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Toilettenmangel in Frankfurt : Ein Örtchen mit „Pilotcharakter“

Eingang des chinesichen Gartens im Bethmannpark Bild: Laila Sieber

Nach zwei Jahren können die Besucher des Bethmannparks wieder auf eine richtige Toilette gehen. Sie soll nicht die einzige bleiben, denn in Frankfurt herrscht offenbar Klomangel.

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          Nach jahrelangen Übergangslösungen hat der Bethmannpark im Frankfurter Nordend ein neues Toilettenhaus erhalten – das zum Vorbild für weitere öffentliche WCs in der ganzen Stadt werden könnte. Es sei gut, dass den Parkbesuchern wieder eine saubere und ansprechende Toilette zur Verfügung stehe, sagte Stadträtin Sylvia Weber (SPD) bei der Eröffnung. Die neue Anlage habe zudem „Pilotcharakter“ für das neue kommunale Toilettenkonzept, Dieses solle bald beschlossen werden, um den Ausbau öffentlicher Sanitäranlagen voranzutreiben. Wenn sich das Toilettenhaus bewähre, könnten bald weitere Anlagen im Stadtgebiet aufgestellt werden, kündigte Weber an.

          Sara Wagener
          Volontärin

          Gastronomen, Händler und der Gästeführerverein haben wiederholt beklagt, dass im Zentrum öffentliche Toilettenanlagen für die Besucher der Stadt fehlten. „Der Bau neuer und die Wiederherstellung stillgelegter Toilettenanlagen ist notwendig“, hatte deshalb unter anderem die Industrie- und Handelskammer Frankfurt gefordert.

          Täglich dreimal gereinigt

          Öffentliche Parks seien die „Gärten der Frankfurter“, sie verbrächten dort immer mehr Zeit, hieß es von der Stadt. Vor allem würden sich die Bürger mehr Spielplätze, Bänke und Toiletten wünschen. Die Einrichtung im Bethmannpark sei daher ein gutes Zeichen. Auch die Vorsteherin des zuständigen Ortsbeirats, Karin Guder, hält das Toilettenhaus für eine „angemessene Anlage“ für den „Vorzeigepark“. Es sei ein „großer Gewinn“ für die Parkbesucher.

          Das neue Toilettenhaus im Bethmannpark hat zwei separate Unisex-Kabinen, von denen eine rollstuhlgerecht und mit Wickeltisch ausgestattet ist, und wird laut dem Betreiber, der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), dreimal täglich gereinigt. Die kleinere Kabine kann kostenfrei benutzt werden, für die größere muss der Besucher 50 Cent bezahlen. Menschen mit Behinderung können die größere mit einem Euroschlüssel kostenfrei öffnen. Im Inneren bestehen die Kabinen vollständig aus Edelstahl, die Armaturen sind teilweise in die Wände eingelassen. Damit solle das Toilettenhaus robust und leicht zu reinigen sein, teilte der Hersteller Fierz mit. Licht und Lüftung gehen automatisch an, sobald man die Tür öffnet, und die Toilette spült spätestens, wenn man die Kabine verlässt. Von außen fügt sich das Häuschen durch eine Holzverkleidung in die Parkumgebung ein und wurde daher auch vom Denkmalschutz genehmigt.

          Toilette aus dem Holzhausenpark: Das richtige Design fügt sich überall ein.
          Toilette aus dem Holzhausenpark: Das richtige Design fügt sich überall ein. : Bild: Stadt Frankfurt

          Stadt und FES gehen davon aus, dass sich die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten von 200.000 Euro durch schnelle Reinigung, leichte Instandhaltung und lange Lebensdauer von 20 bis 30 Jahren rechnen. Andere Anlagen hielten nur 13 bis 15 Jahre. Hersteller Fierz sagt, es sei simple Technik verbaut, die sich kaum abnutze und leicht zu reparieren sei. Stadt und FES lobten die Funktionalität und Robustheit. Öffentliche Toiletten würden laut Stadträtin Weber dann nicht mehr genutzt, wenn sie kaputt seien. Die Funktionsfähigkeit habe bei der Auswahl daher eine große Rolle gespielt.

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