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Salafismus-Tagung : „Kämpfer kommen früher oder später zurück“

  • -Aktualisiert am

Herrschaftsgebiet: Kämpfer des „IS“ stehen an einem Kontrollpunkt in der nordirakischen Stadt Mossul, die sie erobert haben. Das Foto stammt von Juni diesen Jahres. Bild: Reuters

Der Krieg des „Islamischen Staats“ ist längst ein Phänomen, das auch den Westen beschäftigt. Dschihadismus und Salafismus standen im Mittelpunkt der ersten Tagung eines neuen Forschungszentrums der Goethe-Uni.

          Einen differenzierten Umgang mit Kämpfern des „Islamischen Staats“, die aus Syrien und Irak in ihre europäischen Heimatländer zurückkehren, fordert Peter Neumann, Direktor des am Londoner King’s College angesiedelten Internationalen Zentrums zur Erforschung von Radikalisierung und politischer Gewalt. Seiner Ansicht nach gibt es drei Rückkehrer-Kategorien: Gefährliche, Geschädigte, die so traumatisiert seien, dass sie gefährlich werden könnten, und Desillusionierte. „Für sie brauchen wir unterschiedliche Ansätze: Strafverfolgung, psychische Betreuung und Re-Integration“, sagte Neumann bei der ersten Tagung des Frankfurter Forschungszentrums Globaler Islam. Integrierbar seien am ehesten die desillusionierten Kämpfer.

          Das „Dümmste und Verantwortungsloseste“ sei es, Radikalisierte einfach in die Kriegs- und Krisengebiete ziehen zu lassen, warnte Neumann. „Die Kämpfer kommen früher oder später zurück.“

          Neues Forschungszentrum zum Islam

          Rund 300 Teilnehmer waren am Freitag zu der Tagung mit dem Titel „Salafismus und Dschihadismus. Der Traum vom Gottesstaat im 21. Jahrhundert“ ins Historische Museum nach Frankfurt gekommen. Eingeladen hatte Susanne Schröter, die dem neuen Forschungszentrum am Exzellenzcluster „Die Herausbildung normativer Ordnungen“ der Goethe-Universität vorsteht. Die Ethnologin befasst sich seit langem mit globalen Erscheinungsformen von Islam, Islamismus und Dschihadismus. Das Forschungszentrum Globaler Islam mit seinem Kern-Team von zwölf Experten widmet sich dem Islam in vielfacher Hinsicht, Reformbewegungen genauso wie radikalen Ausprägungen, und in mehreren Regionen.

          Bekim Agai, Direktor des Instituts für Studien der Kultur und Religion des Islam an der Goethe-Universität, würdigte die Gründung des Forschungszentrums. „Die ethnologische Perspektive, die die Kollegin Schröter einbringt, ist uns sehr willkommen“, sagte er zu Beginn der Tagung. Die Radikalisierung mit Bezug auf Religion bezeichnete Agai als „eine sehr drängende Frage“.

          „In der Prävention passiert kaum etwas“

          Nötig sei eine „Auseinandersetzung der offenen Gesellschaft mit den Feinden der offenen Gesellschaft“, forderte der Islamwissenschaftler und Politologe Marwan Abou-Taam, der unter anderem beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz arbeitet. Zulauf habe der Salafismus, weil er der einzige deutschsprechende Islam in Deutschland sei, jungen Muslimen Sinn vermitteln könne und ein klares Freund-Feind-Denken biete. Für wichtig erachtet Abou-Taam auch eine bessere Jugendarbeit in islamischen Gemeinden. „Da, wo sie funktioniert, werden Jugendliche nicht danach schauen, was woanders ist.“

          Auch der Berliner Psychologe Ahmad Mansour forderte mehr Anstrengungen, um Jugendliche vor einem Abgleiten in den Salafismus zu bewahren. „In der Prävention passiert kaum etwas“, beklagte er. Beispielsweise müsse an Schulen differenzierter über die Lage in Syrien und andere Konflikte, die die Jugendlichen emotional beschäftigten, gesprochen werden, damit Schüler für salafistische Propaganda nicht anfällig seien und als Kämpfer nach Syrien wollten. Außerdem müssten Pädagogen und Eltern rechtzeitig erkennen, wann Jugendliche für radikale Parolen anfällig seien. „Die salafistischen Rekrutierer wissen genau, wen sie ansprechen müssen.“

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