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Ort der Erinnerung: Ralf Döblitz kehrt ins Haus 68 zurück. Dort hat er sich als junger Pfleger um Aidspatienten gekümmert. Bild: Wonge Bergmann

Therapie nach HIV-Infektion : „Es gelingt uns, fast jedes Stadium umzudrehen“

40 Jahre ist es her, dass die ersten Aidspatienten in der Frankfurter Uniklinik behandelt wurden und es noch keine Therapiemöglichkeiten gab. Inzwischen hat sich die Medizin weiterentwickelt.

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          Nie wieder hat Milchreis für Krankenpfleger Ralf Döblitz so geschmeckt wie Ende der Achtzigerjahre. Nach ehrlichen, sehr intimen Momenten und immer auch ein bisschen nach Verzweiflung. Jeder Löffel, der im Mund der Patienten verschwand, war ein kleines, trotziges Aufbäumen im Kampf gegen eine Krankheit, die sich am Ende durch nichts aufhalten ließ. Erst recht nicht durch Milchreis. Ralf Döblitz und seine Kollegen wussten das. Die Patienten auch. Sie kamen in das Haus 68 an der Uniklinik in Frankfurt, um zu sterben. Nicht, um geheilt zu werden. Vor 40 Jahren wurde der erste Aidspatient in der Klinik aufgenommen, und auch heute noch werden hier Menschen behandelt, bei denen das Virus das Immunsystem schon angegriffen hat. Kam die Diagnose damals einem Todesurteil gleich, kann die Infektion heute durch Medikamente gut therapiert werden.

          Marie Lisa Kehler
          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Dass die HIV-Infektion an Schrecken verloren hat, ist eine Entwicklung, die Ralf Döblitz erleichtert, aber zugleich auch verwundert zurücklässt. Die Erinnerung an seine ersten Berufsjahre im Haus 68 haben sich in das Gedächtnis des heute 55 Jahre alten Mannes eingebrannt. Er sei jung gewesen, gerade einmal Anfang zwanzig, als er sich nach der Ausbildung freiwillig für den Dienst auf der „Aids-Station“, auf der so recht niemand arbeiten wollte, meldete. Döblitz gehört nicht zu den ersten Pflegern in Frankfurt, die auf der Station eingeteilt wurden. Wohl aber zu jenen, die die Anfänge miterlebt und mitgetragen haben. „Ich hatte eine Verpflichtung“, sagt er heute. Es gab kein Zaudern und Zögern. Nur den Willen, zu helfen.

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