https://www.faz.net/-gzg-pxcv

Trickfilm : Dragons kleine Welt

  • Aktualisiert am

Irgendwann muß Produzent Jan Bonath selbst lachen. Spätestens, als er erzählt, wie der kleine blaue Drache seine Geheimparty so geheimhält, daß er sogar vergißt, die Gäste einzuladen. "Aber am Ende kommen ...

          4 Min.

          Irgendwann muß Produzent Jan Bonath selbst lachen. Spätestens, als er erzählt, wie der kleine blaue Drache seine Geheimparty so geheimhält, daß er sogar vergißt, die Gäste einzuladen. "Aber am Ende kommen sie natürlich doch alle", sagt Bonath - ein Happy End sei schließlich Pflicht in einem Kinderfilm. "Dragon" heißt er, der neue Shooting-Star am Himmel der Knet-Animation: Produziert hat die Kinderserie das Trickfilmstudio Clayart der Frankfurter Scopas Medien AG, zusammen mit einem kanadischen und einem koreanischen Studio und in Kooperation mit dem ZDF. Im Kinderkanal lief sie schon, vom Spätsommer an wird sie im ZDF ausgestrahlt.

          Knubbelig und rundlich, kein feuerspeiendes Ungeheuer, sondern eher eine Kreuzung aus Saurier und Nilpferd, stapft Dragon durch seine kleine Welt. Thema der 26 Episoden sind alltägliche Erlebnisse, die Dragon mit seinen Freunden Postmaus, Krokodil, Frau Strauß und Biber teilt. Die Serie basiert auf den Beststeller-Kinderbüchern "The Dragon Tales" des Autors Dav Pilkey, der in Nordamerika Kultstatus genießt. "Und wir hatten richtig Glück, daß er uns daraus die Serie hat machen lassen", erzählt Bonath. "Denn seine Philosophie ist eigentlich, daß die Kinder lesen sollen. Aber unser Style hat ihm einfach gefallen, weil er nicht so nullachtfünfzehn ist wie oft die Sachen von Disney und Co."

          "Der Style" - das heißt zunächst einmal: "Dragon" ist eine klassische Knet-Animation. Die etwa 30 Zentimeter großen Figuren sind aus Silikon oder ähnlichem Material hergestellt, innendrin befindet sich ein Metallskelett mit Gelenken. So lassen sich Frau Strauß' lange Beine, der Unterkiefer des Krokodils und sogar einzelne Finger präzise biegen und in Position bringen. Aufgenommen ist die Serie im Stop-Motion-Verfahren: Für eine Sekunde Trickfilm sind 25 Bilder notwendig, zwischen den Einzelfotografien werden die Figuren ("Characters") von den Animatoren nur minimal verändert - so daß am Ende, wenn die Aufnahmen am Computer zusammengeschnitten werden, die Illusion von flüssigen Bewegungen entsteht.

          "Der Trend beim Trickfilm geht eindeutig in Richtung 3D", sagt Bonath. "Aber wir finden, daß Knet-Animation einen unschlagbaren Charme hat" - wie man am Erfolg von Filmen wie "Wallace & Gromit" oder "Chicken Run" sehen könne. Dabei habe das Clayart-Studio bei "Dragon" zudem eine ganz eigene Philosophie verwirklicht: "Der Stil der Serie ist, daß es durch und durch handgemacht aussieht." Gerade Kanten seien unerwünscht, es soll geschnitzt wirken, das Material sichtbar sein - im Gegensatz zu den glatten, computerproduzierten 3D-Animationen, aber auch zu den akkurater ausstaffierten "Wallace & Gromit"-Filmen. "Damit wollen wir den Kindern vermitteln: Es muß nicht alles Hochglanz sein", sagt Bonath.

          Und tatsächlich findet sich in den Studios in der Daimlerstraße am Osthafenvon Hochglanz keine Spur. Schlicht präsentieren sich die Arbeitstische, auf denen die Sets mit Figuren und Einrichtungsgegenständen aufgebaut sind. Wie Puppenstuben sehen sie aus, Dragons Wohnzimmer und Bibers Werkstatt. An den Möbeln ist der grobe Farbanstrich zu sehen, und Dragon fallen bei jeder Berührung die nur lose angeklebten Augenbrauen herunter. Sieben Animatoren an verschiedenen Sets waren hier gleichzeitig am Werk, jeder von ihnen hat täglich bis zu 15 Sekunden Filmmaterial hergestellt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ausschreitungen in Amerika : Die Polizei wird der Lage nicht Herr

          In Atlanta verletzt ein Wurfgeschoss einen Polizisten. In New York fährt ein Polizei-SUV in eine Menschenmenge. In Richmond wird ein Brand gelegt. Präsident Trump setzt auf die Armee, um „Amerika wieder großartig zu machen“.

          FC Liverpool : Ein eindringlicher Appell von Klopp

          Die britische Regierung erlaubt den Neustart der Premier League. Das freut vor allem den FC Liverpool. Bevor es aber losgeht, möchte Trainer Jürgen Klopp noch eine wichtige Botschaft an die Fans loswerden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.