwischen Bornheim und Seckbach ausgebaut. Aus vier Fahrspuren sollen acht werden. Schon bisher war Frau Peikerts Balkonien-Idylle eine Teilzeit-Idylle.

          75.000 Fahrzeuge täglich - Tendenz steigend

          Wenn der Wind aus dem Osten weht – dies tut er mehr als 100 Tage im Jahr – trägt er die Geräusche der Autos und Lastwagen so stark zum Balkon von Frau Peikert hinauf, dass es ungemütlich wird. Derzeit passieren täglich 75.000 Fahrzeuge die A 661 bei Bornheim, künftig werden es, so die Befürchtung der Anwohner, doppelt so viele sein. Der Verkehrslärm könnte ein ständiger Begleiter von Frau Peikert werden.

          Zuerst war das Hochhaus, dann erst die Autobahn. Auf diese Feststellung legen die frühere Controllerin und andere Bewohner der beiden Hochhäuser Inheidener Straße 69 und 71 sowie des Flachbaus Nummer 67 Wert. 343 Eigentumswohnungen umfasst die Anfang der siebziger Jahre gebaute Anlage, etwa 700 Menschen wohnen hier. Als Peter Krüger 1994 in das Hochhaus Nummer 71 als Mieter einzog, gab es noch keine Autobahn im Tal: „Ich habe mich sofort in den Ausblick verliebt.“ Herrlich sei es damals gewesen, erzählt der 62 Jahre alte technische Ausbilder, am Sonntagmorgen habe er die Hähne krähen gehört. Irgendwann wurde ihm eine Wohnung im 17. Stock angeboten, er griff zu. Hat er nicht gewusst, dass der Bau der Autobahn bevorstand? „Ich war blauäugig“, sagt er, „ich dachte, es wird nicht so schlimm.“

          Nicht nur er war blauäugig. Auch die Planer, die eine zwischen zwei Stadtteilen verlaufende Autobahn entwarfen, waren es. Ebenso die Politiker, die sie befürworteten. Zu den Blauäugigen zählten auch jene Anwohner auf der Bornheimer Seite, die wie Krüger dachten, es werde schon nicht so schlimm kommen, und deshalb darauf verzichteten, einen Lärmschutz einzuklagen. Heute würde kein Mensch mehr auf die Idee kommen, mitten durch die Stadt eine Autobahn zu schlagen. Doch jetzt ist die A 661 da – und mit ihr der Lärm. Ganz abgesehen von den Abgasen.

          Jetzt, da die Autobahn verbreitert wird, sind viele hellwach. Anwohner wie zum Beispiel jene in der Atterberry-Siedlung fordern vehement einen Schutz vor Lärm. Auch die Politiker sehen das Problem. Vom Frankfurter Verkehrsdezernenten Lutz Sikorski (Die Grünen) bis zum früheren hessischen Verkehrsminister Alois Rhiel (CDU) anerkennen sie im Grundsatz die Forderung der Bornheimer und haben Schutzmaßnahmen versprochen. Das Land, so Rhiels Ankündigung beim Spatenstich für die Autobahnverbreiterung, werde Mittel für eine Lärmminderung zur Verfügung stellen, die Stadt Frankfurt, so das Versprechen des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, setze nötigenfalls eigene Gelder ein.

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