https://www.faz.net/-gzg-10o2v

Umweltbewusstsein in Frankfurt : Passivhäuser als Markenzeichen

Noch steht hier ein Betonbunker. Doch schon bald soll die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim ein umweltfreundliches Modellquartier werden Bild: F.A.Z. - Felix Seuffert

Die Planer von AS&P wollen Frankfurt zur „Ökotropolis“ machen. In Bockenheim und Praunheim sollen Vorzeigequartiere entstehen.

          2 Min.

          Farblich ist die Heinrich-Lübke-Siedlung in Praunheim eine Mischung aus Grau und Grün. Die Nidda liegt zwei Minuten entfernt, und noch stehen die Bäume rings um die Wohnblocks nahezu in vollem Laub. Fünfgeschossige graue Waschbetonkästen brechen wie unwirtliche Felsen durch das Blätterdach. Es fällt schwer zu glauben, dass sie die Substanz für ein Quartier liefern sollen, mit dem sich Frankfurt als Vorbild für umweltschonende Stadtentwicklung präsentieren könnte.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Stadtplanerbüro Albert Speer und Partner (AS&P), das zurzeit die Zukunftsstudie „Frankfurt 2030“ erarbeitet, empfiehlt, zwei Musterstadtteile nach allen Regeln der „Kunst der Nachhaltigkeit“ zu entwickeln: den bisherigen Uni-Campus Bockenheim und die Wohnsiedlung in Praunheim. Frankfurt könne sich einen Namen als „Ökotropolis“ machen, erläuterte Michael Denkel auf der Immobilienmesse Expo Real in München. Dank des schon weitgehend etablierten Passivhausstandards, in dem alle städtischen Neubauten errichtet würden, sei das Knowhow vorhanden. Allerdings mangele es noch an Projekten, um potentiellen Investoren oder Nachahmern die Vorzüge am konkreten Beispiel zu demonstrieren. „Wir brauchen Aushängeschilder im ökologischen Bau“, sagte Denkel. Die Musterstadtteile sollen Strahlkraft über Frankfurt hinaus haben. „Wir wollen zeigen, dass nachhaltige Stadtentwicklung kein Hexenwerk ist.“

          Auf dem Campus Bockenheim könnten Passivhäuser entstehen

          Auf dem Campus Bockenheim, wo nach dem Umzug der Universität ins Westend ein Wohn- und Gewerbeviertel geplant ist, sollen sämtliche Gebäude im Passivhausstandard errichtet werden. Die städtische Wohnbaugesellschaft ABG will gemeinsam mit der OFB Projektentwicklungsgesellschaft das Areal vom Land Hessen erwerben und erschließen. Die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Es ist aber zu erwarten, dass die bestehende Landesregierung den Kaufvertrag noch unterzeichnen wird.

          Denkel ist der Ansicht, dass nicht nur die Bauweise höchsten ökologischen Ansprüchen genügen sollte. Wie er im Gespräch mit dieser Zeitung erläuterte, sollte auch der ruhende Verkehr aus den Straßen verschwinden, damit diese Räume „erlebbar“ würden. Sein Vorschlag sei jedoch nicht mit den Ideen zur „autofreien Stadt“ zu verwechseln, die von manchen Planern propagiert werden. Lediglich der Parkverkehr sollte Denkels Ansicht nach in Tiefgaragen verlagert werden.

          Schwieriger als im Neubau, wo sich der Passivhausstandard vergleichsweise einfach erzielen lässt, ist die energiesparende Sanierung im Bestand. Um ihre Kompetenz auch auf diesem Gebiet zu beweisen, soll die Stadt die Heinrich-Lübke-Siedlung als Musterquartier sanieren. Diese Siedlung, die 1977 gebaut wurde, gilt aufgrund der Bevölkerungsstruktur als problematischer Stadtteil. 700 Wohnungen an der Heinrich-Lübke-Straße werden von der ABG verwaltet, es sind ausschließlich Sozialwohnungen. In den vergangenen Jahren wurden soziale Projekte begonnen, eine Zeitlang ließ die ABG einen privaten Wachdienst in dem Brennpunkt patrouillieren. ABG-Geschäftsführer Frank Junker nennt die Umgestaltung der Siedlung zu einem Musterstadtteil „eine tolle Idee“. Denkbar sei, dass das Wohnviertel für andere Schichten attraktiv werde und die Aufwertung zu einer besseren sozialen Durchmischung führe.

          Energieverbrauch sechzehnmal geringer

          Mit mehr als 630 errichteten oder in Bau befindlichen Wohnungen im Passivhausstandard ist die ABG nach eigenen Angaben weltweit führend bei dieser besonders energiesparenden Bauweise. Passivhaustechnik reduziert den Energieverbrauch auf einen Bruchteil. Durch die hervorragende Wärmedämmung verbraucht ein Passivhaus sechzehnmal weniger Energie als ein herkömmlicher Altbau. Es ist allerdings schwierig, in Bestandsimmobilien Passivhauswerte zu erzielen. Aus diesem Grund will Junker zunächst prüfen, „ob wir den Verbrauch nachhaltig optimieren können“.

          Die Bewohner erwarten die Initiative mit Spannung. Die Schülerin Sandra Heller berichtet, dass ihr kürzlich auf offener Straße beinahe das Handy geraubt worden sei: „Wir hoffen, dass sich insgesamt das soziale Klima verbessert.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Verteidiger des Präsidenten : Hemdsärmlig für Trump

          Bei den Anhörungen wegen der Ukraine-Affäre tritt der republikanische Abgeordnete Jim Jordan ins Rampenlicht. Der ehemalige Profi-Ringer soll die Verteidigungsstrategie von Donald Trump transportieren – wohl auch stilistisch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.