https://www.faz.net/-gzg-wgm7

Erweiterung des Städels : Unterirdische „Gartenhallen“ für das Städel

Der unterirdische Erweiterungsbau soll rund 3000 Quadratmeter zusätzliche Sammlungs- und Ausstellungsfläche bieten Bild: dpa

Der Anbau des Städels wird unterirdisch gebaut. Bis Ende 2010 soll die Erweiterung fertiggestellt sein. Das Frankfurter Büro Schneider + Schumacher konnte den Architekten-Wettbewerb für sich entscheiden.

          3 Min.

          Der Anbau des Städels, in dem vor allem Kunst aus der Zeit nach 1945 gezeigt werden soll, wird unterirdisch gebaut. Das hat die Jury entschieden, die den Entwurf des Frankfurter Büros Schneider + Schumacher einstimmig zum ersten Sieger des Wettbewerbs erklärt hat. Die Architekten haben vorgeschlagen, unter dem sogenannten Städelgarten an der Dürerstraße in Sachsenhausen einen rund 3000 Quadratmeter großen, eingeschossigen Bau zu errichten. Diese „Gartenhallen“ sollen durch zahlreiche runde Oberlichter beleuchtet werden, die in die Rasenfläche des Gartens eingelassen werden. Eine kleine Erhöhung zeigt den kuppelförmig überwölbten, 30 auf 30 Meter großen Zentralraum der Halle an.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Städeldirektor Max Hollein hob hervor, dass für den Siegerentwurf auch die Vorschläge für eine bessere Erschließung des gesamten Museums gesprochen hätten. Schneider + Schumacher schlagen vor, Verwaltung, Bibliothek, Veranstaltungssaal und Museumsverein im Anbau an der Holbeinstraße unterzubringen. Der 1990 fertiggestellte Trakt des Architekten Gustav Peichl muss dafür umgebaut werden; so sollen nachträglich Fenster in die Fassade eingefügt werden. Schumacher äußerte die Hoffnung, dass der von ihm sehr verehrte Peichl einem solchen Eingriff in sein Werk zustimmen werde. Der Anbau an der Holbeinstraße habe sich als zu klein für viele Ausstellungen erwiesen, äußerte Hollein.

          Vergrößerung des Foyers

          Durch den Umzug der Verwaltung entsteht auch im sogenannten Gartenbau von 1920 mehr Fläche für die Präsentation von Kunstwerken. Das gilt auch für den Metzlersaal, der derzeit häufig für Veranstaltungen genutzt wird. Er befindet sich im Erdgeschoss des Gartenbaus. Von hier aus wird eine Treppe in die neuen unterirdischen Räume führen. Wie Michael Schumacher, einer der beiden Gründer des Siegerbüros, ausführte, wird der Besucher auf einer Achse durch die verschiedenen Trakte geführt. Die bisherige unübersichtliche Wegeführung werde damit hinfällig.

          Schneider + Schumacher wollen auch den Eingang umgestalten. Das Foyer soll vergrößert werden, damit Ausstellungsbesucher bei starkem Andrang an den Kassen künftig im Gebäudeinneren warten können. Dafür soll die Buchhandlung in das Alfred-Mauritz-Foyer umziehen; der dadurch freiwerdende Raum soll auch durch ein kleines Café genutzt werden.

          Von den acht Arbeiten des Wettbewerbs hatten vier eine unterirdische Lösung favorisiert. Mit dem geteilten zweiten Preis wurden jedoch zwei Entwürfe ausgezeichnet, die sich für Hochbauten entschieden hatten. So wollten Kühn Malvezzi (Berlin) je einen Kubus in den Hof zwischen Hauptbau und Gartenflügel und in den Garten setzen. Das hätte jedoch sehr tiefe Eingriffe in die Bausubstanz des Gartenflügels bedeutet. Gigon/Guyer aus Zürich haben einen dritten Flügel parallel zu Haupttrakt und Gartenflügel vorgeschlagen. Ihm wäre ein Großteil des Gartens zum Opfer gefallen.

          Hertie-Stiftung stellt sieben Millionen Euro zur Verfügung

          Mit dem Bau solle gegen Jahresende begonnen werden, sagte Nikolaus Schweickart, Vorsitzender der Städel-Administration. Als Termin für die Fertigstellung nannte er Ende 2010. Man sei zuversichtlich, dass der gesetzte Kostenrahmen von 20 bis 30 Millionen Euro eingehalten werden könne. Genauere Angaben seien erst möglich, wenn die Detailplanung vorliege. Als Sockelfinanzierung stellt die Gemeinnützige Hertie-Stiftung rund sieben Millionen Euro zur Verfügung. Schweickart äußerte die Hoffnung auf weitere große Spenden. Im Sommer soll dann eine Aktion gestartet werden, bei der die Bürger um Spenden für den Erweiterungsbau gebeten werden, und zwar in Frankfurt und in der Region.

          Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) sagte, sie wolle in der Kommunalpolitik dafür werben, dass sich auch die Stadt finanziell an dem Anbau beteilige. Roth, die der Jury angehörte, lobte den Siegerentwurf als Kunstwerk. Das Städel werde dadurch in seiner Rolle als „Flaggschiff der Museumsflotte“ gestärkt. Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) sagte, von dem Anbau profitierten alle Museen, die ihren „Eigensinn“ nun noch stärker herausstellen könnten.

          Laut Hollein wird sich die Ausstellungsfläche des Städels mit dem Anbau fast verdoppeln. Der zusätzliche Raum werde dringend benötigt, um die schon jetzt umfangreiche Sammlung zeitgenössischer Kunst zeigen zu können. Demnächst werden etliche Werke hinzukommen. Der Museumsdirektor sagte, dass die Verhandlungen mit der DZ Bank und der Deutschen Bank weit gediehen seien. Die DZ Bank will dem Städel ein ausgewähltes Konvolut von Arbeiten aus ihrer Fotografiesammlung überlassen, die Deutsche Bank exemplarische Gemälde, etwa von Gerhard Richter und Georg Baselitz, Zeichnungen und druckgraphische Blätter. Details der Vereinbarungen sollen demnächst mitgeteilt werden.

          Weitere Themen

          Keiner wird vergessen

          FAZ Plus Artikel: „Cold Cases“ : Keiner wird vergessen

          Moderne Ermittlungsmethoden ermöglichen es, neue Spuren in vermeintlich unlösbaren Kriminalfällen zu entdecken. In Hessen werden „Cold Cases“ jetzt systematisch aufgerollt.

          Topmeldungen

          Durch ein anderes Delikt in den Fokus geraten: Der Mörder von Johanna Bohnacker konnte 18 Jahre nach der Straftat gefasst werden.

          „Cold Cases“ : Keiner wird vergessen

          Moderne Ermittlungsmethoden ermöglichen es, neue Spuren in vermeintlich unlösbaren Kriminalfällen zu entdecken. In Hessen werden „Cold Cases“ jetzt systematisch aufgerollt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.