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Trauerwald in Oberrad : Warum Menschen die ewige Ruhe unter Bäumen wählen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Im Bestattungswald im Frankfurter Stadtteil Oberrad lassen sich immer mehr Menschen unter Bäumen beisetzen. Warum entscheiden sie sich für die Baumbestattung? Und wie funktioniert solch ein Trauerwald?

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          Die Friedhofspflicht gilt zwar unverändert, aber die deutsche Friedhofskultur verändert sich. „Der Einfluss des gesellschaftlichen Wandels macht auch nicht vor dem Lebensende Halt“, sagt Britta Bauer. Sie hat für ihre Promotion untersucht, warum sich Menschen für Baumbestattungen entscheiden. Was Soziologen als Mobilisierung und Nomadisierung bezeichnen, sorgt dafür, dass immer weniger Großfamilien an einem Ort wohnen und ihre Angehörigen auch dort beerdigt werden. Dass dann niemand die Grabpflege leisten kann, führt zunehmend zur Wahl eines pflegefreien Grabkonzepts.

          Pflegearme Gräber gehen meist mit der Einäscherung einher. Auch deshalb liegen deutschlandweit die Urnenbestattungen mit fast 70 Prozent an allen Beisetzungen vorne. Wer sich für die Urne entscheidet, hat mittlerweile viele Möglichkeiten: Seebestattungen, Kolumbarien, Schmetterlingsgärten – oder eben die Baumbestattung. Neben der Naturverbundenheit der Verstorbenen gibt es noch weitere Gründe für diese Form der Beisetzung.

          „Viele kaufen diesen Baum vorsorglich“

          „Wichtig ist der Vorsorgegedanke“, weiß Britta Bauer aus den Interviews, die sie mit Menschen geführt hat, die sich bereits entschieden haben. „Viele kaufen diesen Baum schon vorsorglich. Dass dadurch der letzte Wunsch des Verstorbenen klar ist, empfinden viele Betroffene und Angehörige als große Entlastung.“

          „Ein weiterer Punkt ist der Lebensstil und die Lebensgestaltung“, sagt Bauer. „Viele der Befragten führten ein selbstbestimmtes und individuelles Leben und wünschen sich, das auch auf die letzte Reise zu übertragen.“ Das ist zum Beispiel möglich, indem Interessierte sich bei der Baumbestattung bereits zu Lebzeiten den eigenen Grabbaum aussuchen.

          Ruhepol: Ein Platz für eine Urne an einem Baum
          Ruhepol: Ein Platz für eine Urne an einem Baum : Bild: F.A.Z.

          Die Abkehr von Großfamilien und die vermehrte Mobilität bedeuten auch: „Wir haben zunehmend neue Formen der sozialen Bindungen“, erläutert Bauer. „Viele Menschen haben die direkte Herkunftsfamilie nicht mehr um sich. Ich habe einen Stammtisch und einen Motorradclub erlebt, die gesagt haben, sie hatten so schöne Zeiten miteinander und wollen auch im Tod miteinander vereint sein, und haben sich gemeinsam einen Grabbaum gekauft. So wollen sie das Gemeinschaftsgefühl über den Tod hinaus erhalten.“ Auch das ist ein Grund, den Betroffene als Entscheidungsgrundlage für die Baumbestattung nannten.

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