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Verbrechen : Mord an Intendanten-Witwe offenbar aufgeklärt

Der Gen-Analyse sei dank: Auf diese Weise konnte der Tatverdächtige im Fall Buckwitz gefunden werden Bild: ddp

In der Nacht zum 11. Juni 1989 wurde die Witwe des früheren Frankfurter Theater-Intendanten Harry Buckwitz in ihrem Bett erdrosselt. 19 Jahre nach dem Verbrechen führt eine DNS-Spur die Polizei zu einem Busfahrer in den Taunus. Der Verdächtige schweigt.

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          19 Jahre nach dem Verbrechen hat das hessische Landeskriminalamt (LKA) aufgrund einer DNS-Spur mit hoher Wahrscheinlichkeit den Raubmord an der Witwe des früheren Frankfurter Theater-Intendanten Harry Buckwitz in Königstein aufgeklärt. Wie die Frankfurter Staatsanwaltschaft bekanntgab, sitzt der Tatverdächtige, ein 57 Jahre alter Busfahrer aus dem Taunus, in Untersuchungshaft.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er war im September vergangenen Jahres wegen sexueller Nötigung zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden und hatte in diesem Zusammenhang eine Speichelprobe abgeben müssen. Der Familienvater wurde am Mittwoch in seiner Wohnung festgenommen, das Amtsgericht erließ Haftbefehl wegen Mordes aus Habgier. Er sei völlig überrascht gewesen und habe sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert, sagte Staatsanwältin Sandra Bittner.

          Fahndung über „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“

          Es gibt ein weiteres starkes Indiz, das gegen ihn spricht. Etwa eineinhalb Jahre nach der Tat hatte ein Unbekannter vergeblich versucht, an einem Geldautomaten in Fulda mit der EC-Karte der Getöteten Geld abzuheben. Die Person, die auf den Videoaufzeichnungen zu sehen war, konnte damals nicht identifiziert werden. Heute sei man sicher, dass es sich um den Verhafteten handelte, sagte der Bad Homburger Kriminalhauptkommissar Ulrich Demmer, der die Ermittlungen führt. Die Fahnder stellten in der Wohnung des Beschuldigten Bilder sicher, die ihn in diesen Jahren zeigen.

          Die 74 Jahre alte Witwe Margarethe „Betsy“ Buckwitz war in der Nacht zum 11. Juni 1989 in ihrem Bett in einer Einliegerwohnung in Königstein erdrosselt worden. Es fehlte eine Kassette, in der sie Schecks, Ausweise und Schmuck im Wert von rund 100.000 Mark aufbewahrt hatte. Eine Nachbarin hatte zwar gegen zwei Uhr in jener Nacht verdächtige Geräusche gehört, jedoch nichts unternommen, weil kurz danach wieder alles still war. Offenbar war der Mörder über eine angelehnte Terrassentür in die Wohnung eingedrungen. Er erdrosselte Margarethe Buckwitz mit einem Seidenschal, den er durch einen Leukoplaststreifen verstärkt hatte. Passanten fanden einige Tage später ein Brillenetui und ein Puderschwämmchen der Ermordeten, die der Täter weggeworfen hatte. Die Fahndung nach dem Mörder blieb trotz einer von der Polizei ausgelobten Belohnung in Höhe von 5000 Mark und zwei Beiträgen in der Sendung „Aktenzeichen XY . . . ungelöst“ ergebnislos.

          Wie nach anderen ungeklärten Verbrechen blieben auch in diesem Fall die Beweismittel archiviert. Kleine Anhaftungen, vermutlich Hautschuppen, die damals am Schal und an der Leiche gefunden wurden, aber damals noch nicht zugeordnet werden konnten, hatten die Experten des LKA schon vor einiger Zeit analysiert und den Code der DNS in die Computerdatei eingegeben. Die Speichelprobe des Tatverdächtigen ergab nun den „Treffer“.

          LKA in Wiesbaden führend in der DNS-Analyse

          Die genetische Analyse winziger Haut-, Blut-, Sekret- oder Haarspuren ist inzwischen kriminaltechnische Routine. Das spiegelt sich auch in der Zahl der aufgeklärten Fälle wider: Seit Einrichtung der sogenannten DNS-Analyse-Datei vor zehn Jahren wurden in Hessen mit Hilfe von genetischen Spuren mehr als 9300 Fälle aufgeklärt – darunter mehr als hundert Tötungsdelikte.

          Die Kriminalwissenschaftler gehen dabei stets nach dem gleichen Muster vor: Die am Tatort oder an der Leiche sichergestellte DNS wird aus dem biologischen Material extrahiert und analysiert. Anschließend werden die DNS-Ketten beliebig oft vervielfältigt – und somit für die Kriminalwissenschaft nutzbar gemacht.

          Das LKA in Wiesbaden ist inzwischen führend auf diesem Gebiet. Der Molekularbiologe Harald Schneider, der auch an der Aufklärung dieses Falles beteiligt war, gilt in Fachkreisen als Koryphäe. Zudem bekommt das Kriminalwissenschaftliche Institut bald eine „DNS-Straße“, mit der genetische Spuren innerhalb von 24 Stunden ausgewertet werden können. Fälle, die jahrelang in den Aktenschränken liegen, bevor sie aufgeklärt werden, wird es dann möglicherweise nicht mehr geben.

          Immer wieder werden (Alt-)Fälle mit Hilfe von DNS-Spuren aufgeklärt. Im Juni 2006 etwa überführte die Polizei den Mörder der damals 16 Jahre alten Beatrix „Trixi“ Scheible, die vor mehr als 25 Jahren in der Frankfurter Nordweststadt ermordet worden war. Im selben Jahr wurde der sogenannte Brummi- Mörder aus Haiger festgenommen. Ihm konnte per DNS-Abgleich nachgewiesen werden, dass er drei Menschen getötet hatte.

          Im Jahr 2002 wurde nach 26 Jahren der Sexualmord an der Schülerin Petra Hübner aus Bad Hersfeld aufgeklärt, weil die Sperma-Spur an der Kleidung des Mädchens mit dem genetischen Code eines Verdächtigen übereinstimmte. Einen weiteren Sexualtäter, der zwei 16 Jahre alte Schülerinnen aus Limburg umgebracht hat, überführte die Polizei 2001 - sieben Jahre nach der Tat. Das Landeskriminalamt hatte DNS an einer Tennissocke isoliert, die bei den Leichen gefunden worden war.

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