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Universität : Jugendbilder statt KZ-Fotos

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Auf dem Campus Westend ist ein „Ort des Gedenkens und der Information Norbert Wollheim geplant. Es sieht Metall-Tafeln mit Jugendbildern von Häftlingen in Buna-Monowitz und Auschwitz vor, die an Bäumen im Park vor dem Universitätsgebäude angebracht werden.

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          Statt eines Wollheim-Platzes eine Wollheim-Gedenkstätte: Das Projekt hat mittlerweile konkrete Formen angenommen. Nun haben Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) und Universitäts-Präsident Rudolf Steinberg das Konzept für einen „Ort des Gedenkens und der Information Norbert Wollheim“ auf dem Campus Westend vorgestellt. Es sieht mindestens 13 nicht ganz mannshohe Metall-Tafeln mit Jugendbildern von Häftlingen in Buna-Monowitz und Auschwitz vor, die an Bäumen im Park vor dem Universitätsgebäude angebracht werden. Ferner wird ein Pförtnerhäuschen zur Informationsstätte umgebaut. Die Gedenkstätte soll an die Sklavenarbeiter im Konzentrationslager Buna-Monowitz, an ihre Leidensgefährten in anderen Lagern von Auschwitz und - wie Corts hervorhob - generell an die Opfer des Holocaust erinnern.

          Zwischen Norbert Wollheim und dem früheren IG-Farben-Gebäude, in das 2001 die Goethe-Universität gezogen ist, besteht eine zweifache symbolische Verbindung. Wollheim hat als Monowitz-Häftling für die IG Farben Zwangsarbeit geleistet, und er hat nach dem Krieg einen erfolgreichen Musterprozess gegen die IG Farben geführt, der zu einer ersten, wenn auch in der Summe geringen Entschädigung führte. Die Ende vergangenen Jahres abgeschlossene Entschädigung von 1,6 Millionen Zwangs- und Sklavenarbeitern durch die Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ ist nach den Worten Georg Heubergers, des Leiters der in die Entschädigung involvierten Claims Conference, durch den Wollheim-Fall mitbefördert worden. Ein Vorgänger Heubergers, der einstige Monowitz-Häftling Karl Brozik, hatte 2001 vorgeschlagen, in Erinnerung an Wollheim und die Verwicklung der IG Farben in den Völkermord den Platz vor dem IG-Farben-Gebäude in „Norbert-Wollheim-Platz“ umzubenennen.

          „Es wird ein wirklich gutes Ding werden“

          In der Folgezeit entzündete sich ein politischer Streit, der sich zu einem Skandal auszuweiten drohte. In dieser Situation machten die Holocaust-Überlebenden Arno Lustiger und Trude Simonsohn den Vorschlag, lieber ein Denkmal für Wollheim zu errichten, als den Platz umzubenennen. Der Senat der Universität stimmte dem zu, eine Kommission aus Überlebenden, Vertretern der Universität, der Claims Conference, des Wissenschaftsministeriums, der Studentenschaft und des Fritz-Bauer-Instituts machte Pläne. Ihr künstlerischer Berater war Jean-Christophe Ammann, der frühere Direktor des Museums für Moderne Kunst.

          „Es wird ein wirklich gutes Ding werden“, lobte Ammann gestern das Konzept von Heiner Blum, Professor an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach. Dessen, wie der Universitätspräsident sagte, „ideale Lösung“ besteht aus einem Kunst- und einem Informations-Teil. Die Jugendbilder von Häftlingen, auf die ihre späteren Häftlingsnummern aufgedruckt werden, sollen die Betrachter darauf aufmerksam machen, dass allen diesen Zwangsarbeitern ihr Leben gestohlen wurde. Im Pförtnerhäuschen werden auf zwei Monitoren noch zu erstellende Interviews mit überlebenden Monowitz-Häftlingen und Material über die Verstrickungen der IG Farben sowie über Wollheim gezeigt werden. Für die Metallbilder werden noch Sponsoren gesucht.

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