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Dimitri Hegemann im Gespräch : Nachtkultur und ihr Einfluss auf die Stadtentwicklung

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Der Berliner Techno-Club Tresor an seinem alten Standort an der Leipziger Straße. Bild: privat

Dimitri Hegemann ist der Gründer des legendären Berliner Techno-Clubs Tresor. Heute ist er ein Botschafter der Clubkultur, die er als wichtigen soziokulturellen und wirtschaftlichen Faktor bei der Stadtentwicklung sieht.

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          Im Jahr 1991 eröffnete Dietmar Maria „Dimitri“ Hegemann mit einer Gruppe von Freunden in Berlin den Club Tresor. Aus einem halblegalen Provisorium wurde innerhalb kurzer Zeit einer der bekanntesten und einflussreichsten Techno-Clubs der Welt. Aus seiner ersten Stätte, dem Tresorraum des ehemaligen Kaufhauses Wertheim an der Leipziger Straße, musste der Club 2005 weichen, um zwei Jahre darauf in einem stillgelegten Teil des Heizkraftwerks Mitte neu zu eröffnen. Inzwischen führt ein junges Team den Tresor, während Hegemann als „Raumforscher“ durch die Welt reist und bei Politik und Wirtschaft für Clubkultur als soziokulturellen und wirtschaftlichen Standortfaktor wirbt. Am 24. November stellt er seine Initiative „Clubs für Deutschland“ in Frankfurt vor.

          Herr Hegemann, Menschen, die sich für elektronische Musik interessieren, kennen Sie als Gründer und Kurator des Festivals BERLIN ATONAL, vor allem aber als Betreiber des Clubs Tresor, der in diesem Jahr coronabedingt verspätet mit einem großen Festival seinen 31. Geburtstag feiern konnte. Kann man mit Clubkultur in Würde altern?

          Zunächst einmal bin ich froh, dass wir noch leben. Nein, im Ernst: Die so genannte Techno-Revolution ist jetzt mehr als 30 Jahre alt. Damals war das nicht nur musikalisch etwas völlig Neues, sondern auch das, was sich in Sachen Performance, Ästhetik und Clubkultur im Laufe der Jahre darum herum entwickelt hat. Techno ist zu einem weltumspannenden Phänomen geworden, und noch heute ist diese Kultur lebendig und bringt permanent neue Inhalte, Künstlerinnen und Künstler hervor. Als wir Anfang der 1990er anfingen, konnte ich nicht ahnen, wie lange der Tresor mich begleiten würde.

          Wir waren natürlich stolz und glücklich über das große Tresor-Jubiläum. Nach über zwei Jahren Corona und diversen Lockdowns war das Bedürfnis riesig, endlich wieder feiern zu können. Mit der begleitenden Ausstellung „Techno, Berlin und die große Freiheit“ konnten wir im Kraftwerk Berlin einen Überblick über die Geschichte des Clubs präsentieren, über den Anfang, über das damals radikal Neue und Andere, die großen Momente, die Krisen und das, was das Besondere und Einzigartige des Clubs und der Szene ausmacht. Das übergreifende Thema war dabei auch die Entstehung einer Nachtkultur und ihr positiver Einfluss auf die Stadtentwicklung. Besonders bemerkenswert finde ich, dass Techno wie in den Anfangszeiten auch heute noch eine friedliche Bewegung von jungen und junggebliebenen Menschen darstellt und darin alle vereint. Das ist der Spirit. Und den leben wir auch heute noch.

          Damals sind wir unter abenteuerlichen Bedingungen gestartet. Die Zeiten haben sich verändert, und der Club mit ihnen. Heute sind Themen wie Awareness, Nachhaltigkeit, Diversität und ökologische Aspekte wichtig. Moderne Clubs in Berlin und anderswo müssen neben gutem Booking, hochwertiger Soundanlage und einer angenehmen Akustik auch diese Aspekte auf dem Schirm haben und umsetzen, und selbstverständlich hat sich auch der Tresor dieser Themen angenommen. Aber was das Wesentliche angeht, sind wir uns immer treu geblieben. Die Liebe und Leidenschaft für die Musik, aber auch die Förderung neuer Talente und das Festhalten an den alten, verdienten Weggefährten. Das bleiben die Wertvorstellungen, die ich schon in meiner frühen Jugend als Hippie erfahren konnte. Viele Gedanken von damals haben nachhaltig positive Entwicklungen wie Umweltschutz, Pazifismus und gemeinschaftliches Leben beeinflusst. Auch mein Leben wurde von diesen Ideen geprägt. Und als dann die Love Parade durch Berlin zog sagte ich zu mir: Deja Vu!

          Ist das ist vielleicht der Hauptgrund, warum es den Club heute noch gibt – Anpassung an den Zeitgeist, aber unter Besinnung auf die „alten Werte“?

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