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Tod eines Discobesuchers : Einfach zur falschen Zeit am falschen Ort

  • -Aktualisiert am

In der Nacht zum 24. Mai 2015 kam es im Club „Gibson“ zu der folgenschweren Auseinandersetzung. Nun fiel das Urteil. Bild: Henner Rosenkranz

Vor knapp zwei Jahren verlor Andreas D. nach einer brutalen Attacke im Nachtclub „Gibson“ sein Leben. Im Prozess um die tödlichen Schläge soll heute das Urteil fallen.

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          Wenn er bloß nicht so viel getrunken hätte. Immer wieder versucht Patrick K., sich an Einzelheiten der Jubiläumsparty im „Gibson“ zu erinnern. Mit seinem besten Freund, Andreas D., feierte er in der Diskothek in der Nacht zum 24. Mai 2015 ihr Wiedersehen. Ein brutaler Faustschlag beendete in dem Club an der Zeil das Leben von D., aber die Erinnerung daran kehrt nicht zurück. Und deshalb quält Patrick K. seither die Frage: Ist es vielleicht meine Schuld, dass mein bester Freund tot ist? Um den gewaltsamen Tod des 41 Jahre alten Andreas D. geht es seit Dezember 2016 im Prozess vor dem Landgericht. Es ist schon das zweite Mal innerhalb weniger Jahre, dass der Tod eines Disco-Besuchers vor einem Frankfurter Gericht verhandelt wird: Im April 2011 hatten Türsteher des mittlerweile geschlossenen Clubs „U60311“ einen Gast so schwer zusammengeschlagen, dass er an den Folgen gestorben war. Die Haupttäter wurden 2014 wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu Freiheitsstrafen von sieben Jahren und neun Monaten sowie sechs Jahren verurteilt.

          Im aktuellen Fall waren sowohl die drei mutmaßlichen Täter als auch die beiden Opfer Gäste im „Gibson“. Weil die Angeklagten zum Umfeld des angeblichen Boxclubs „Osmanen Frankfurt“ zählen, ging es im Prozess auch um die Frage, ob die Tat im Zusammenhang mit der organisierten Kriminalität steht. Patrick K. sieht allerdings nicht aus wie jemand, der mit organisierter Kriminalität in Berührung kommen könnte. Der Dreiundvierzigjährige ist ein erfolgreicher Geschäftsmann und auffallend höflich. Er trägt graue Wollhosen und gepflegte Lederschuhe. Seit Jahren arbeitet er in Dubai und kehrt selten in seine Heimat zurück. Aber wann immer er in den vergangenen Jahren ins Rhein-Main-Gebiet kam, traf er sich mit Andreas D., die beiden waren seit rund 20 Jahren befreundet und hatten einander in schlechten Zeiten beigestanden. „Andreas war ein Ausnahmemensch“, beschreibt Patrick K. den Toten vor Gericht. Freunde hätten ihn „Sonnenschein“ genannt. „Er war der gutmütigste, freundlichste Mensch, den man sich vorstellen kann.“ Deshalb habe er sich auch nach dem Umzug ins Ausland noch mit ihm getroffen, seine Anwesenheit habe gutgetan.

          „Der zieht Stress an“

          Auch im Mai 2015 war K. auf Heimaturlaub. Er ging mit D. und einem weiteren Freund in ein griechisches Restaurant, früher war das Trio unzertrennlich. Sie redeten über alte Zeiten, lachten viel, tranken. „Andreas wird immer lustig, wenn er was getrunken hat“, sagt K. im Zeugenstand. Spontan beschlossen die Freunde, ins „Gibson“ zu gehen. Dort war die Jubiläumsfeier zum dreijährigen Bestehen des Clubs in vollem Gange, es versprach, eine großartige Nacht zu werden. Im „Gibson“ tranken sie weiter. Im Laufe des Abends konsumierten sie wohl alle ähnliche Mengen Alkohol, aber K. ist ein zierlicher Mann, der selten trinkt und wenig verträgt. So verloren er und D. den dritten Freund im Gedränge aus den Augen. An das, was dann geschah, kann sich K. nicht erinnern. Doch das Geschehen vor der Begegnung mit den Angeklagten lässt sich zumindest teilweise anhand von Zeugenaussagen rekonstruieren.

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