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Tiertausch zwischen Zoos : Wo es einen so alles hin verschlägt

  • -Aktualisiert am

Bonobo Bili wurde von seinen Artgenossen im Wuppertaler Zoo mehrmals attackiert. Nun ist er in einem anderen Gehege untergekommen. Bild: obs

Jedes Jahr verschickt der Frankfurter Zoo Hunderte Tiere in andere Tierparks. Die meisten sollen dort für Nachwuchs sorgen. Doch nicht jedes Tier wird von seinen Artgenossen gut aufgenommen.

          Am Schicksal des malträtierten Bonobo-Affens Bili im Wuppertaler Zoo haben Hunderttausende Anteil genommen. Bis November vergangenen Jahres war das Tier im Zoo Frankfurt untergebracht, anschließend wurde es in den „Grünen Zoo“ in Wuppertal gebracht. Doch die dortige Bonobo-Gruppe akzeptierte den Neuankömmling zunächst nicht, er wurde immer wieder angegriffen. Artgenossen bissen Bili Teile eines Ohres und eines Zehs ab, weshalb mehr als 300.000 Tierfreunde eine Online-Petition zur Rettung des Affens unterstützten.

          In den meisten Fällen verläuft die Integration eines Zootiers in eine neue Gruppe unproblematischer. Daher bekommt außerhalb der Tiergärten normalerweise kaum jemand die regelmäßigen Tiertransporte zwischen den Zoos mit. Allein aus Frankfurt werden jährlich Hunderte Tiere innerhalb Europas und sogar darüber hinaus verschickt. Meistens, um für Nachwuchs zu sorgen. Auf dieser Seite werden ein paar der ehemaligen Frankfurter Zoobewohner vorgestellt.

          Ein kleiner Ameisenbär, auch Tamandua genannt, wurde im März vergangenen Jahres aus Frankfurt nach Val-de-Reuil in der Normandie gebracht. Die Zucht der Tamanduas läuft nach Angaben von Johannes Köhler, einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Frankfurter Zoos, schon seit einigen Jahren sehr gut. Daher würden immer wieder kleine Ameisenbären aus Frankfurt in die Welt versendet. Im Tiergarten „Biotropica“ in Val-de-Reuil gewöhnte sich das Prince genannte Tier schnell ein. Noch im vergangenen Jahr gab es den ersten Nachwuchs, allerdings starb das Jungtier schon nach wenigen Monaten wegen einer Fehlentwicklung seiner Zunge. Mittlerweile sei das Tamandua-Weibchen aber wieder schwanger, sagt eine Sprecherin von „Biotropica“.

          Im Tierpark Kolmarden: Das Grévyzebra Shujaa kam im Mai vergangenen Jahres aus dem Ostend in die Nadelwälder Südschwedens. Bilderstrecke

          Auch Okapis werden in Frankfurt gezüchtet und daher immer wieder in andere Zoos gebracht, sobald sie zu groß für das hiesige Gehege werden. Im vergangenen Jahr wurde zum Beispiel das Okapi-Weibchen Antonia dem Zoo Antwerpen überlassen. Seine Eingewöhnung verlief nach Angaben einer Sprecherin sehr gut, es teile sich das Gehege mit einem Okapi-Männchen. Es könne aber dauern, bis sich die beiden näherkommen würden, und selbst dann werde der erhoffte Nachwuchs noch auf sich warten lassen: Eine Okapi-Schwangerschaft dauere mehr als 14 Monate.

          Schweren Herzens trennten sich 2014 die Frankfurter Zoobesucher von dem ein Jahr vorher geborenen Tiger-Weibchen Berani. Es wurde in den Zoo Augsburg gebracht, wo kurz nach ihm auch ein Kater in das Gehege kam. Jungtiere haben die beiden allerdings noch nicht bekommen. Auch in diesem Jahr werde noch das ein oder andere Tier den Frankfurter Zoo verlassen, sagt Johannes Köhler. Die drei Löwenjungen könnten nicht mehr lange mit ihrem Vater in einem Gehege gehalten werden. Ob sie ein eigenes Gehege bekommen oder in einen anderen Zoo gebracht würden, sei noch ungewiss. In Wuppertal gehe es dem Bonobo Bili mittlerweile relativ gut, sagt ein Sprecher des dortigen Zoos. Seine Kumpane hätten ihn seit geraumer Zeit nicht mehr angegriffen. Sogar beim Sex wurde Bili ertappt. Vielleicht wird es bei ihm doch noch etwas mit dem Nachwuchs.

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