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Erasmus-Schule Frankfurt : „So etwas machen Sie nicht leichtfertig“

Verschlingt viel Geld: der ehemalige Hochschulbau an der Sonnemannstraße Bild: Patrick Junker

Der frühere Sitz der School of Finance and Management wird für die Erasmusschule zu teuer. Schulträger ist der Arbeiter-Samariter-Bund. Finanzprobleme bestreitet er.

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          Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hessen rechnet trotz hoher Ausgaben für die „Erasmus Frankfurter Stadtschule“ im Ostend mit einer schwarzen Null in der Bilanz des vergangenen Jahres. „Für 2019 gehe ich zu hundert Prozent davon aus“, sagt ASB-Landesgeschäftsführer Matz Mattern. Als Träger der reformpädagogisch orientierten, dreisprachigen Schule hatte der Wohlfahrtsverband wie berichtet vergangene Woche angekündigt, das erst 2016 erworbene Gebäude an der Sonnemannstraße wieder zu verkaufen. Die Grundschule und das Gymnasium der Privatschule sind dort seit 2017 untergebracht.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Hessische Rundfunk hatte unter Berufung auf ein internes Schreiben berichtet, dass der ASB wegen der Immobilie in Geldnöten stecke. Allein 2019 seien demnach 900.000 Euro Verlust entstanden, das Konto des Verbands schmelze monatlich durch Zinsen und Tilgungsraten um 129.000 Euro. Das stehe in einem Schreiben des Controllings an den Vorstand des ASB. Mattern sagte dieser Zeitung, Fragen zu Details und einzelnen Kostenstellen kommentiere der Verband nicht.

          „So etwas machen Sie nicht leichtfertig“

          „Die Zahlen mögen dem internen Dokument so zu entnehmen gewesen sein. Trotzdem stimmt die Information so nicht.“ Der Schluss, dass sich der Arbeiter-Samariter-Bund in einer finanziellen Schieflage befinde, entspreche „nicht dem Gesamtergebnis des Landesverbandes“. Dieser sei schließlich relativ groß und habe viele Kostenstellen, nicht bloß die der Erasmusschulen. Zum ASB gehören ein Rettungsdienst und Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe, Kindertagesstätten und Schulen.

          Für die Liegenschaft im Ostend sei der Verband nach eingehender Prüfung im zweiten Halbjahr 2019 zum Schluss gekommen, dass ein Verkauf unumgänglich sei, sagt Mattern, der selbst erst seit 2019 dort als Geschäftsführer tätig ist. „So etwas machen Sie nicht leichtfertig.“ Er begründet den Schritt mit nötigen Investitionen in das Gebäude. Diese „gehen in eine Höhe, die wir nicht mehr bewältigen können“. Dabei handele es sich vor allem um technische Umbauten rund um Brandschutz, Klimaanlage und Lüftung. Diese Kosten seien beim Kauf nicht abzusehen gewesen. Der ASB soll dafür 27 Millionen Euro gezahlt haben. Damals galt das ehemalige Gebäude der Frankfurt School of Finance and Management als gut geeignet. Es gab schon eine Mensa, und die Seminarräume ließen sich ohne großen Aufwand in Klassenzimmer verwandeln.

          Eine engere Auswahl schon im Auge

          Jetzt fasst Mattern einen Umzug für die Sommerferien 2022 ins Auge; spätestens 2023 soll er vollzogen sein. Eine engere Auswahl von Gebäuden habe man schon im Auge, allesamt im Stadtgebiet: „Wir gehen nicht nach Friedberg.“

          Beim geplanten Verkauf arbeitet der Verband nach eigenen Angaben mit einem Profi zusammen. Über die Pläne habe der ASB zunächst am Montag vergangener Woche mit dem Bauamt gesprochen. Nachdem das Vorhaben zwischenzeitlich schon öffentlich bekanntgeworden war, informierte der Verband dann am Donnerstag auch die Eltern der Schüler. Am gestrigen Mittwochabend sollte außerdem eine Telefonkonferenz mit dem Elternbeirat stattfinden.

          Der ASB war vor einigen Jahren ein Hoffnungsträger für die Erasmusschule. Sie war aus der 1985 gegründeten basisdemokratischen Lehrerkooperative entstanden, die allerdings 2011 wegen erheblicher Finanzquerelen scheiterte. Eine Buchhalterin hatte ihre Spielsucht über ein Konto des damaligen Schulträgers finanziert und offenbar mehr als eine Million Euro unterschlagen. Der ASB übernahm die Ganztags-Grundschule. Seit vier Jahren baut der Wohlfahrtsverband zudem das Gymnasium auf. An beiden Privatschulen wird nicht nur auf Deutsch, sondern auch von Muttersprachlern auf Englisch und Spanisch unterrichtet.

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