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Universität Frankfurt : Hoffen auf große Freiheit und frisches Geld

Das IG-Farben-Haus wird künftig nicht nur von der Uni Frankfurt genutzt, sondern gehört ihr auch Bild: Kai Nedden

Keine Revolution soll es sein, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft: Zum 1. Januar wird die Frankfurter Universität, was sie schon einmal war - eine Stiftungshochschule.

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          Keine Revolution soll es sein, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg in eine erfolgreiche Zukunft: Beinahe bescheiden formuliert der Frankfurter Universitätspräsident Rudolf Steinberg, was er sich von der Umwandlung seiner Hochschule in eine Stiftung öffentlichen Rechts erwartet. Ein Traditionsbruch ist die Status-Änderung, die zum 1. Januar in Kraft tritt, tatsächlich nicht. Die Universität wird keineswegs privatisiert - sie bleibt, wie es im hessischen Hochschulgesetz heißt, eine Einrichtung des Landes, das weiterhin als Hauptgeldgeber auftritt. Nicht revolutionär, sondern im guten Sinne restaurativ ist auch eines der Hauptargumente, mit dem Steinberg für die Umwidmung geworben hat: Die Universität besinne sich damit auf ihre Anfänge als eine von Frankfurter Bürgern getragene Stiftungshochschule.

          Sascha Zoske
          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ähnlich wie im Gründungsjahr 1914 sollen sich nach dem Wunsch des Präsidenten nun wieder Mäzene und Sponsoren um die größte hessische Universität verdient machen. Private Geldgeber sollen in eine Bildungsstätte investieren, die dank ihrer Konstitution als Stiftung mehr Freiheiten genießen wird als jede andere Hochschule des Landes (siehe Kasten). Der Gewinn an Autonomie erleichtert nach Steinbergs Überzeugung Spitzenleistungen in der Forschung und verbessere auch die Lehre. Einige Gönner hat der Juraprofessor schon überzeugen können, allen voran die Vermögensverwalter der Frankfurter Bankierswitwe Gertrud Kassel, aus deren Nachlass die Universität im Juli 33 Millionen Euro erhielt.

          20 Millionen Euro als Grundbetrag vom Land

          Die hessische Regierung, die das Unternehmen „Stiftungs-Uni“ von Anfang an gefördert hat, will das Bürger-Engagement nun ihrerseits honorieren. Außer einem Grundbetrag von 20 Millionen Euro bekommt die Universität nach dem sogenannten Matching-Fund-Prinzip für jeden Euro, den sie von privater Seite einwirbt, einen Euro aus dem Landesetat - bis zu einer Grenze von 50 Millionen Euro. Laut Steinberg wird sich das Stiftungskapital, basierend auf der Kassel-Spende, dem Komplementärzuschuss des Landes und dessen Basisgabe, zunächst auf etwa 84 Millionen Euro belaufen. Geld, das nicht ausgegeben werden darf, von dessen Erträgen aber Vorhaben der Universität gefördert werden sollen, beispielsweise die Berufung hervorragender Professoren.

          Im Bewusstsein, in Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU) einen willigen Partner zu haben, hat Steinberg das Stiftungsprojekt mit großem Druck vorangetrieben. Nur neun Monate lagen zwischen dem Bekanntwerden seines ausformulierten Konzepts und dem Beschluss der Unionsmehrheit im Landtag, die Neuordnung der Universität im Hochschulgesetz festzuschreiben. Für diese Eile sind Minister und Uni-Präsident scharf kritisiert worden. SPD und Grüne im Landtag, Gewerkschafter und Studentenvertreter warfen Steinberg vor, die Umwandlung „durchzupeitschen“, um sich selbst mehr Macht zu sichern und die Universität immer stärker dem Einfluss der Wirtschaft zu öffnen.

          Fundamentale Einwände bei Landtags-Opposition

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