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Ausgezeichnete Arbeit: Katharina Iskandar berichtet über Fälle von Rechtsextremismus und Terrorismus im Rhein-Main-Gebiet.

Straftaten mit Schusswaffen : Unbefriedigende Antworten

Nach einer Schießerei an der Konstablerwache in Frankfurt erfolgte ein Großeinsatz der Polizei. Bild: Bäuml, Lucas

Im Rhein-Main-Gebiet häufen sich die Fälle, in denen auf offener Straße geschossen wird. Zuletzt an der Konstablerwache in Frankfurt. Polizei und Politik liefern keine Erklärungen.

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          Drei Jahre ist es her, dass auf dem Friedrich-Stoltze-Platz in Frankfurt Schüsse fielen. Panik brach aus. Später, als sich die Lage beruhigt hatte, tröstete man sich damit, dass es ein Streit unter Kriminellen gewesen war. Unter Rockern. Unter Männern einer Unterwelt, die eine Auseinandersetzung nur ausnahmsweise an einem öffentlichen Ort ausgetragen hatte.

          Doch das Bild hat sich gewandelt, in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet häufen sich die Fälle, in denen auf offener Straße geschossen wird. Im Februar sind nur durch Glück mehrere Unbeteiligte mit dem Leben davongekommen, als ein Mann in Frankfurt seine frühere Freundin mit einem Schuss in den Kopf töten wollte. Sie überlebte schwer verletzt. Und auch bei den Streitigkeiten in Rüsselsheim und zuletzt an der Konstablerwache in Frankfurt hätten Passanten zu Opfern werden können. Die Polizei sprach von „großem Glück“.

          Auf die Frage von Bürgern, warum in der Öffentlichkeit immer öfter geschossen wird, können die Sicherheitskräfte nur eine unbefriedigende Antwort geben, nämlich gar keine. Die steigende Zahl der Fälle hat die Politik bisher nicht dazu veranlasst, dem Thema zumindest die notwendige statistische Sorgfalt angedeihen zu lassen. So werden die Fälle zwar erfasst, aber nicht aufgeschlüsselt nach Tatbegehung, Täter-Opfer-Beziehung, Herkunft und Motiv.

          Kriminalstatistik hat ihre Grenzen

          Dabei wäre es wichtig, zu wissen, ob der Eindruck, dass immer mehr Schusswaffen auch außerhalb krimineller Milieus eingesetzt werden, zutrifft oder nicht. Der schon seit langem vom Bund Deutscher Kriminalbeamter geforderte periodische Sicherheitsbericht wäre ein wichtiger Ansatz, diese Frage zu klären.

          Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um festzustellen, dass die gängige Kriminalstatistik ihre Grenzen hat. Die ergeben sich schon daraus, dass dort nur jene Fälle auftauchen, die auch zur Anzeige gebracht werden. Aus den Zahlen lassen sich mithin Rückschlüsse auf das Anzeigeverhalten der Bürger ziehen, in gewissem Maße auch auf die Arbeit der Polizei; nicht aber darauf, warum sich bestimmte Kriminalitätsmuster entwickeln. Dazu braucht es die Kriminalwissenschaft und eine fundiertere Datenerhebung.

          Es dürfen nicht weitere drei Jahre verstreichen, bis dem Thema die offenkundig notwendige Aufmerksamkeit zuteilwird. Um sich schießende Menschen sollen schließlich die Ausnahme bleiben.

          Katharina Iskandar
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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