https://www.faz.net/-gzg-9437u

Aktion für Obdachlose : Appell an die Wachsamkeit

Schillernd: Die Außenansicht der neuen Notübernachtungsstätte im Frankfurter Ostpark. Bild: Maria Klenner

Die Stadt stellt die Winteraktion für Obdachlose vor. Trotz zahlreicher Angebote zähle vor allem eines: die Unterstützung der Bürger.

          2 Min.

          Der äußere Eindruck entspricht überhaupt nicht dem Bild, das man sich von einer Obdachlosenunterkunft macht: futuristisch-verspielt mutet das Gebäude am Rand des Ostparks an, die an Fischschuppen erinnernden Kunststoffschindeln, mit denen es verkleidet ist, schimmern je nach Lichteinfall in unterschiedlichen Blautönen. Viel Holz wurde beim Bau verwendet, es gibt verwinkelte Ecken, kleine Höfe, gepflegte Beete und viel Licht.

          Martin Ochmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Kurz: Die neue Notübernachtungsstätte der Stadt im Ostpark macht von außen einen modernen und gepflegten Eindruck. Und offensichtlich bekommen die Betreiber der Unterkunft dies oder Ähnliches von Passanten häufiger zu hören. „So viel Zuspruch sind wir gar nicht gewöhnt“, sagt Christine Heinrichs vom Frankfurter Verein für soziale Heimstätten, dem Träger der Unterkunft. „Wir erleben eine hohe Akzeptanz“, sagt Heinrichs, die sich als Bereichsleiterin um die Hilfen für Menschen in sozialen Notlagen, Existenzsicherung und Migration kümmert.

          Nutzer fühlen sich wohl

          So weit die Reaktionen von Passanten, die durch den Park schlendern. Doch auch die Nutzer der Unterkunft scheinen sich laut Heinrichs wohl zu fühlen. „Die Bewohner kommen mit der neuen Situation sehr gut zurecht“, sagt die Leiterin. Dafür, dass derzeit 130 Menschen in der Unterkunft lebten, die teilweise psychisch schwerst krank seien und aus vielen unterschiedlichen Ländern kämen, sei es „sehr ruhig“. Insgesamt kümmere sich der Verein im Ostpark um 210 Obdachlose, zu den 130 in der neuen Unterkunft kämen die Bewohner der Ostparkstraße 10. Sie sollen umziehen, wenn die letzten beiden Bauabschnitte der neuen Unterkunft fertig sind.

          Seit Juli wird die neue Unterkunft genutzt. Dort stellte Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU) gestern die Winteraktion der Stadt für Obdachlose vor, an der sich auch der Caritasverband und das Diakonische Werk beteiligen. Eine Zusammenarbeit, die Birkenfeld „sehr eng“ nannte. Nur so sei sichergestellt, dass niemand „durchs Netz“ falle. „Wir halten im Winter Notübernachtungsplätze bereit und können jederzeit aufstocken“, sagte sie.

          270 Betten für die Obdachlosen

          Außer den Unterkünften im Ostpark nannte sie weitere Einrichtungen des Frankfurter Vereins an der Rudolfstraße und dem Sozialzentrum Burghof. Hinzu kommt das Diakoniezentrum Weserstraße, der Tagestreff Bärenstraße der Caritas sowie für Frauen das Haus Lilith und das Haus Hannah des Diakonischen Werks. Zu den gut 200 Betten im Ostpark kommen so insgesamt rund 70 weitere Notbetten.

          Die Bewohner der neuen Notunterkunft haben zumeist einen deutschen Pass. Insbesondere für die Osteuropäer, die mit dem Weihnachtsmarkt wieder vermehrt in die Stadt kämen und die rechtlich keinen Anspruch auf Unterbringung durch die Stadt haben, gebe es das Angebot, von 22 bis 6 Uhr in der B-Ebene zu übernachten. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag hätten dort 105 Menschen übernachtet – insgesamt seien 209 Obdachlose auf den Straßen gezählt worden, 165 davon Osteuropäer.

          „Wir können guten Gewissens sagen, dass wir alle Vorbereitungen getroffen haben, um obdachlosen Menschen zu helfen“ – so lautete die Bilanz der Dezernentin. Birkenfeld wies jedoch auch darauf hin, dass die Unterstützung der Bürger sehr wichtig sei. „Wer einen Menschen bei Kälte im Freien übernachten sieht, sollte uns auf jeden Fall informieren“, sagte Birkenfeld. Die erste Anlaufstelle sei der Kältebus des Frankfurter Vereins für soziale Heimstätten.

          Heinrichs berichtete, dass der Kältebus in der Vergangenheit sehr oft nach Hinweisen aus der Bürgerschaft zum Einsatz gekommen sei. „Wenn hier jemand anruft und auf einen Menschen hinweist, der in der Kälte liegt, bekommt der Kältebus einen schriftlichen Auftrag“, sagte Heinrichs. Im vergangenen Winter seien das 850 Aufträge gewesen, der überwiegende Teil dieser Einsätze sei auf Hinweise aus der Bevölkerung zurückzuführen gewesen. „Die Bürger sehen etwas und handeln. Das gibt uns das gute Gefühl, dass wir nicht allein sind“, sagte Heinrichs.

          Das Kältebus-Team ist unter der Telefonnummer 43 14 14, die städtische Hotline rund um die Uhr unter 21 27 00 70 erreichbar. Zudem kann man die 1 12 anrufen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Zögern in Wolfsburg: VW dürfte doch kein neues Werk in der Türkei bauen.

          F.A.Z. exklusiv : Bulgarien lockt VW mit mehr Geld

          Wegen der türkischen Offensive in Syrien legt VW Pläne für ein Werk nahe der Metropole Izmir auf Eis. Nun hofft Sofia, doch noch das Rennen um die begehrte Milliardeninvestition zu machen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.