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US-Forscherin in Frankfurt : Rasse ist eine Erfindung

Blickt durch: Die US-amerikanische Wissenschaftlerin Nina Jablonski untersucht fossile Zähne. Bild: privat

Nina Jablonski hält Rassen für ein Konstrukt. Sie sagt, vor Millionen von Jahren hatte jeder Mensch schwarze Haut. An diesem Mittwoch hält die bekannte Forscherin einen Gastvortrag im Senckenberg-Museum Frankfurt.

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          Vor zweieinhalb Millionen Jahren waren alle unsere Vorfahren schwarz. Nina Jablonski weiß, dass sie nicht immer auf Zuhörer trifft, die eine solche wissenschaftliche Aussage mit Applaus bedenken. Ihr Heimatland, die Vereinigten Staaten, in denen Jablonski an der Pennsylvania State University einen Lehrstuhl für Anthropologie innehat, wird derzeit erschüttert von Unruhen, die auf den Verdacht auf Rassendiskriminierung zurückgehen. Woher das Konzept der „Rasse“ kommt, das Jablonski gern längst in Rente geschickt sähe, wie sie in einem ihrer Essays schreibt, erläutert die Wissenschaftlerin an diesem Mittwochabend von 19.30 Uhr an im Senckenberg-Museum.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Als Vortragende, die oft ohne Manuskript geradezu mitreißend ihre Thesen darlegen kann, ist Jablonski nicht nur in der paläoanthropologischen Forschung tätig: Konsequent führt sie, gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern, ihre Erkenntnisse in die Arbeit an der Zukunft weiter und fragt in einem Studienprogramm der südafrikanischen Universität Stellenbosch nach den Auswirkungen von Rassenunterscheidungen und danach, was das Menschsein heute ausmacht.

          Wie wurden aus Vierfüßler Zweifüßler?

          Der Leiter der Sektion Paläoanthropologie des Senckenberg Forschungsinstituts, Friedemann Schrenk, setzt mit Jablonski die von ihm begründete Tradition fort, an den Hominiden-Forscher Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald zu erinnern, dem das Institut einige seiner bedeutendsten fossilen Menschenfunde verdankt. Seit 2002 lädt Schrenk je einen berühmten Paläoanthropologen zur Koenigswald-Lecture ein. Frauen gibt es in der internationalen Paläoanthropologie zwar gar nicht so wenige – sehr viele herausragende Gestalten aber nicht. Elisabeth Vrba, die 2009 zu Gast war, hat nicht ganz unironisch von Tagungen berichtet, in denen sie als noch jüngere Forscherin erst einmal gar nicht habe sprechen dürfen. 2004 war Meave Leakey die erste Frau am Pult der Koenigswald-Lecture, was Jablonski, nunmehr die Dritte im Bunde, gefallen dürfte: Ein Dokumentarfilm über die Forschung Luis Leakeys, des Begründers der legendären Forscherdynastie und Meaves Schwiegervater, hat sie als Kind auf ihren Berufswunsch gebracht.

          Jablonski studierte Molekularbiologie und Anthropologie. Dass sie sich, wie sie sagt, für fast alles Erforschenswerte interessiert, macht sie zu einer ungewöhnlichen Figur in ihrem Fach: Sie untersucht frühe Primaten in Afrika und Asien, ist oft in China unterwegs, wo sie Ausgrabungen macht, geht der Frage nach, wie aus den Vier- die Zweifüßler wurden und welche Konsequenzen das mit sich bringt. Mit der Frage nach der Hautfarbe des Menschen, wie und warum die unterschiedliche Pigmentierung entstanden ist, hat sie sich ein von vielen Forschern gemiedenes Feld gesucht.

          Zusammen mit ihrem Mann George Chaplin untersucht Jablonski unter anderem mit Wärmebildern der Nasa die UV-Strahlung in verschiedenen Regionen der Erde und ihre Folgen für die Hautfarbe der Menschen. Dass die eine Balance ist, von Krebsvermeidung und Versorgung mit Vitamin D etwa, dass vermutlich auch Charles Darwin andere Schlüsse gezogen hätte, hätte es zu seiner Zeit schon Weltraumaufnahmen gegeben, und wie die Hautfarbe unser Zusammenleben beeinflusst, darüber wird Jabbonski an diesem Abend sprechen.

          Der Vortrag

          Die Vorlesung im Museum Senckenberg beginnt um 19.30 Uhr im Senckenberg-Museum. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist erforderlich unter der Faxnummer 069-75421558 oder per E-Mail an koenigswald-lecture@senckenberg.de

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