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Neues urbanes Sitzkonzept : Damit die Ruhebank nicht zur Lärmquelle wird

Temporäre Verweildauer: die neuen mobilen Sitzbänke in der Höchster Innenstadt Bild: Wolfgang Eilmes

Nach jahrelanger Diskussion um fehlende Sitzmöglichkeiten auf der Höchster „Kö“ hat die Stadt Frankfurt ein Konzept vorgestellt. Jetzt werden mobile Sitzbänke aufgestellt.

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          Eine Bank zu bauen ist keineswegs ein profaner Auftrag. Auch wenn es sich um ein Sitzmöbel und nicht um ein Finanzinstitut handelt. Drei Jahre haben Produktdesigner Philipp Beisheim und Innenarchitekt Theo Voss darauf verwendet, eine Sitzbank zur Marktreife zu entwickeln. Die Besonderheit dabei war, dass ihr Produkt nicht im Freien fest montiert werden, sondern beweglich bleiben sollte. Beisheim und Voss, die zusammen in Höchst das Designatelier „kein Stil“ betreiben, haben den städtischen Auftrag nun erfüllt: Planungsdezernent Mike Josef (SPD) hat die ersten Exemplare der mobilen Bank dieser Tage auf der Königsteiner Straße in Höchst positioniert. Er sieht in dem Projekt einen Beitrag dazu, dass Höchst als Gewerbestandort attraktiv bleibt.

          Bernd Günther
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Aufstellungsort „Kö“, wie die Einkaufsmeile des Stadtteils kurz genannt wird, hatte die besonderen Anforderungen an die Sitzbank vorgegeben. Viele Jahre gab es Streit um Sitzmöglichkeiten in der Fußgängerzone, denn häufig waren dort Bänke zweckentfremdet worden. Anwohner litten unter Saufgelagen, Lärm, Müll und unerlaubten Schlafstätten. Um die nächtlichen Störungen zu verhindern, sei die Idee der mobilen Bank entstanden, die tagsüber aufgestellt und für die Nacht entfernt werden könne, sagt Voss.

          Schnelles Aufstellen und Wegrollen

          So sei als Pendant zur „Frankfurter Bank“, dem städtischen Standardmodell im öffentlichen Raum, nun die „Höchster Bank“ entstanden. Deren Clou ist, dass die Bank zu einer Seite an den Beinen gegriffen und aufgerichtet werden kann und dann auf zwei Lastrollen, die auf der Unterseite ausklappen, wie eine Sackkarre weggerollt und auch über Treppenstufen bewegt werden kann. So ist es möglich, das Sitzmobiliar ohne großen Aufwand im Hof, Keller, Haus oder in einem Laden zu parken.

          Betreut würden die Bänke von Paten, die das Aufstellen und Wegräumen übernehmen, sagt Stadtteilmanager Jürgen Schmitt, der sich mit dem Förderprogramm „Innenstadt Höchst“ um eine Aufwertung des Quartiers bemüht. Mit Mitteln des Programms würden auch die Bänke finanziert. Fünf Standorte seien bestückt worden. Der Platz vor dem Stadtteilbüro an der Bolongarostraße zählt dazu. Außerdem stehen zwei Bänke vor Läden an der Königsteiner Straße und zwei weitere auf der Hostatostraße. Für fünf zusätzliche sucht Schmitt noch Standorte und Paten. Interessierte können sich im Stadtteilbüro melden, Kosten entstehen ihnen nicht.

          Eine mobile Lösung

          Eigentlich war es naheliegend, eine mobile Lösung zu wählen, damit die Bänke nicht wieder Treffpunkt für nächtliche Ruhestörer werden. Doch in Höchst hatte es gedauert, bis man auf die Lösung verfiel: Denn vor gut vier Jahren wurden die herkömmlichen Sitzbänke auf der Königsteiner Straße zunächst kurzerhand entfernt. Das brachte zwar mehr Nachtruhe, jedoch auch neuen Streit, denn ältere Bürger monierten, dass Sitzgelegenheiten fehlten, um etwa beim Einkaufen eine Pause einlegen und verschnaufen zu können.

          Die Senioren-Initiative Höchst sammelte Unterschriften, organisierte einen Sitzprotest und kritisierte die „Kommerzialisierung des öffentlichen Raums“, wenn dort zum Ausruhen allenfalls ein Lokal oder eine Außengastronomie aufgesucht werden könnte. Der Ortsbeirat unterstützte die Senioren, worauf die Stadt schließlich einlenkte und zunächst als Übergangslösung Ruhebänke aufstellte, die mit humorvollen Sprüchen zur Rücksichtnahme mahnten. Eine vergleichbare Entwicklung gab es zuletzt in Sachsenhausen auf dem Adlhochplatz. Auch dort wurden im vergangenen Jahr Sitzbänke entfernt, um die Nachtruhe zu sichern. Der „sitzlose“ Zustand dauert an.

          Die nun in Höchst aufgestellten mobilen Bänke sind dagegen funktional und ansehnlich: Die Sitzfläche ist aus Robinienholz gefertigt, der Stahlrahmen ist verzinkt, und die auf der Unterseite eingeklappten Räder werden von Blenden verdeckt, die für Werbezwecke genutzt werden können. Voss spricht von einem „urbanen Design“. Anfragen anderer Kommunen, etwa aus Freiburg, lägen schon vor. Das Problem mit missbräuchlich genutzten Ruhebänken im öffentlichen Raum ist auch anderen Städten und Stadtteilen nicht fremd. Auch Stadtrat Mike Josef sprach davon, dass das Banksystem auf andere Quartiere übertragen werden könne.

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