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Verkehr in Frankfurt : Der Straßenraum ist begrenzt, der Platzbedarf nicht

Verkehr in Frankfurt: Die unterschiedlichen Parteien haben verschiedene Ideen zur Neuaufteilung des Straßenraums. Bild: Finn Winkler

Mehr Autohalter, mehr Pendler, mehr Radfahrer: Die Frankfurter Verkehrspolitik steht vor großen Herausforderungen. Die Parteien ringen um die richtigen Konzepte.

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          „Soll ich die Häuser abreißen?“, fragt Dorothee Allekotte vom Straßenverkehrsamt gern provokant, wenn ihr wieder einmal vorgetragen wird, was sie zwischen den Gebäuden alles unterbringen soll. Die Neuaufteilung des Straßenraums treibt mit Blick auf immer mehr Radfahrer und der Forderung nach urbaner und zugleich grüner Gestaltung die Planer in allen Großstädten um. In Frankfurt ist sie eine besondere Herausforderung: Die Mainmetropole ist nie Residenzstadt gewesen, sie kennt kaum Boulevards. Die breiten vierspurigen Straßen sind überwiegend in der Nachkriegszeit angelegt worden.

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und noch etwas erschwert die Diskussion in Frankfurt: Bezogen auf die Einwohnerzahl ist die Zahl der Pendler in Hessens größter Stadt im bundesweiten Vergleich auf einem sehr hohen Niveau. Vor der Pandemie waren es fast 380.000 Menschen, die täglich in die Stadt zur Arbeit gefahren sind. Gleichzeitig sind von den derzeit 760.000 Einwohnern Frankfurts fast 100.000 Einwohner Auspendler. Auch sie sind normalerweise täglich unterwegs.

          Das starke Bevölkerungswachstum der vergangenen Jahre – Frankfurt hat heute 100.000 Einwohner mehr als vor zehn Jahren – hat zu mehr motorisiertem Verkehr geführt, selbst wenn heute fast doppelt so viele Wege mit dem Fahrrad zurückgelegt werden wie noch 2003, als der sogenannte Modal-Split zuletzt für Frankfurt ermittelt wurde. Und anders als es die Aussagen von Trendforschern nahelegen, ist in Frankfurt der Anteil der Haushalte ohne Auto sogar gesunken und gleichzeitig der mit zwei Fahrzeugen leicht gestiegen.

          Leidenschaftliche Diskussion um Park- und Stellplätze

          55 Prozent aller Haushalte in Frankfurt haben ein Auto. Rechnet man die Einpendler hinzu, von denen man nicht weiß, wie viele den öffentlichen Nahverkehr nutzen, verwundert die leidenschaftliche Diskussion um Park- und Stellplätze nicht. Vor allem um solche, die unentgeltlich zu nutzen sind. Beredtes Beispiel ist Bornheim: Dort ist nicht nur das Bewohnerparken auf der jeweils einen Straßenseite eingeführt worden, vielmehr müssen auf der jeweils anderen Seite neuerdings Parktickets gelöst werden. Das hat den Verteilungskampf zwischen Bewohnern, Pendlern, Gewerbetreibenden, Patienten von Arztpraxen und Kunden des Einzelhandels angeheizt, zumal mittlerweile auch für Fahrräder Platz benötigt wird.

          Dass der öffentliche Nahverkehr, wenn er denn – wie von allen gefordert – ausgebaut wird, ebenfalls Platz benötigt, ist evident. Neue Straßenbahnlinien innerhalb Frankfurts in Richtung der Nachbarstädte Bad Vilbel und Neu-Isenburg, wie sie der derzeitige Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) seit der Kommunalwahl vor fünf Jahren vorangetrieben hat, benötigen Raum, der bis dahin oft für den Autoverkehr reserviert war. Es ist also vorbei mit der althergebrachten Aufteilung der Straßen in Gehwege, Parkstreifen und Fahrbahnen, die ausschließlich dem motorisierten Verkehr dienen.

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