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Unwetter : Fliegen mit „Kyrill“

Wegen „Kyrill”: Lange Schlangen am Frankfurter Flughafen Bild: picture-alliance/ dpa

Orkan-Tief „Kyrill“ fällt über Deutschland her. „Die Kinder dürfen heute zu Hause bleiben“, steht in der Zeitung. Es weht und regnet - und ich sitze im Flieger von Berlin nach Frankfurt. - Ein Bericht über einen unruhigen Flug.

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          Orkan-Tief „Kyrill“ fällt über Deutschland her. „Die Kinder dürfen heute zu Hause bleiben“, steht in der Zeitung. Es weht und regnet - und ich sitze im Flieger von Berlin nach Frankfurt. Eine gute Entscheidung? Das ist die Frage. Die Lufthanseaten werden sicher nur fliegen, wenn es vertretbar ist. Andererseits: „Kyrill“ stürmt von Nordwesten heran, also auf uns zu.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          In Frankfurt wirbeln die ersten Ausläufer schon den Flugplan kräftig durcheinander. Weshalb der Lufthansa-Flug 179 von Tegel nach Rhein-Main erst mit gut einer Stunde Verspätung abgehoben hat.

          Der Start um kurz vor halb elf - bis auf Geruckel beim Eintauchen in die Wolken wie tausend andere Starts. Über den Wolken liegt der Airbus A 321 fast wie ein Brett. Es ist ein Gefühl wie Busfahren, nur ein paar Male fliegt die Maschine in leichte Turbulenzen, die das Mineralwasser im Plastikbecher schwappen lassen.

          Wie auf einem Rüttelsieb

          Derweil erzählen sich die beiden Vordermänner Erlebnisse mit Schlechtwetterflügen: „...da schaukelte der Flieger, und die Tragflächen wippten auf und ab, mir war ganz schlecht...“, berichtet einer und lacht. Ist ja gutgegangen, und es soll wohl heißen: Das wird auch heute so sein. Dein Wort in Gottes Ohr.

          Der Airbus liegt weiter wie ein Brett, was Magen und Gemüt beruhigt. Der Flieger wird langsamer, es geht auf Frankfurt zu, wie kurz darauf die Durchsage auch bestätigt. Der Haken: zuviel Verkehr in der Luft. 45 Minuten in der Warteschleife sind angesagt. Immerhin verlaufen sie ruhig.

          Die Schleifendreherei dauert etwas länger als gekündigt. Dann: Bitte wieder anschnallen, Rückenlehne gerade - und im Zweifelsfall festhalten. Denn je näher die Maschine dem Flughafen kommt, desto unruhiger gerät der Flug. Der Sturm. Der Airbus neigt sich mal nach links, mal nach rechts. Fällt etwas ab, bevor es wieder halbwegs stabil vorwärts geht. So muß es sich auf einem Rüttelsieb anfühlen. Der Magen drückt.

          Durchstarten kurz vor dem Bodenkontakt

          Doch immerhin geht es heimwärts, und der Käptn klang eben ganz entspannt. Die Maschine läßt die Bankentürme und die Commerzbank-Arena rechts liegen, bevor sie die A 5 überquert, im Kampf mit den Winden, von denen sie weiter ordentlich geschüttelt wird. Dann taucht die Piste auf. Noch zehn, 15 Meter fehlen vielleicht bis zum Bodenkontakt. Endlich angekommen. Touchdown - denkste!

          Im Cockpit geben sie Gas und starten durch, statt den Flieger aufzusetzen. Die Maschine erklimmt wieder die Wolkenberge. Der Rüttelsieb bleibt in Betrieb. Dafür entschuldigt sich der Käptn, obwohl er fürs Wetter ja nichts kann. „Aus Sicherheitsgründen“ sei man angesichts der Windverhältnisse durchgestartet, berichtet er. „In fünf Minuten versuchen wir einen weiteren Landeanflug.“ Er klingt weiter entspannt. Ob er gleichwohl auch feuchte Hände hat? War es eine gute Entscheidung, den gebuchten Rückflug zu nehmen statt den Zug?

          Der Airbus nimmt auf dem Weg zur Piste fast die gleiche Strecke, Bankentürme und Stadion tauchen abermals rechts auf und verschwinden zwischen Wolkenfetzen. Der Rüttelsieb läuft eher noch eine Stufe höher als vorhin. Der Magen beschwert sich heftiger, der Puls pulsiert beschleunigt. Bauchatmung - das soll helfen. Und Hände falten auch.

          ...und dann klatscht die halbe Maschine

          Wieder neigt sich die Maschine mal zur einen, mal zur anderen Seite. Die Winde sind förmlich zu spüren. Dann taucht die Landebahn auf, kommt näher und tatsächlich. Die Maschine setzt auf. Erst rühren sich ein paar Hände, ein paar Augenblicke später klatscht die halbe Maschine. „Ich dachte, das gäbe es nur bei Mallorca-Flügen“, sagt die Nachbarin und lächelt, spürbar erleichtert. „Wir haben es geschafft“, verkündet kurz darauf eine Stewardess über Bordlautsprecher. Beim Weg nach draußen ein Dank an die Crew. Die hat es verdient.

          Auf dem Weg in Richtung Gepäckausgabe dann die Durchsage: „Passagiere, die auf den Flug nach Paderborn...“ Wer zum Teufel muß bei diesem Wetter mit dem Flieger nach Paderborn?

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