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Sicherheit auf der Autobahn : Es ist der Wahnsinn

  • -Aktualisiert am

Zu viel Verkehr: Auf der A3 staut es sich oft kilometerlang. Auch LKWs spielen dabei eine entscheidende Rolle. Bild: dpa

In den vergangenen Tagen hat es mehrere tödliche Unfälle mit Lastwagen gegeben. Nun stellt sich die Frage nach Sicherheitsmaßnahmen auf Autobahnen. Die Antwort kann nur lauten: „Mehr Regeln!“

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          Das noch von Ministerpräsident Roland Koch ausgerufene Projekt namens „Staufreies Hessen“ ist erst umbenannt und dann klammheimlich beerdigt worden. Inzwischen erschiene es auch wie ein Treppenwitz einer Geschichte voller Irrtümer und Fehlprognosen. Die Wirklichkeit hat die Träume von einem smarten Baustellenmanagement und einer digitalen Vernetzung der Verkehrsteilnehmer, die alles und alle miteinander in einen ruhigen Fluss verzaubert, in Luft aufgehen lassen.

          Die Serie schwerer Unfälle in den vergangenen Tagen in Hessen mag statistisch ein Ausreißer sein, sie ist allemal ein Symptom für den Wahnsinn Autobahn. Gefühlt hat sich das Aufkommen der Lastwagen in den vergangenen beiden Jahren verdoppelt. Gerade auf Transitstrecken wie der A3 und der A5 fährt man an kilometerlangen Kolonnen vorbei. Sie resultieren, darüber herrscht Einigkeit, aus den Just-in-time-Konzepten vieler Unternehmen. Was in der Praxis bedeutet, dass Lagerhallen eingespart werden, weil sie ja auf den Autobahnen rollen können. Die mangelnde Konkurrenzfähigkeit der Bahn beim Gütertransport tut ihr Übriges.

          Ganz zu schweigen von den endlos langen Baustellen, die nötig wurden, weil in Deutschland jahrzehntelang ausgerechnet an der Instandhaltung der Verkehrswege gespart wurde. Kaum ist ein Streckenabschnitt saniert, muss schon mit dem nächsten begonnen werden, weil die Laster immer mehr und schwerer werden und gefährliche Spurrinnen in den Asphalt drücken. Ein Teufelskreis. Man hat den Eindruck, als ducke sich die Politik, parteiübergreifend, weg, wenn sie gefragt wird, was sie gegen die bedrohliche Entwicklung unternehmen will. Stattdessen zettelt sie Gespensterdebatten über eine Pkw-Maut oder ein Tempolimit an.

          Womöglich wird an Masterplänen mit wolkigen Begriffen wie „Automobilität 2050“ gearbeitet und in Kommissionen zwischen Bund und Ländern abgestimmt. Das wird dauern. Derweil werden die Verhältnisse auf den Straßen immer chaotischer. So bitter das in einer liberalen Gesellschaft klingt: Um zu verhindern, dass sich die Lage noch weiter zuspitzt, muss eigentlich Selbstverständliches wie Höchstgeschwindigkeit und Mindestabstand endlich konsequent und nicht nur an Aktionstagen kontrolliert werden. Ansonsten greift die Mentalität, auf der Autobahn gelte das Recht des Stärkeren, noch weiter um sich.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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