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Umgestaltung der Paulskirche : Wiederkehr einer Debatte

Sie gilt als Wiege der Demokratie in Deutschland: die Frankfurter Paulskirche Bild: dpa

Die Rufe nach einer tiefgreifenden Umgestaltung der Paulskirche werden lauter. Das Verständnis für das architektonische Konzept der Nachkriegszeit ist verblasst. Dabei ist es einfach und schlüssig.

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          Fried Lübbecke mochte die neue Paulskirche nicht. Als die „Frankfurter Neue Presse“ im Juni 1948 fragte, ob der Umbau geglückt sei, antwortete der Mann, der als „Altstadtvater“ und exzellenter Kenner der Baugeschichte der Stadt einen legendären Ruf genoss, sarkastisch: „Durch die gläsernen Hoteltüren und die Eingangsgrotte in Kinoarchitektur betrete ich den Untergrundbahnhof der Wandelhalle des Erdgeschosses mit den dilettantisch aus Aluminiumblech gebastelten Treppengeländern und steige die zu schmale Festtreppe zum Kirchenraum empor.“ Den hatte er bei anderer Gelegenheit mit einem Gasometer verglichen.

          Matthias Alexander

          Redakteur im Feuilleton.

          Siebzig Jahre später häufen sich die Stimmen, die in das gleiche Horn stoßen wie einst Lübbecke. Den Anfang machte ein Beitrag in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ im vergangenen Herbst. Autor Benedikt Erenz rechnete darin geradezu gnadenlos mit dem Erscheinungsbild der Paulskirche ab: Wo Lübbecke von Hoteltüren gesprochen hatte, war nun von einem „Klinikportal“ die Rede. Auch das Bild der Kinoarchitektur griff Erenz auf, als er die niedrige Wandelhalle mit der Architektur aus Fritz Langs Nibelungenfilm verglich. Die Architektengemeinschaft um Rudolf Schwarz habe nichts von der politischen Bedeutung der Paulskirche verstanden, es handele sich um „edle Buß- und Reu-Architektur“ von „fahler Frömmigkeit“. Die Decke sei mehr Deckel als Kuppel, an ihr „baumelt als ein Reigen schmaler Strickleitern Neongelamp“.

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