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Tiere : Abschied von der Kuschelmamba

Zoofachhändler verkaufen sie nicht mehr: die hochgiftige grüne Mamba Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sie sollen zutraulich werden, diese grünen Mambas, heißt im Internet, wiewohl sie hochgiftig sind. Das Innenministerium will die Haltung gefährlicher Schlangen jetzt verbieten.

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          Des einen Freud ist des anderen Leid. Während man sich im kleinen Kurort Schlangenbad Sorgen macht, das namensgebende Wappentier, die Äskulapnatter, könnte allzu selten werden, tauchen an anderen Orten in Hessen bisweilen Reptilien auf, über die sich keiner so richtig freut. In der vorigen Woche etwa sorgte bei einem Aldi-Markt in Wiesbaden eine lange Schlange für Unmut, und zwar einmal nicht an der Kasse, sondern auf dem Parkplatz: Die gemusterte Boa erreichte immerhin soviel Aufmerksamkeit, daß die Polizei das Gelände weiträumig absperren ließ und einen Experten zum Einfangen anforderte.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Einen „Trend zum gefährlichen Tier“ hat die Tierschutzbeauftragte der hessischen Landesregierung, Madeleine Martin, ausgemacht. Mit Besorgnis berichtete sie an das Innenministerium von einer Umfrage bei Veterinärämtern. Danach häuften sich Fälle von nicht artgerecht gehaltenen Exoten. Diese würden nicht mehr über den Zoofachhandel vertrieben, der sich 1991 mit den „Heidelberger Beschlüssen“ zur Abstinenz etwa bei langen oder giftigen Schlangen verpflichtet hatte. Vielmehr seien Tierbörsen und das Internet die Umschlagplätze geworden. Entsprechend seien die Handelsströme heute schwieriger zu kontrollieren.

          „Wir wollen die Haltung grundsätzlich verbieten“

          Im Innenministerium arbeitet man seither an einem Gesetzesvorschlag, der die Haltung gefährlicher Tiere in Hessen grundsätzlich verbieten soll. Staatssekretärin Oda Scheibelhuber gilt als die treibende Kraft: Erwogen wird eine Verankerung im Naturschutz- oder im Polizeigesetz, wie ein Sprecher des Ministeriums sagt. Die Details seien aber noch nicht geklärt. Schon jetzt könnten die Halter solcher Tiere auf der Ebene von Ordnungswidrigkeiten unter Umständen belangt werden, wenn von den Tieren konkret Gefahr für Menschen ausgehe oder die Tiere leiden müßten. „Wir wollen aber viel früher ansetzen und die Haltung grundsätzlich verbieten“, heißt es im Innenministerium. Dazu werde es exakte Listen geben müssen, welche Tiere künftig nicht mehr privat gehalten werden dürften. Man könne zum Beispiel nicht einfach „grundsätzlich jeden Skorpion verbieten“.

          Die Differenzierung ist auch den Zoofachgeschäften sehr wichtig, wie Thomas Griffith vom Zentralverband der Branche sagt. Er vertritt rund 700 Tierhandlungen. Wenn beispielsweise alle Schlangen verboten werden sollten, habe die Branche sehr wohl ein Problem damit. Wenn Wiesbaden sich hingegen an den „Heidelberger Beschlüssen“ orientiere - keine Giftschlangen, keine Würgeschlangen über 2,50 Meter Länge, keine Krokodile, keine Schnappschildkröten -, dann schade das den Geschäften nicht.

          Genaue Zahlen über die Haltung exotischer Reptilien in Hessen gibt es nicht. Selbst von den Giftschlangen sind bislang nur rund zehn Prozent meldepflichtig. Gleichwohl gibt es Kenntnisse in Wiesbaden über spektakuläre Einzelfälle. In Gießen etwa fanden Polizisten 30 teilweise erkrankte Giftschlangen in einem ungesicherten Terrarium, als sie eine verlassene Wohnung öffneten. Im Landkreis Kassel lebten in einer Familie ein Kleinkind und ein Sumpfkrokodil zusammen. In Jügesheim brach im Juli eine 1,30 Meter lange Königsnatter aus. Im Frankfurter Hauptbahnhof wurde unlängst ein rund ein Meter langer Python im Intercity aus Hamburg entdeckt. Und in Dreieich wurde im vorigen Jahr aus einem Wohnhaus eine zwei Meter lange „Boa constrictor“ gestohlen, die auf den netten Namen „Susi“ hörte.

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