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Bote schwer verletzt : Überfall auf Frankfurter Ikea war professionelle Tat

Ein Fahrzeug der Spurensicherung steht am Samstag vor dem Seiteneingang des Frankfurter Ikea. Bild: dpa

Nach dem Überfall auf die Frankfurter Ikea-Filiale sucht die Polizei nach Hinweisen auf die weiterhin flüchtigen Täter. Deutlich wird allerdings: Es gab schon ähnliche Fälle anderswo.

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          Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter an der Frankfurter Ikea-Filiale führt die Spur möglicherweise zu einer international operierenden Bande, die zuletzt in ganz Deutschland mit ähnlichen Taten aufgefallen ist. Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, deutet die Tat, die sich am Samstagvormittag im Stadtteil Nieder-Eschbach ereignete, auf „einen hohen Planungsgrad hin, den man in dieser Form nur aus der professionell agierenden Bandenkriminalität kennt“.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Inzwischen steht fest, dass es sich bei dem Auto, das vollständig ausgebrannt kurz nach dem Überfall am Prozessionsweg im Stadtteil Riedberg gefunden wurde, um den Fluchtwagen handelt. Das teilte ein Polizeisprecher gestern mit. Der silberfarbene Audi A8 war zuvor außerhalb Frankfurts gestohlen worden. Auch die Nummernschilder sind entwendet worden, in einer anderen Stadt.

          Viel mehr als nur zwei Schüsse abgegeben

          Unklar ist nach wie vor, wie viele Täter an dem Raubüberfall beteiligt waren. Die Tat ereignete sich am Samstag gegen 11.30 Uhr an einem Seiteneingang des Möbelhauses, als der Mitarbeiter eines Geldtransportunternehmens gerade eine Kassette mit Bargeld abgeholt hatte. Nach derzeitigen Erkenntnissen wurde er beim Verlassen des Gebäudes angegriffen, es kam zu einer Rangelei, bei der es dem Täter gelang, das Geld an sich zu nehmen. Der Bote schoss daraufhin auf ihn, der Täter schoss jedoch ebenfalls und traf den Boten mindestens mit einer Kugel. Schwer verletzt blieb der Bote am Tatort liegen. Wie die Spurensicherung später ergab, wurden bei dem Schusswechsel weit mehr als nur diese zwei Schüsse abgegeben. Obwohl das Einrichtungshaus zu diesem Zeitpunkt gut besucht war, bekamen viele Besucher nichts von dem Überfall mit. Der Betrieb wurde aufrechterhalten. Das berichteten später auch die Kunden selbst. Am frühen Abend liefen die Geschäfte längst wieder wie üblich.

          Die Polizei sperrte nach der Tat das Areal weiträumig ab und leitete eine Fahndung ein, bei der auch ein Hubschrauber eingesetzt wurde. Von dem Täter fehlte jedoch jede Spur.

          Aus Ermittlerkreisen war zu hören, man nehme an, dass es Helfer gegeben habe, die den Schützen bei der Flucht unterstützt hätten. Möglicherweise hätten sie zuvor auch dabei geholfen, die Vorgänge beim Abholen der Geldkassetten auszuspähen – sofern sie nicht ohnehin über „Insiderwissen“ verfügten.

          Geprüft werden nun unter anderem Verbindungen zu Taten, die sich im Ablauf stark ähneln. So wurde im März dieses Jahres ein Geldtransporter am Flughafen Köln/Bonn überfallen. Bei der Tat war ein Wachmann angeschossen und schwer verletzt worden. Auch in diesem Fall wurde wenig später der in Brand gesteckte Fluchtwagen in der Nähe des Tatortes gefunden. Im Auto lag eine Kalaschnikow. Der Geldtransporter gehörte zu demselben Unternehmen, das im März 2018 in Köln-Godorf an einer Ikea-Filiale überfallen worden war. Dieser Fall wiederum ähnelt in fast jedem Detail dem Frankfurter Überfall. Nicht nur, dass das Auto später angezündet wurde. Es war von den Tätern ebenfalls gestohlen worden, in diesem Fall in Amsterdam. Auch waren die Kennzeichen entwendet worden. Einer der Täter trug die gleiche Sicherheitsweste wie die Mitarbeiter von Ikea, er hatte sich auf diese Weise auf dem Areal des Einrichtungshauses aufgehalten, ohne weiter aufzufallen. Die Polizei hatte schon damals vermutet, dass es sich um eine international agierende Bande handelt.

          Zweiter Überfall auf Frankfurter Ikea-Haus

          Im September 2018 wurde nach dem gleichen Schema ein Transporter auf einem Supermarkt-Parkplatz in Limburg überfallen. Das Fluchtauto war wiederum gestohlen und in Brand gesteckt worden. Vor einem Monat schließlich hatte es einen Überfall auf eine Ikea-Filiale in Bielefeld gegeben, dieser Fall trug sich allerdings etwas anders zu. Die Täter, die orangerote Sicherheitswesten trugen, waren nach derzeitigen Erkenntnissen in Büroräume eingedrungen und hatten dort Mitarbeiter bedroht.

          Es war der zweite Überfall auf das Frankfurter Ikea-Haus. Beim ersten Mal im Jahr 2009 hatten die Täter gegen 9.30 Uhr die Filiale aufgesucht. Die Beute betrug 80.000 Euro. Wie viel Geld am Samstag gestohlen worden war, darüber gibt es noch keine konkreten Angaben. Dem Vernehmen nach soll es sich aber um weit mehr als nur die morgendlichen Einnahmen gehandelt haben. Die Polizei sucht weiterhin Zeugen. Bei dem Täter soll es sich um einen etwa 1,80 Meter großen und kräftigen Mann handeln, der mit einem weißen Kapuzenpullover und einer schwarzen Trainingshose bekleidet war.

          Hinweise nimmt die Kriminalpolizei unter den Telefonnummern 069/7555-1299 und -3110 entgegen.

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