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Frankfurter Grüne : Überraschung bei Wahl der neuen Parteispitze

Julia Frank, Konzertmanagerin und Vorsitzende des Stadtelternbeirates, ist gemeinsam mit Daniel Frank zur neuen Sprecherin der Frankfurter Grünen gewählt worden. Bild: Wonge Bergmann

Die Mitglieder der Frankfurter Grünen haben bei der Online-Wahl der neuen Parteispitze für eine Überraschung gesorgt: Anstelle zweier etablierter Vorstandsmitglieder wählten sie zwei Newcomer.

          3 Min.

          Die Frankfurter Grünen sind immer wieder für eine Überraschung gut: Bei der Online-Mitgliederversammlung am Samstag hat sich die Basis bereits im ersten Wahlgang mehrheitlich für Julia und Daniel Frank als neues Sprecher-Duo ihrer Partei entschieden und damit für zwei neue Mitglieder votiert, die bisher keine Parteiämter innehatten. Ihnen unterlagen die beiden etablierten Kandidaten, die Landtagsabgeordnete Miriam Dahlke und der Stadtverordnete Christoph Rosenbaum, beide seit zwei Jahren Beisitzer im Parteivorstand. Im Vorfeld der Versammlung hatten die Bewerbungen von Dahlke und Rosenbaum als aussichtsreicher gegolten, zumindest im Umfeld der Grünen im Römer. Julia und Daniel Frank, die zufällig den gleichen Familiennamen tragen, aber nicht miteinander verwandt sind, folgen in ihrem neuen Amt Bastian Bergerhoff und Beatrix Baumann nach, die beide nicht mehr kandidierten.

          Altes Sprecher-Duo kandidierte nicht

          Mechthild Harting
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bergerhoff und Baumann hatten die neue Koalition im Römer, das Bündnis von Grünen, SPD, FDP und Volt, maßgeblich mitgeschmiedet. Unter ihrer Federführung war der Koalitionsvertrag ausgehandelt worden. Bergerhoff ist designierter Kämmerer der neuen Stadtregierung und hat deshalb nach zehn Jahren den Parteivorsitz aufgegeben; die 65 Jahre alte Baumann will sich künftig ausschließlich ihrem Mandat als Stadtverordnete widmen.

          Ursächlich für die Entscheidung der Grünen-Basis sich für Julia und Daniel Frank als neue Sprecher zu entscheiden, dürfte die große Nähe von Dahlke und Rosenbaum zum Führungszirkel der Grünen im Römer gewesen sein. Auch der parteiinterne Streit um das Personaltableau für die künftigen Grünen-Stadtratsposten dürfte eine Rolle gespielt haben. Parteivorstand und Verhandlungskommission hatten der Mitgliederversammlung Ende Mai zunächst einen Vorschlag zur Abstimmung vorgelegt, wonach die fünf Dezernentenposten mit drei Männern und zwei Frauen besetzt worden wären. Ein solches Verfahren widerspricht dem Frauenstatut der Grünen-Partei.

          Innerparteilicher Zwist

          Darauf legte die Führungsebene der Partei nach und präsentierte am vergangenen Montag ein neues Personaltableau, dieses Mal mit drei Frauen und zwei Männern. Dies sind nun Bergerhoff und der bereits amtierende Stadtrat Stefan Majer, sowie die langjährige Umweltdezernentin Rosemarie Heilig, die frühere ehrenamtliche Integrationsdezernentin Nargess Eskandari-Grünberg und Elke Voitl, bisher Büroleiterin von Stefan Majer. Sie soll neue Sozialdezernentin werden. Allerdings hatte sich auch die Stadtverordnete Natascha Kauder für den Posten beworben, eine Bewerbung die öffentlich wurde. Das schürte weiter den Konflikt zwischen der Basis, die dem Führungszirkel der Grünen intransparentes Handeln vorwarf, und den Etablierten im Römer.

          Auf der Mitgliederversammlung gingen fast alle Bewerber um den Posten der beiden Parteisprecher auf diese Personalrekrutierung ein. „Die Nominierung für die Stadtratsposten dürfen wir nicht mehr so machen“, sagte die 32 Jahre alte Miriam Dahlke. Künftig brauche die Partei dafür „Standards, klare Prozesse“. Und auf die Frage, warum sie als Parteivorstand nicht auf die Einhaltung des Frauenstatus gedrungen habe, antwortete sie, dass sie als Beisitzerin nur noch über das Verhandlungsergebnis informiert worden sei. „Da hat das Ergebnis aber auch schon in der Zeitung gestanden“, sagte sie. Sie sei aber „sehr, sehr froh“, dass jetzt mit der geplanten Besetzung das Frauenstatut eingehalten werde.

          Die 46 Jahre alte Julia Frank, Konzertmanagerin beim Frankfurter Veranstalter Wizard Promotions, ist seit April Stadtverordnete und zudem Vorsitzende des Frankfurter Stadtelternbeirats. Sie sagte bei ihrer Bewerbung, dass sie bei ihrem Beitritt zu den Grünen im Jahr 2018 noch naiv davon ausgegangen sei, dass „die Grünen eins und einig sind“, dass es keine Flügel gebe. Nun wisse sie, dass es anders sei. Sie sehe es als ihre Aufgabe an, die immer größer werdende Basis – die Grünen haben in Frankfurt mittlerweile rund 1700 Mitglieder, 75 sind allein seit der Kanzlerkandidatur von Annalena Baerbock eingetreten – einzubinden und mit „Empathie und Achtsamkeit“ die unterschiedlichsten Positionen anzuhören und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Und mit Blick auf die Konflikte, sagte Julia Frank: Sie wolle „Bindeglied sein, vereinen und alle zusammenbringen“. Die Grünen wollten doch nicht aufzeigen, wo die Gegensätze sind, sondern „was wir an Positionen gemeinsam teilen“.

          Daniel Frank, promovierter Chemiker, ist gemeinsam mit Julia Frank zum neuen Sprecher der Frankfurter Grünen gewählt worden.
          Daniel Frank, promovierter Chemiker, ist gemeinsam mit Julia Frank zum neuen Sprecher der Frankfurter Grünen gewählt worden. : Bild: privat

          Der 37 Jahre alte Daniel Frank, promovierter Chemiker, der im Wassermanagement tätig ist und seit 2019 Mitglied der Grünen, forderte, dass es bei der Besetzung von Stadtratsposten künftig „zeitgemäß“ zugehen müsse: Können und Kenntnisse müssten Voraussetzungen sein, nicht Parteiämter. Seiner Ansicht nach könne man nicht beides sein, Parteivorstand und Mitglied des Stadtparlaments. Gerade jetzt, wo die Grünen wesentlicher Motor der Stadtregierung seien, „braucht es auch nach außen hin eine starke, vom Römer unabhängige Vorstandsspitze, die neue Ideen mit vorantreibt, aber zugleich der Fraktion die notwendige Unterstützung zukommen lässt“.

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