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Tigermücke in Frankfurt : Wieder gefährliches Insekt gesichtet

Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Krankheiten übertragen und wurde jetzt zum zweiten Mal in Frankfurt gesichtet. Bild: dpa

Im vergangenen Jahr ist in Frankfurt erstmals die Asiatische Tigermücke entdeckt worden. Es gab Hoffnung, dass die Population den Winter nicht überleben würde. Jetzt ist abermals ein Exemplar aufgetaucht.

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          In einer Regentonne am Sandweg im dicht bebauten Frankfurter Nordend hat ein Anwohner vor wenigen Tagen eine Asiatische Tigermücke entdeckt. Es ist der zweite Fund dieser aus Südostasien stammenden Stechmückenart in Frankfurt. Im August des vergangenen Jahres hatte eine Frankfurterin, die 200 Meter Luftlinie vom jetzigen Fundort entfernt lebt, in ihrem Garten bereits eine Tigermücke entdeckt. Sie kannte diese Stechmückenart aus ihrer italienischen Heimat, wo es schon seit langem staatliche Aufklärungskampagnen gibt, damit verhindert wird, dass die eingewanderte Art große Populationen bildet.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn die Tigermücke kann tropische Krankheiten wie das Denguefieber oder das Zika-Virus übertragen. Theoretisch könnte ein Rückkehrer aus einem tropischen Urlaubsland einen solchen Virus in sich tragen. Und würde er dann von einer Tigermücke gestochen, könnte das Tier zum Überträger in Frankfurt werden. Nach Einschätzung von Aljoscha Kreß ist die Wahrscheinlichkeit so gering, „dass man von keiner nennenswerten Gefährdung der Bevölkerung sprechen kann“.

          Kreß ist Biologe im Fachzentrum Klimawandel und Anpassung des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Im vergangenen Jahr hat er die Experten des Senckenberg Biodiversitäts- und Klima-Forschungszentrums umgehend mit einem Monitoring beauftragt. Damals konnten binnen weniger Tage nach dem ersten Fund einer solchen Mücke zwei männliche Tigermücken im Garten am Sandweg gefangen werden. Das als Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit tätige Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte seinerzeit: Es handelte sich tatsächlich um Tigermücken.

          Tigermücken den Lebensraum entziehen

          Im Frühjahr konnten die Experten von Senckenberg keine Mücken entdecken. „Wir hatten schon die Hoffnung, dass der Winter dafür gesorgt hat, dass die Brut und damit die anfängliche Population nicht überlebt haben“, sagt Kreß. Dass diese Hoffnung trog, war klar, nachdem sich der Frankfurter beim Mückenatlas – einem Projekt des Leibnitz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung und des Friedrich-Loeffler-Instituts – mit einem Foto der Tigermücke gemeldet hatte.

          „Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich bei dem neuen Fund um eine Population, die in Frankfurt überwintert hat“, sagt Kreß. Dabei waren die Fachleute optimistisch, dass es keine weiteren Funde geben würde. Die trockene Hitze des Sommers war nicht gut für Mücken, sie brauchen Wasser. Allerdings reichen den Tieren bereits geringe Wassermengen, etwa in Blumentopfuntersetzern, Blumenkübeln, Gießkannen und Eimern.

          „Wir wollen auf keinen Fall Ängste schüren“, sagt Kreß. Ziel sei es, die Population der Tigermücken in Frankfurt so klein wie möglich zu halten. „Das ist das A und O.“ Bis dahin müsse die Bevölkerung lernen, „Vorkehrungen zu treffen“, damit die Mücke sich nicht ausbreite. Das für Gesundheit zuständige hessische Sozialministerium bitte deshalb die Bürger um Mithilfe. Sie sollen Gärten oder Balkone möglichst so gestalten, dass diese den Tieren keinen Lebensraum bieten.

          Verwechslungsgefahr mit deutscher Mücke

          Der wirksamste Schutz ist nach Angaben des Ministeriums, dass man den Mücken die Möglichkeit zum Brüten nimmt. Vorgeschlagen wird, kein Wasser in Untersetzern oder Eimern stehen zu lassen, ungenutzte Behälter auf den Kopf zu stellen, Regentonnen nicht nur abzudecken, sondern abzudichten, und das Wasser in Vogeltränken und Planschbecken einmal wöchentlich auszutauschen. Ein Flyer des Sozialministeriums liegt in allen Gesundheitsämtern ausliegt. Handlungsempfehlungen gibt es auch im Internet.

          Nicht gewollt sei es, dass die Bürger in der Stadt aus Angst vor den Mücken ihre Gärten und Hinterhöfe nicht mehr begrünten, sagt Kreß. „Wir wollen die Stadtnatur unbedingt erhalten, mit ein paar Handgriffen können wir die Tigermücke klein halten.“ In Hessen hat es vor den Frankfurter Funden bisher nur zwei Mal Meldungen über Tigermücken gegeben, in Kassel und in Bensheim. Offenbar hatte es sich um einzelne Tiere gehandelt. In anderen Regionen Deutschlands hat die Tigermücke dagegen schon überwintert, vor allem im benachbarten Baden-Württemberg hat sie sich Kreß zufolge fest etablieren können.

          Ob es sich bei einer Mücke tatsächlich um eine Tigermücke handelt, ist nach Angaben des Biologen daran zu erkennen, dass diese Stechmücke sehr klein und pechschwarz mit silbernen Streifen ist. Häufig wird sie mit der heimischen Ringelmücke verwechselt, die groß und braunschwarz mit ockerfarbenen Streifen ist.

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