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Verbrechen : Blutiges Ende eines Angelabends

Nachgestellt: Mit dieser Rekonstruktion suchte die Polizei nach Zeugen Bild: F.A.Z. - Franz Bischof

Vor einem Jahr wurde der Rentner Dieter G. am Mainufer brutal niedergeschlagen. Er überlebte, fiel aber ins Koma. Von dem Täter fehlt bisher jede Spur.

          4 Min.

          Als Dieter G. an jenem Freitagabend mit dem Fahrrad zum Fechenheimer Mainufer fuhr, den gelben Anhänger mit Angeln und Ködern gefüllt, war es noch hell, das Thermometer zeigte fast 26 Grad. Er hatte es nicht weit zu seinem Angelplatz. Seine Offenbacher Wohnung lag nur wenige hundert Meter vom Mainufer entfernt, an einer kleinen Straße zwischen Ledermuseum und Fluss. Er überquerte die Carl-Ulrich-Brücke, fuhr den schmalen Pfad hinunter, parkte seinen Anhänger. Dann fuhr er noch einmal nach Hause, stellte sein Fahrrad ab und ging zu Fuß wieder zum Angelplatz.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es muss gegen 22 Uhr oder früher gewesen sein, als der Rentner auf die Person traf, die ihn später niedergeschlagen hat – die ihn mit einem stumpfen Gegenstand immer wieder ins Gesicht schlug, so lange, bis der Rentner regungslos liegen blieb. Mehrere Angler waren an jenem Abend am Mainufer, über viele hundert Meter verteilt. Gehört, so ergaben die Ermittlungen, hat Dieter G. aber niemand.

          Etwas Vergleichbares hat es in der Anglerszene nicht gegeben

          Bis heute ist unklar, was sich am 27. April an dem Angelplatz nur wenige Meter neben der Brücke abgespielt hat. Als der Angler am nächsten Morgen von einem Bekannten gefunden wurde, lag er am Boden, Gesicht und Kleidung vom Blut überströmt. Dass es sich bei dem Mann um Dieter G. handelte, hat der Bekannte eigenen Angaben zufolge nur an der Angel und dem Gartenstuhl mit dem charakteristischen rot-weißen Polster erkannt. Die Ärzte stellten später massive Schädel- und Gesichtsfrakturen fest, zudem eine Hirnblutung, die dazu führte, dass Dieter G. ins Koma fiel. Außerdem hatte er Prellungen am ganzen Körper. Vermutlich, sagt die Polizei, habe er sich gewehrt, aber letztlich gegen den Täter keine Chance gehabt.

          Seitdem wird über diesen Fall viel spekuliert, denn etwas Vergleichbares hat es in der Anglerszene in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben. Im „Strandbus“, einer Offenbacher Kneipe, in die der Rentner gerne ging, können die Stammgäste kaum glauben, dass seit der Tat schon ein Jahr vergangen und der Schuldige noch immer nicht gefasst ist. Der Dieter, sagen diejenigen, die ihn kennen, sei ein ganz Ruhiger. Einer, der sich in der Kneipe an den Tresen setzt und ohne große Gesten von seinem Tag erzählt. Er half Freunden beim Tapezieren, Streichen, Fliesenlegen, baute das Haus für seine Tochter und ihren Lebensgefährten um. Dass er mit jemanden in Streit geraten könnte, kann sich niemand vorstellen. „Nein, aufbrausend war der Dieter nicht.“

          „Kaum jemand habe etwas Verdächtiges beobachtet“

          Hinter vorgehaltener Hand wurden schon einige beschuldigt. Engere Bekannte ebenso wie Leute aus der Anglerszene. „Es muss auf jeden Fall jemand gewesen sein, der wusste, dass er an jenem Abend am Mainufer sitzt“, sagt der Nachbar von Dieter G., während er im „Strandbus“ an seiner Bierflasche nippt. Normalerweise sei der Rentner immer morgens angeln gegangen, „so zwischen vier und fünf“. Warum er ausgerechnet an diesem Tag abends losgezogen sei, bleibe ein Rätsel. Noch ungewöhnlicher aber ist in den Augen vieler, dass niemand den Rentner am Ufer gesehen hat.

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