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Unwetter in Frankfurt : „Wie ein Kochtopf, in dem die Blasen hochschießen“

Abgebrochene Äste: Der Sturm am Dienstagabend hat Schäden im Frankfurter Norden angerichtet. Bild: Lando Hass

Nach dem starken Gewitter in Frankfurt dauern die Aufräumarbeiten an. Zur Sicherheit werden alle Bäume im betroffenen Gebiet überprüft. Der Deutscher Wetterdienst rechnet schon mit weiteren lokalen Gewittern.

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          Die Aufräumarbeiten an der Marie Bittorf-Anlage im Frankfurter Stadtteil Dornbusch sind am Mittwochnachmittag noch in vollem Gange. Teile eines verbogenen Metallzauns liegen neben dem großen Baum, der auf das Gelände der Kita gefallen ist, die direkt an den Park grenzt. Um den Bagger, der einen Ast nach dem anderen vom Gelände herunterbugsiert, stehen mit einigen Metern Abstand Passanten. Auch Stefanie Fleming ist am Rande des Parks stehen geblieben. Wie die meisten, die hier anhalten, schaut sie lange auf die Wurzeln des Baums, die nun mannshoch nach oben ragen. Fleming wohnt in der Sudermannstraße, rund 500 Meter entfernt. Gegen 17.30 Uhr ist es in ihrem Stadtteil am Dienstag plötzlich mit dem Unwetter losgegangen. „Als es noch gedonnert hat, habe ich mir wenig Gedanken gemacht. Aber schon kurz danach hat der Regen gegen das Fenster gepeitscht, und draußen sind die Baustellen-Verkehrsschilder herumgeflogen.“

          Jannik Waidner
          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Bis zum Boden hätten sich die Baumkronen gebogen, sagt CDU-Ortsbeirat Lothar Stapf, der gekommen ist, um Bilder für den Ortsvorsteher zu machen. Zur Zeit des Unwetters war er bei einem Termin in Eschersheim. „Der Friedhof dort war komplett weiß vom Hagel.“

          Der Baum neben dem Kinderzentrum Eichendorffstraße ist einer von zehn, die nach Angaben des Grünflächenamts am Dienstag in Frankfurt in Parks und an Straßen entwurzelt wurden. Durch die Gewitter kam es zu Orkanböen, starken Regenfällen und Hagel,vor allem der Nordwesten der Stadt war betroffen. Zwischen Bockenheim und Niederursel und von Praunheim bis zum Dornbusch sorgte das Unwetter für Verwüstungen. Vielerorts liefen Keller voll, Äste wurden abgerissen, Dächer beschädigt.

          „Es ist nochmal gutgegangen“

          „Viele Bäume sind durch die Trockenheit der letzten Jahre geschwächt“, sagt Simone Jacob vom Frankfurter Grünflächenamt. Sie habe daher befürchtet, dass viel mehr passiere. „Es ist noch einmal gutgegangen.“ Die Baumkontrollen seien noch nicht beendet, vielerorts lägen noch lose Äste in den Baumkronen. Alle Bäume im betroffenen Gebiet würden nun überprüft. Auch einige Friedhöfe in den betroffenen Stadtteilen blieben am Mittwoch noch geschlossen.

          Auch Autos sind in Mitleidenschaft gezogen worden.
          Auch Autos sind in Mitleidenschaft gezogen worden. : Bild: Lando Hass

          Umgestürzte Bäume waren der Grund für zahlreiche Einsätze im Umland. Im Staatspark Wilhelmsbad in Hanau sind am Dienstagabend fünf Bäume umgestürzt. Außerdem brachen etliche, teils größere Äste ab. Die meisten Schäden seien am Mittwoch aber wieder beseitigt und die Hauptwege begehbar gewesen, teilte die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen mit. Sie bat Besucher aller historischen Gärten dringend, auf den Hauptwegen zu bleiben und abgesperrte Zonen zu meiden, weil immer noch Äste herunterfallen könnten. Im Hochtaunuskreis hinterließ das Gewitter vom Dienstag keine größeren Schäden. In Steinbach und Oberursel drang Wasser in einige Keller ein, in Oberursel schlug der Blitz in ein Haus ein. Dabei wurden jedoch nur Ziegel beschädigt.

          Schon am heutigen Donnerstag könnte abermals viel Arbeit auf die Mitarbeiter in Städten und Kommunen sowie vor allem auf die Feuerwehr zukommen. „Die Wetterlage ist wie festgebissen“, sagt Andreas Friedrich vom Deutschen Wetterdienst. „Die feuchte, gewitterträchtige Luft bleibt uns wohl noch bis Mitte nächster Woche erhalten.“ Es sei nie vorhersehbar, wo genau sich die Gewitter bildeten. „Das ist wie ein Kochtopf, in dem die Blasen hochschießen“, so Friedrich. Auch für den heutigen Donnerstag rechnet er mit Hagel und plötzlichen Orkanböen am Rande der Gewitter.

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