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Varieté Tigerpalast : Die Gäste entscheiden, wie lange noch gespielt wird

Der Speed-Jongleur Claudius Specht ist einer der Artisten in der aktuellen Tigerpalast-Revue. Bild: Frank Röth

Dem renommierten Varieté geht es nicht anders als den übrigen Bühnen: Der Vorverkauf läuft schleppend. Die aktuelle Saison könnte deshalb früher enden, die nächste Spielzeit und die Arbeitsplätze aller Angestellten sollen aber sichert sein.

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          Eine Show vor quasi leerem Haus? Margareta Dillinger, Direktorin des Tigerpalasts, möchte das nicht erleben. „Das ist doch nur deprimierend.“ Aktuell ist das Varietétheater in der Heiligkreuzgasse davon auch weit entfernt, seit es nach der Corona-Pause im September wieder geöffnet hat, liegt die Auslastung der Shows bei 80 Prozent und darüber, ist das Publikum begeistert wie eh und je.

          Inga Janović
          Redakteurin im Regionalteil der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortliche Redakteurin des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Aber von vollem Haus kann nicht die Rede sein: Seit dem coronabedingten Umbau gehen nur 130 statt vorher 180 Gäste in eine Vorstellung. Und es wird nur noch an vier Tagen in der Woche gespielt, weil es sich vor halb vollem Saal nicht lohnt. Damit fehlt trotz guter Auslastung ein Drittel des alten Geschäfts, und der Vorverkauf ist weiter schwierig. Selbst für den Dezember sind noch nicht alle Tickets weg. Das Publikum, dem das Geld wegen der Krisen nicht mehr so locker sitzt, plant nicht gern im Voraus.

          Das Publikum hält das Geld zusammen

          Dillinger und ihre Mitstreiter Johnny Klinke und Robert Mangold aber schon: Am 31. August 2023 wollen sie die nächste Revue eröffnen. Damit das gelingt, haben sie einige unternehmerische Entscheidungen getroffen, die sie am Donnerstag bekannt gaben. Zum einen halten sie vorerst offen, wie lange die aktuelle Spielzeit gehen wird. Dass sie wie geplant bis Ende März dauert, bezweifelt Mangold. „Wir sind sehr, sehr erfolgreich, aber wir werden nicht stärker sein können als die stärkste Wirtschaftskrise.“ Bereits Mitte oder Ende Januar könnte das Licht im Palast wieder ausgehen. „Wir spielen so lange, wie die Gäste kommen“, sagt Dillinger. Die Artisten zögen mit: „Sie lassen sich mit uns darauf ein.“

          Damit eine noch kürzere Saison nicht die Existenzen der Angestellten bedroht, wechseln alle 31, auch das Direktorium, aus der Tigerpalast Varieté GmbH in andere Töchter der Tiger & Palmen Gruppe, die noch das Zweisternerestaurant Lafleur, das Café Siesmayer und das Palmengartengesellschaftshaus betreibt. Dort können die Mitarbeiter aus dem Theater und den dazugehörigen Restaurants den Rest des Jahres arbeiten. „Im August ist das angestammte Team wieder da“, verspricht Klinke. Das sei nur möglich, weil sich der Vermieter der Immobilie in der Heiligkreuzgasse als größter Unterstützer des Tigerpalasts erweise: Er verzichtet vorerst auf Mieteinnahmen. „So einen finden Sie in der ganzen Stadt kein zweites Mal.“

          Stellen sich auf schwere Zeiten ein: die beiden Direktoren des „Tigerpalasts“, Johnny Klinke (links) und Margareta Dillinger sowie Geschäftsführer Robert Mangold.
          Stellen sich auf schwere Zeiten ein: die beiden Direktoren des „Tigerpalasts“, Johnny Klinke (links) und Margareta Dillinger sowie Geschäftsführer Robert Mangold. : Bild: Frank Rumpenhorst

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