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Frankfurt : Angst am Hauptbahnhof

  • -Aktualisiert am

Zittern im Zentrum: Den Bahnhof halten die meisten Frankfurter für einen gefährlichen Ort. Bild: Junker, Patrick

Aus einer Bürgerbefragung geht hervor, dass sich die Bewohner Frankfurts unsicherer als früher fühlen. Besonders am Hauptbahnhof, aber auch an anderen Orten.

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          Den Hauptbahnhof fürchten die Frankfurter: Mittlerweile nennen ihn 28 Prozent der Bürger, wenn sie nach besonders gefährlichen Orten gefragt werden. Das hat die Bürgerbefragung ergeben, die Stadtrat Jan Schneider (CDU) gestern präsentierte. Im Vergleich zur Einschätzung im Jahr 2014 entspricht dies einem Plus von 15 Prozentpunkten (Siehe Grafik). Der Bahnhof war 1999 von etwa einem Fünftel der Frankfurter für gefährlich gehalten worden. Die Ergebnisse der Befragung zeigten in den Jahren darauf, dass sie sich immer sicherer fühlten. Der Trend wurde 2014 durchbrochen. Dass es sich dabei um keinen Rücksetzer, sondern eine Trendumkehr gehandelt habe, zeigten die neuen Zahlen, konstatiert der Bericht über das Sicherheitsempfinden der Bürger.

          Bild: F.A.Z.

          Zum 24. Mal sind die Bürger für die jährliche Studie „Statistik aktuell“ nach ihrer Zufriedenheit mit der Verwaltung, nach den größten Problemen, die die Mainmetropole nach ihrem Dafürhalten hat, ihrer Bindung an die Stadt und ihrem Sicherheitsempfinden gefragt worden. Insgesamt finden nach den neuesten Ergebnissen 14 Prozent der deutschen Befragten und 19 Prozent der Ausländer, dass Kriminalität eine große Belastung ist. Im Jahr zuvor waren es nur elf Prozent in beiden Gruppen. Damit hat die Kritik an der Kriminalität sich nach Schneiders Worten von allen Themenfeldern am stärksten gesteigert. Viele fühlten sich nicht mehr sicher – und würden daher Kriminalität als größeres Problem wahrnehmen.

          In S- und U-Bahn-Stationen ist das Sicherheitsgefühl gestiegen

          Schneider hob hervor, dass die Einschätzung der Frankfurter nicht unbedingt mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Gerade am Hauptbahnhof habe sich viel getan. „Die Befragung fand im Dezember 2016 statt. Inzwischen zeigt die Polizei viel mehr Präsenz am Bahnhof, und eine spezielle Einsatzgruppe ist dort unterwegs.“ Im ersten Quartal 2017 sei die Fallzahl der Delikte im Feld „allgemeine Kriminalität“ um 40 Prozent gesunken, sagte Schneider. Das Bild, das sich die Bürger vom Bahnhof machten, sei objektiv also nicht vollkommen zu bestätigen. Der Stadtrat glaubt, dass die intensive Berichterstattung und öffentliche Diskussion der Probleme rund um den Bahnhof das Empfinden der Bürger beeinflusse. Außerdem fange die Umfrage eher die Stimmung der Bürger in ihren Wohngebieten ein, und nicht die der Einpendler, die den Bahnhof täglich sähen.

          Von denen habe er schon positive Rückmeldung erhalten, gerade was die Sauberkeit des Bahnhofs angehe. Doch auch an anderen Orten fühlen sich viele Frankfurter nicht wohl. Insgesamt empfindet knapp die Hälfte die Innenstadt abends als nicht sicher. Als besonders unsichere Orte werden weiterhin die Bahnhofsgegend (19 Prozent), die Konstablerwache (6 Prozent) und die Stationen des öffentlichen Nahverkehrs (7 Prozent) genannt. Das sind jeweils mehr Nennungen als im Vorjahr. Im Langzeitvergleich fühlen sich die Bürger in den S- und U-Bahn-Stationen jedoch sicherer: 1999 gaben noch 15 Prozent der Befragten die Stationen als „Unsicherheitsräume“ an. Die Innenstadt empfinden dagegen ebenso wenig Befragte wie im Vorjahr als unsicheren Ort.

          „Das Ausmaß der Kritik war überraschend“

          Die Angst, Opfer eines Verbrechens zu werden, ist bei den Bürgern gestiegen. Erstmals seit zehn Jahren gaben weniger als die Hälfte der Befragten an, „selten oder nie“ Angst vor Verbrechen zu haben. Gerade sehr junge Menschen fürchten sich „sehr oft“ vor Kriminalität: Gut ein Viertel der Bürger, die zwischen 18 und 24 Jahren alt sind, geben diese Antwort. Alles in allem ist je ein Drittel der Bürger zufrieden und je eines nicht zufrieden mit der öffentlichen Sicherheit, wie aus der Befragung hervorgeht. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt der Anteil der Zufriedenen um zwei Prozentpunkte, der Anteil der Unzufriedenen steigt um drei Punkte. Auffällig ist, dass 51 Prozent der Frankfurterinnen sich in der Stadt abends nicht sicher fühlen. Bei den Männern sind es nur 38 Prozent. Die Unsicherheit zieht sich durch alle Altersklassen. Relativ betrachtet, fühlen sich die 25- bis 35-Jährigen am sichersten, besonders unsicher fühlen sich dagegen die 18- bis 24-Jährigen und Senioren über 60 Jahren.

          Auch in ihrer Wohngegend fühlen sich mittlerweile knapp ein Drittel der Frankfurter nicht sicher, wenn es Abend wird. Fragt man nur die Frauen, so sind es 41 Prozent, die sich unsicher fühlen. Das entspricht einem Anstieg von vier Prozentpunkten im Vergleich zu 2014. Bei denen, die sich auch abends in ihrem Wohngebiet sicher fühlen, ist der Anteil dagegen um drei Prozentpunkte gesunken, bei den Frauen sind es vier Punkte weniger. Insgesamt fällt das Zeugnis für die Stadt in diesem Sommer schlechter aus als in den vergangenen Jahren, nicht nur beim Thema Sicherheit. So nennt mittlerweile die Hälfte der Bürger den Wohnungsmarkt als größtes Problem für Frankfurt. Auch mit der Sauberkeit und der Arbeit der Stadtverwaltung sind die Bürger weniger zufrieden als in den Jahren davor. Dass die Bürger die Stadt stärker kritisieren, hat Schneider verwundert, wie er sagt. „Die Problemfelder sind nicht neu, aber das Ausmaß der Kritik war überraschend.“

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