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Umstrittener Club : Widerstand gegen U-60311 nimmt zu

Die Stadt Frankfurt hält nach dem gewaltsamen Tod eines Clubgastes an der Räumungsklage fest: Disco U 60311 Bild: ©Helmut Fricke

Der Protest gegen die umstrittene Frankfurter Diskothek U 60311, in der ein Gast von Türstehern getötet worden war, nimmt weiter zu. Die Lebensgefährtin des getöteten Clubbesuchers hat zur Demonstration aufgerufen, die Stadt hält an der Räumungsklage fest.

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          Der Protest gegen die umstrittene Frankfurter Diskothek U 60311, in der am Ostermontag ein Gast von Türstehern getötet worden war, nimmt weiter zu. Für heute Nachmittag ist eine Demonstration auf dem Römerberg geplant, die sich gegen den weiteren Betrieb des Clubs richtet. Mehr als 200 Personen hatten sich bis gestern Abend über Facebook für die Kundgebung angemeldet. Aufgerufen hatte dazu die Lebensgefährtin des getöteten Briten Lee John H.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Die junge Frau und ihre Mitstreiter kritisieren, dass es der Stadt bisher nicht gelungen sei, dem Betreiber des Clubs die Konzession zu entziehen. „Ein Menschenleben ist wohl nicht genug“, heißt es in einer Pressemitteilung. Inzwischen ist der Fall über die Grenzen des Rhein-Main-Gebiets hinaus bekannt. Der Betreiber der Diskothek, Alexander Eger, stand schon kurz nach dem tragischen Vorfall in der Kritik, weil er den Club schon einen Tag später wieder öffnete und sich erst etwa eine Woche nach dem Tod des jungen Briten zu dem Vorfall äußerte.

          Warten auf richterlichen Beschluss

          Weiterer Kritik hat sich Eger in den vergangenen Tagen ausgesetzt, nachdem er bekanntgegeben hatte, er knüpfe seinen Rückzug an die Bedingungen, dass der Name „U 60311“ weitergeführt werde und dass ihm ein Abschlag gezahlt werde für die von ihm getätigten Investitionen. Der Leiter des Frankfurter Liegenschaftsamts, Alfred Gangel, sagte auf Anfrage, dass Eger zumindest an die Stadt keinerlei Verpflichtungen geltend machen könne. „Das ist alles Verhandlungssache mit dem potentiellen Nachfolger.“ Die Stadt werde weiter an der Räumungsklage festhalten. Wie schnell darüber entschieden werde, hänge allerdings von dem zuständigen Gericht ab. Bis zu einer erstinstanzlichen Entscheidung könne ein Jahr vergehen. Von der Gerichtsentscheidung unberührt bleibe aber der Abbau zweier überirdischer Eingänge, den die Stadt schon seit längerem geplant habe.

          Eger war für eine Stellungnahme in den vergangenen Tagen nicht zu erreichen. In einem Interview hatte er kürzlich geäußert, er werde noch bis Oktober Geschäftsführer des Clubs bleiben. Mit möglichen neuen Inhabern führe er derzeit „gute Gespräche“. Dem Vernehmen nach soll der Club jedoch nicht im Ganzen verkauft werden, sondern per Aktiengesellschaft in Teilen veräußert werden.

          U 60311 spielt deutschlandweit keine große Rolle

          Ob sich unter den von Eger vorgegebenen Bedingungen überhaupt Käufer finden lassen, ist fraglich. Aus der Club- und Diskothekenszene ist zu hören, dass das U 60311 - anders als von Eger behauptet, der seinen Club zu den „bekanntesten auf der Welt“ zählt - deutschlandweit keine große Rolle spiele. Mit dem Rhein-Main-Gebiet verbinde man vielmehr den „Cocoon“-Club in Frankfurt oder die Diskothek „Robert Johnson“ in Offenbach, heißt es in der Szene.

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