https://www.faz.net/-gzg-831ld

Kommentar : Bitte keine Trickserei

Rund und rot: ein Verkehrsschild in der Frankfurter Höhenstraße verbietet Geschwindigkeiten über 30 Stundenkilometern Bild: Grapatin, Niklas

Reduziert eine Tempo 30-Zone wirklich Lärm und Abgase? Frankfurt will das testen. Doch der Verdacht liegt nahe, dass Grünen-Politiker das Ergebnis des Versuchs zurechtbiegen könnten.

          „Schikane!“ werden viele Autofahrer rufen, wenn bald auf dem Frankfurter Alleenring und auf drei weiteren Hauptstraßen der Mainmetropole nachts Tempo 30 gelten wird. „Endlich mehr Ruhe“ werden viele lärmgeplagte Anwohner antworten. Die einen wie die anderen müssen aber wissen, dass die Einführung dieser Geschwindigkeitsbegrenzung ein Modellversuch ist.

          Keiner kann derzeit mit Sicherheit sagen, ob bei Tempo 30 der Verkehrslärm und die Abgaswerte nennenswert sinken werden und die Anwohner besser schlafen können. Dies eben soll durch den Frankfurter Versuch herausgefunden werden. Es war deshalb vom früheren hessischen Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) nicht klug, ihn im Winter 2012 zu untersagen.

          Immer mehr Tempo-30-Zonen in Frankfurt

          Erweist sich jetzt in Frankfurt, dass die Lärmbelästigung merklich abnimmt, dann dürfte bald ein nächtliches Tempolimit auch auf Hauptstraßen anderer hessischer Städte eingeführt werden. Zumindest in solchen, in denen die Grünen mitregieren. Denn Tempo 30 ist ein grünes Projekt.

          Man merkt das im schwarz-grün regierten Frankfurt, wo in den vergangenen Jahren unter zwei grünen Verkehrsdezernenten die Tempo-30-Zonen in Wohngebieten deutlich ausgeweitet wurden. Es gibt schließlich in der Partei der Grünen und bei ökologisch orientierten Verbänden starke Kräfte, die ein generelles Tempolimit von 30 Kilometern in den Städten anstreben. Und das nicht nur nachts.

          Steht das Ergebnis des Tests gar schon fest?

          Weil in Frankfurt der grüne Stadtrat Stefan Majer den nächtlichen Tempo-30-Versuch organisiert, kommt bei manchem der Verdacht auf, er werde die Versuchskonstellation so gestalten, dass am Ende auf jeden Fall das gewünschte Ergebnis, nämlich eine deutliche Lärmminderung, auf dem Papier steht. Majer hat indes versprochen, dass er nicht tricksen werde.

          Man kann ihm durchaus glauben, schließlich ist er als ein glaubwürdiger und ehrenwerter Mann bekannt. Wenn sich herausstellen sollte, dass Tempo 30 nichts oder nur wenig für die Anwohner lauter Straßen bringt, wird er gewiss Tempo 30 auf dem Alleenring wieder einstellen und zu Tempo 50 zurückkehren.

          Wobei das Problem ist, dass gerade in der Nacht, wenn die Straßen leer sind, viele Autofahrer sich einen Teufel um die Straßenverkehrsordnung scheren und munter rasen. Es wäre schon ein großer Gewinn, wenn man diese Auswüchse eindämmen könnte.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Streit um eine Straße in Frankfurt

          F.A.Z.-Leserbriefe : Streit um eine Straße in Frankfurt

          Ist es klug, dass die Stadtregierung den Autoverkehr entlang des Mains auf dessen Nordseite versuchsweise verbietet? Kein Thema wird zurzeit in Frankfurt mit größerer Leidenschaft diskutiert. Wie aber sehen es F.A.Z.-Leser? Wir haben nachgefragt.

          Topmeldungen

          Ashton Applewhite

          Altersdiskriminierung : „Man kann nicht jung bleiben“

          Die Amerikanerin Ashton Applewhite kämpft gegen eine Form der Diskriminierung, über die kaum jemand spricht, obwohl sie jeden irgendwann treffen wird. Ein Gespräch über Altersdiskriminierung.
          Schlechte Laune im Osten? Das stimmt nicht so ganz.

          Ostdeutschland : Woher die schlechte Laune?

          Steht es dreißig Jahre nach dem Ende der DDR wirklich so schlimm mit der deutschen Einheit und dem Osten? Nein. Die krasse Fehleinschätzung hat auch etwas mit denen zu tun, die heute die politische Meinung im Osten mitprägen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.