https://www.faz.net/-gzg-x750

Verbrechen : Blutiges Ende eines Angelabends

Das wundert auch die Polizei. Der Tatort ist ein kleiner Vorsprung direkt am Ufer, umgeben von Gebüsch, dürrem Geäst und kniehohem Gras. Von einem Spazierweg und vor allem vom gegenüberliegenden Offenbacher Ufer ist der Platz aber gut einsehbar. Auf der anderen Uferseite ist ein großer Parkplatz, auf dem sich abends Jugendliche und Pärchen treffen – zumal an einem warmen Freitagabend wie diesem. Aber erinnern kann sich niemand, obwohl der Angler mit seinen roten Hosenträgern recht auffällig war. Die Ermittler haben nach der Tat Flugblätter mit Fragen verteilt, die mögliche Zeugen beantworten sollten. Sie haben mit Anwohnern geredet, am Ufer ansässige Gastronomen aufgesucht. Aber kaum jemand, sagt Kriminaloberkommissar Mark Maurer, habe etwas Verdächtiges beobachtet. „Dabei helfen auch schon Dinge weiter, die scheinbar nichts mit der Tat zu tun haben. Manchmal nehmen die Leute unbewusst etwas wahr, meinen aber, es sei nicht wichtig. Und hinterher stellt sich heraus, dass es der entscheidende Hinweis ist.“

Es könnte ein Raubüberfall gewesen sein

Maurer hat von Anfang an den Fall bearbeitet. Er war damals am Tatort, als Dieter G. gegen neun Uhr morgens gefunden wurde. Er hat sich ein Bild machen können, wie der Täter vorgegangen ist, über den er sagt, es müsse ein äußerst brutaler Mensch gewesen sein. Nun sucht er mit seinen Kollegen nach weiteren Hinweisen darauf, wer den Rentner, der inzwischen aus dem Koma erwacht ist, sich aber zur Tat noch immer nicht äußern kann, an jenem Abend zwischen 19 und 22 Uhr angegriffen hat. „Die Ermittlungen sind schwierig“, sagt Maurer, „aber nicht aussichtslos“.

Die Kriminalisten hatten zunächst angenommen, dass es sich um eine Zufallstat handelte. Dass sich der Täter in der Nähe der Brücke aufhielt, aus irgendwelchen Gründen mit dem Rentner in Streit geriet, schließlich zuschlug und den schwer verletzten Dieter G. einfach auf dem Boden liegen ließ. Einer anderen Theorie zufolge könnte es auch ein Raubüberfall gewesen sein. Das Portemonnaie des Rentners wurde nicht gefunden, nur die EC-Karte, der Personalausweis und ein Brillenpass wurden später von Beamten der Spurensicherung im Gras entdeckt. Doch auch die Möglichkeit, dass es sich um einen gezielten Mordversuch gehandelt hat, schließen Maurer und seine Kollegen nicht aus. Feinde, sagt sein Nachbar, habe der Dieter aber nicht gehabt. Nur einmal sei einer sauer auf ihn gewesen und habe im Streit gesagt: „Ich mach’ dich platt.“ Aber der habe angeblich ein Alibi gehabt.

„Aufgeben werden die Ermittler nicht“

In der Anglerszene glauben viele an einen Raubüberfall. Es seien in der Vergangenheit immer wieder Gruppen aus Osteuropa aufgetaucht, die am Ufer illegal ihre Zelte aufgeschlagen hätten. Betrunken seien die gewesen, und wenn man sie angesprochen habe, hätten sie aggressiv reagiert. Fischereiaufseher Dieter Leimbach kennt diese Geschichten, hat selbst schon einige der Osteuropäer wegen illegalen Angelns ermahnt. „Trotzdem“, sagt er, „darf man diese Leute nicht einfach so beschuldigen.“ Die Anglerszene sei schon derb genug. „Wenn dann noch solche Gerüchte im Umlauf sind, fördert das nicht gerade die Harmonie.“

Maurer ist zuversichtlich, dass der Fall eines Tages aufgeklärt werden kann. Es gebe genug Spuren, die irgendwann vielleicht zum Täter führten. Manchmal würden Fälle dank DNS-Vergleich noch nach Jahren aufgeklärt. Außerdem gibt es neue Hinweise: Einiges spricht dafür, dass Dieter G. die Person gekannt haben könnte, die ihn angegriffen hat. Fünf Aktenordner füllt der Fall schon, vielleicht kommt noch ein sechster hinzu. Aufgeben werden die Ermittler nicht, wie Maurer sagt. „Und mit ein wenig Glück können wir die Akten irgendwann schließen.“

Weitere Themen

Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

Topmeldungen

Jetzt soll es schnell gehen: Kurz nach Nikolaus will sich Olaf Scholz zum Bundeskanzler wählen lassen.

Der nächste Kanzler : Olaf Scholz kennt nur noch Freunde

Man könnte meinen, Olaf Scholz wäre von Feinden umzingelt: Hier seine Parteichefs, die ihn bekämpft und besiegt hatten. Dort die FDP als Schreckgespenst der Sozialdemokratie. Von wegen.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.