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Synodaler Weg : Kirchenreform im Corona-Modus

Voller Saal, viel Kontakt: So wie im Januar können die Teilnehmer des „Synodalen Wegs“ wegen Corona nicht mehr im Dominikanerkloster zusammenkommen. Bild: Wonge Bergmann

Eigentlich sollte der „Synodaler Weg“ Anfang September in Frankfurt weitergehen. Doch die Pandemie verzögert den katholischen Reformprozess. Die Organisatoren wollen anders weitermachen.

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          Das Coronavirus macht auch vor der katholischen Kirchenreform nicht Halt. Eigentlich wollten sich die etwa 230 Mitglieder des Reformprojekts „Synodaler Weg“ in einem Monat, vom 3. bis zum 5. September, zu ihrer zweiten Versammlung in Frankfurt treffen. Doch daraus wird nichts. Um die Ansteckungsgefahr so gering wie möglich zu halten und die Abstands- und Hygieneregeln besser einhalten zu können, haben sich die Organisatoren zu einer gravierenden Änderung entschieden: Die Deutsche Bischofskonferenz und das Zentralkomitee der deutschen Katholiken planen statt einer gemeinsamen Zusammenkunft aller Synodaler dieses Mal dezentrale Kleinformate.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Unter dem Motto „Fünf Orte – ein Weg“ wird es fünf eintägige, regionale Treffen geben, natürlich wieder in Frankfurt, aber auch in Berlin, Dortmund, München und Ludwigshafen. Jeweils annähernd 50 Teilnehmer sollen am Freitag, 4. September, an fünf Orten gleichzeitig von 10 bis 18 Uhr zusammenkommen, um das Reformprojekt zumindest nicht ganz pausieren zu lassen.

          Mit dem gemeinsamen Reformweg von Klerikern und Laien will die katholische Kirche die Konsequenz aus dem sexuellen Missbrauch in den eigenen Reihen ziehen. Die Synodalversammlung der 230 Teilnehmer ist das oberste Organ, doch nun muss es erst einmal in kleineren Gruppen weitergehen. Die Verteilung der Tagungsorte über die Republik soll außerdem kürzere und damit weniger gefährliche Anfahrtswege garantieren.

          „In einer coronamäßig kondensierten Form“

          Das Präsidium des Synodalen Wegs versteht die regionalen Konferenzen nach eigenen Worten als „Zwischenschritt hin zur zweiten Synodalversammlung“. Die soll nun statt Anfang September vom 4. bis zum 6. Februar 2021 in Frankfurt stattfinden – und damit mehr als ein Jahr nach der ersten Versammlung Anfang 2020. Vorausgesetzt natürlich, die Entwicklung der Pandemie erlaubt bis dahin ein Treffen in voller Stärke wieder.

          Der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz hält die Variante mit dem Zwischenschritt „in einer coronamäßig kondensierten Form“ für richtig. „Ich finde es gut so, weil die zeitliche und inhaltliche Spreizung sonst zu groß würde“, sagt der Geistliche, der selbst bei dem Reformprojekt mitmacht. Der Synodale Weg werde quasi um einen Schritt verlängert. Das könne dem Vorhaben nur gut tun, meint zu Eltz. Denn mit den bisher geplanten vier Versammlungen bis Ende 2021 sei das „ambitionierte Reformprogramm kaum hinzubekommen“. Und auch so bleibe das Ganze „ein sportliches Programm“.

          Hält den Corona-Zwischenschritt auf dem Weg für richtig: Stadtdekan Johannes zu Eltz
          Hält den Corona-Zwischenschritt auf dem Weg für richtig: Stadtdekan Johannes zu Eltz : Bild: Wonge Bergmann

          Das eintägige September-Treffen in Frankfurt wird wie zu Jahresbeginn im großen Saal des Dominikanerklosters stattfinden – allerdings mit viel mehr Abstand zueinander. Der Stadtdekan geht davon aus, dass dort zum einen aus den vier Arbeitsgruppen berichtet wird, in denen sich 140 der 230 Teilnehmer in den vergangenen Monaten ausgetauscht haben. Die vier Themen lauten Macht und Gewaltenteilung, priesterliches Leben, Frauen in Diensten und Ämtern sowie Sexualität und Partnerschaft. Aus dem Bistum Limburg stammen elf Teilnehmer, von denen aber nicht alle von der Diözese nominiert wurden.

          Außerdem rechnet zu Eltz damit, dass sich die fünf regionalen Gruppen mit der vor zwei Wochen veröffentlichten „Instruktion der Kleruskongregation“ des Vatikans beschäftigen werden. In dem Papier hatte sich Rom zur Zukunft der Pfarreien geäußert. Demnach soll es trotz Priestermangels zum Beispiel verboten bleiben, dass Nichtgeweihte, also Laien, römisch-katholische Pfarreien leiten.

          Wörtlich heißt es in der Instruktion: Wer die Priesterweihe nicht empfangen habe, „kann, auch im Falle des Priestermangels, weder den Titel noch die entsprechenden Funktionen erhalten“. Allerdings könne Diakonen, Gottgeweihten und selbst Laien zumindest eine „Beteiligung an der Hirtensorge der Gemeinde anvertraut werden“, vor allem in einem Zusammenschluss von Pfarreien oder einem „pastoralen Raum“, der einem einzigen Priester anvertraut ist.

          „Das kann eigentlich nicht ohne Antwort der Synodalen bleiben, weil dadurch ja manche Ansätze direkt in Frage gestellt werden“, meint zu Eltz. Es ist aber auch gut möglich, dass das Vatikan-Papier den kompletten, auf vier Vollversammlungen angelegten „Synodalen Weg“ begleiten wird. Der dauert wegen Corona nun länger und endet nicht im Oktober 2021, sondern erst im Februar 2022.

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