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Ärztinnen freigesprochen : Tod nach Kaiserschnitt ohne rechtliche Folgen

Eine Frau bringt per Kaiserschnitt ein Kind zur Welt (Symbolbild) Bild: dpa

Eine 31 Jahre alte Frau stirbt bei einem Kaiserschnitt. Nun wurden drei Frauenärztinnen von dem Vorwurf freigesprochen, für den Tod verantwortlich zu sein.

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          Als es endlich vorbei ist, sind auf den Gesichtern der Ärztinnen immer noch Trauer und Sorge auszumachen. Die drei sind gerade freigesprochen worden von dem Vorwurf, für den Tod einer jungen Mutter nach einem Kaiserschnitt verantwortlich zu sein. Freigesprochen von der fahrlässigen Tötung durch unterlassene Hilfeleistung, wegen der die Staatsanwaltschaft die Gynäkologinnen des Markuskrankenhauses in Frankfurt angeklagt hatte.

          Anna-Sophia Lang

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Aber, das machen die Verteidiger und später auch der Vorsitzende Richter klar: Das Fehlen ihrer Schuld im juristischen Sinn bedeutet nicht, dass die Ärztinnen ohne ein Gefühl der Verantwortung, ohne ein „Was wäre gewesen, wenn ich ...“ auf die Ereignisse blicken. Im Gegenteil. „Auf der Anklagebank saßen drei verantwortungsbewusste Ärztinnen“, sagt ein Verteidiger und bringt damit auf den Punkt, welche emotionale Belastung die Ereignisse für die Medizinerinnen waren, wenngleich das Strafverfahren gezeigt hat, dass sie keine Fehler gemacht haben.

          Sich verantwortlich zu fühlen

          Es sind Gefühle, die Ärzte und andere aus den medizinischen Berufen kennen. Der Wunsch, alles richtig zu machen, immer für die Patienten da sein zu wollen, sich verantwortlich zu fühlen. Aber gleichzeitig auch menschlich zu sein – wozu Fehler gehören. Oder, wie in diesem Fall, zumindest die Tatsache, nicht immer alles in der Hand haben zu können. Nur dass es in der Medizin oft um Menschenleben geht. Wie an jenem Tag im Juli 2014.

          Gegen 18.30 Uhr abends gebar eine 31 Jahre alte Frau nach einem Kaiserschnitt einen gesunden Sohn. Später im Aufwachraum fiel ihr Blutdruck ab, sie begann stark zu bluten: Die Gebärmutter zog sich nicht richtig zusammen – eine der häufigsten Todesursachen bei Müttern nach Geburten. Nach einer Weile gelang es den Ärztinnen, den Fluss zu stoppen. Die junge Frau, die auf die Intensivstation verlegt wurde, bekam Blut- und Plasma-Spenden, außerdem Gerinnungsmittel.

          Doch sie hatte schon zu viel Blut verloren. Ihr Kreislauf versagte schließlich. Gegen ein Uhr nachts wurde die Anästhesistin, die seit Stunden eingebunden war, an ihr Bett gerufen, weil die junge Mutter kaltschweißig und nicht ansprechbar war. Alle Reanimationsversuche scheiterten.

          „Es war zu spät und zu wenig“

          „Tragisch“ ist eines der Worte, die am Tag der Urteilsverkündung am häufigsten fallen. Denn der Tod der Frau hätte verhindert werden können, wenn ihr Zustand rechtzeitig erkannt und behandelt worden wäre. „Maßnahmen wurden ergriffen“, sagt der Vorsitzende Richter, „aber es war zu spät und zu wenig.“ Verantwortlich dafür, das haben in dem Verfahren zwei Sachverständige unmissverständlich klar gemacht, waren aber nicht die Gynäkologinnen, sondern die Anästhesistin. Diese allein hätte laut Beweisaufnahme den Schockzustand der Patientin erkennen müssen. Der Aufgabenbereich der Gynäkologinnen sei das nicht gewesen.

          Mehr als fünf Jahre hat es gedauert, das Geschehen an jenem Juli-Tag aufzuklären. Eine Zeit, die für die um ihren Ruf fürchtenden Ärztinnen belastend war und in der sich der Vater des Kindes Aufklärung wünschte. Er hat in dem Prozess als Zeuge ausgesagt, ist aber nicht zur Urteilsverkündung gekommen. Die Verhältnisse sind so klar, dass auch die Staatsanwaltschaft einen Freispruch fordert. „Die gynäkologische Abteilung hat alles getan, was sie tun musste“, sagt deren Vertreterin. Sie wird nun wohl das früher eingestellte Verfahren gegen die Anästhesistin überdenken. Möglicherweise wird diese sich bald anstelle der Gynäkologinnen vor Gericht verantworten müssen – die müssten dann als Zeuginnen auftreten.

          „Das Verfahren ist beendet“, sagt der Vorsitzende Richter zum Schluss. „Aber nicht beendet ist, dass diese Situation Sie weiter bewegen wird. Genau wie den Ehemann, die Eltern und das Kind.“

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