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Umgestaltung : Vier Architekten entwerfen für Naxos-Gelände

Blick auf das Naxos-Gelände: Vier Architekten sollen Entwürfe für die Umgestaltung vorlegen Bild: Henning Bode

Die Frankfurter Aufbau AG hat vier Architekten zu einem Gutachterwettbewerb für die Erschließung des Naxos-Geländes im Frankfurter Ostend eingeladen. Was mit der denkmalgeschützten Naxos-Halle passiert, ist aber noch nicht abschließend geklärt.

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          Die mit der Erschließung des Naxos-Geländes beauftragte Frankfurter Aufbau AG (FAAG) hat vier Architekten zu einem Gutachterwettbewerb eingeladen. Die Büros Stefan Forster, Schneider + Schumacher, Ferdinand Heide und Albert Speer und Partner (AS&P) sollen Entwürfe für das Areal im Frankfurter Ostend vorlegen. Sie werden die Architektur für den Abschnitt entwickeln, den die FAAG bebauen wird, und auch einen städtebaulichen Entwurf für das Gesamtareal anfertigen. Die attraktive Fläche wird zum größten Teil von der FAAG erschlossen, der Rest des Geländes, rund ein Drittel, soll an Genossenschaften für alternative, generationenübergreifende Wohnprojekte vergeben werden.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sowohl die FAAG als auch die Genossenschaften haben Interesse am städtebaulich interessanteren Abschnitt an der Wingertstraße bekundet, der ruhiger liegt als das Grundstück an der Wittelsbacherallee. Wie zu hören ist, soll aber schon eine Entscheidung zugunsten der FAAG gefallen sein.

          70 bis 80 hochwertige Wohnungen

          Nach Angaben von FAAG-Geschäftsführer Frank Junker ist geplant, auf den der FAAG zur Verfügung stehenden 7.000 Quadratmetern 70 bis 80 hochwertige Wohnungen zu errichten. Gedacht sei an eine fünfgeschossige Bebauung mit Wohnraum für gehobene Ansprüche, der als Eigentum und zur Miete angeboten werde. Wegen der hohen Baukosten auf dem Gelände kämen die Wohnungen aber nur für eine bestimmte Klientel in Frage. Es werde kein Bebauungsplan aufgestellt, da die Projekte nach Paragraph 34 des Baugesetzbuchs genehmigt werden könnten. Diese Bestimmung wird angewandt, sofern sich die Bebauung nach der Umgebung richtet.

          Zwar sollen die Architekten bei der Gestaltung des früheren Industriegeländes weitgehende Planungsfreiheit haben. Doch das Gelände gelte aufgrund baulicher Einschränkungen als „technisch zementiert“, sagt Junker. Der Erhalt der Platanen bestimme etwa die Lage der Tiefgarage. Eine Kindertagesstätte soll in der alten Kantine untergebracht werden. Auch der Leiter der Bauaufsicht, Michael Kummer, bewertet das Gelände als „maßlos kompliziertes Grundstück“.

          Ob und in welchem Umfang die denkmalgeschützte Naxoshalle saniert wird, ist nach Angaben von Liegenschaftsamtsleiter Alfred Gangel noch nicht abschließend geklärt. Zunächst würden die Arbeiten ausgeführt, die zur Verkehrssicherung nötig seien. Auch am kulturellen Konzept werde noch „gefeilt“. Konsens ist zwar, dass das Theater Willy Praml in der Naxoshalle bleiben soll. Aber dass sich die kulturelle Nutzung der Halle, wie ursprünglich geplant, etwa durch ein gastronomisches Angebot weitgehend selbst trägt, ist offenbar illusorisch. „Auch da wird man wohl zuschießen müssen“, erwartet Gangel.

          „Da jaulen schon einige auf“

          In welcher Form die Genossenschaften eingebunden werden, ist noch offen. Aufgrund der Rechtslage wäre eine europaweite Ausschreibung geboten, sagt Gangel. Eine andere Möglichkeit ist, die Fläche ohne Auflagen zu vergeben. Das wiederum setzt Vertrauen in den Bauherren voraus. „Mit jedem Dritten ist das nicht möglich“, meint Gangel. Welche Genossenschaften zu welchen Bedingungen zum Zuge kommen, soll am 20. August bei einem Workshop geklärt werden, den die FAAG ausrichtet.

          Zu welchen finanziellen Konditionen die Genossenschaften auf dem Grundstück, das die Stadt im Jahr 2006 für 21 Millionen Euro gekauft hatte, bauen dürfen, steht ebenfalls noch nicht fest. Möglich ist, den Kaufpreis über die Richtwerte für Grundstückspreise festzusetzen. „Doch da jaulen schon einige auf“, sagt Gangel. Denn offenbar rechnen die Genossenschaften mit einer Form der Subventionierung. Kritiker bemängeln, dass den Genossenschaften Sonderrechte zugestanden würden. Bei dem Grundstück mitten im Ostend handele es sich immerhin um wertvolles Baugelände.

          Indoor-Spielplatz für Kinder vorstellbar

          Schon jetzt gebe es auf Seiten der Genossenschaften mehr Interessenten für die Fläche, als zum Zuge kommen könnten, sagt Gangel. Darunter sind der Beamten-Wohnungsverein und ein Netzwerk von sechs freien Wohnbaugenossenschaften. Deren Sprecher Felix Schmunk, Vorstandsmitglied der Genossenschaft Fundament, sagt, die Genossenschaften seien „in Wartestellung“. Beabsichtigt sei, das Grundstück in Erbpacht zu bebauen. Die einzelnen Baugruppen würden eigene Architekten beauftragen. Um städtebauliche Qualität zu sichern, sollen sich die Beteiligten absprechen. „Zu mehreren sind wir schlauer“, sagt Schmunk. Die Genossenschaft Fundament hoffe allein auf 32 Wohnungen für ihre Mitglieder. Insgesamt, so Schmunk, rechne er mit mehr als hundert genossenschaftlichen Wohnungen. Diese Erwartung sei aber nicht realistisch, meint Junker.

          Schmunk ist der Ansicht, das direkt an die Naxoshalle angrenzende Grundstück an der Wingertstraße eigne sich nicht für hochwertigen Wohnungsbau. Die denkmalgeschützte Halle sollte nach Schmunks Ansicht in Teilen einer neuen, „vernünftigen“ Nutzung zugeführt werden. Er könne sich etwa einen „Indoor-Spielplatz“ für Kinder dort sehr gut vorstellen. Allerdings findet der Plan, die Spielstätte für das Ensemble von Willy Praml zu reservieren, seine Unterstützung: „Das ist eine Bereicherung für das Quartier.“ Die von ihm vertretenen Genossenschaften wollten in den Stadtteil hineinwirken. So sei geplant, Hausaufgabenhilfe und betreutes Wohnen anzubieten.

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