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Ultrafeinstaub : Forschen und Vorreiter sein

Landeanflüge auf dem Frankfurter Flughafen tragen zur städtischen Umweltbelastung mit Ultrafeinstaub bei. Bild: dpa

Problem Ultrafeinstaub: Das Land hat allen Grund, der Wirkung dieser quasi gasförmigen Teilchen nachzugehen. Umso besser, wenn die Entwicklung von synthetisch erzeugtem Kerosin in der Rhein-Main-Region angesiedelt wird.

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          Eine Erkenntnis der Expertenanhörung über Ultrafeinstaub-Emissionen am Frankfurter Flughafen ist, dass man längst noch nicht genug weiß, um daraus verbindliche Grenzwerte zu entwickeln. Es ist gut, wenn Hessen mit seinem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie eine Vorreiterrolle übernimmt.

          Die ersten Schlussfolgerungen der Wissenschaftler der Wiesbadener Behörde aus ihren Messungen zeigen allerdings auch, dass das Land als einer der bestimmenden Anteilseigner des Frankfurter Flughafens allen Grund hat, der Wirkung dieser sehr kleinen, quasi gasförmigen Teilchen schnell und konsequent nachzugehen. Das gebietet vor allem die Verantwortung gegenüber den Anrainern des Flughafens. Aber auch im Interesse einer zukunftsfähigen Luftverkehrswirtschaft, auf die Frankfurt, Hessen und Deutschland gleichermaßen angewiesen sind, muss alles getan werden, um die Belastungen so gering wie möglich zu halten.

          Es ist deshalb ein guter Vorschlag des hessischen Wirtschaftsministers Tarek Al-Wazir (Die Grünen), die Entwicklung und Erprobung von synthetisch erzeugtem Kerosin in der Rhein-Main-Region anzusiedeln. Auch wesentliche Teile der Luftfahrtbranche haben erkannt, dass Handlungsbedarf besteht.

          Synthetisches Kerosin nicht in ausreichenden Mengen

          Etwa die Lufthansa forscht schon seit Jahren nach Möglichkeiten, die Herstellung von Kerosin von fossilen, nicht erneuerbaren Energieträgern abzukoppeln. Gerade erst hat der Vorstandsvorsitzende Carsten Spohr auf der ersten nationalen Luftfahrtkonferenz in Leipzig wissen lassen, dass er es für möglich halte, den CO2-Ausstoß des Luftverkehrs um zehn Prozent zu senken durch den Einsatz von synthetischem Kerosin – vorausgesetzt allerdings, dass es in ausreichenden Mengen produziert wird. Das ist bisher nicht der Fall, es gibt also noch viel zu tun.

          Umso besser, wenn das in Hessen mit dem Knowhow der hier ansässigen Industrie geschieht. Es ist klar, dass die Luftverkehrswirtschaft in dieser Sache auch aus ganz praktischen Gründen aktiv ist. Fossile Energieträger sind endlich, und sie sind großen Preisschwankungen unterworfen, die Fluggesellschaften durchaus in Turbulenzen bringen können. Die Vorstellung, unmittelbaren Zugang zu veritablen Kapazitäten für die Herstellung synthetischer Treibstoffe zu haben, hat deshalb durchaus seinen Reiz. Zumal sicher ist, dass die Luftfahrt auf absehbare Zeit nicht ohne Treibstoff verbrennende Triebwerke auskommen wird.

          Jochen Remmert

          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

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